Nahrungsmittelunverträglichkeiten | Laktoseintoleranz | Zöliakie

Ist Nahrungsmittelunverträglichkeit eine neue Volkskrankheit?

Wann spricht man von einer sogenannten "Nahrungsmittelunverträglichkeit" und welche Ursachen können dafür verantwortlich sein. Einige nützliche Ansätze finden Sie nachfolgend in diesem Artikel.

Angesichts der stark wachsenden Zahl von unter Nahrungsmittelunverträglichkeiten leidenden Menschen ist in diesem Zusammenhang häufig von einer modernen Volkskrankheit die Rede. Fast jeder vierte Deutsche ist mittlerweile mit Problemen bei der Aufnahme bestimmter Nahrungsmittel konfrontiert. Experten weisen jedoch einschränkend darauf hin, dass lediglich 3 bis 4 Prozent der in Deutschland lebenden Erwachsenen unter einer tatsächlichen, von einem Diätologen bestätigten, Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden. Deshalb sollte niemand sofort in Panik verfallen, nur weil er hier und da Bauchgrummeln hat. Trotzdem lässt sich nicht von der Hand weisen, dass das Auftreten des Krankheitsbildes in allen großen Industrie-Nationen aufgrund unterschiedlicher Ursachen in jüngerer Vergangenheit zunimmt.

Die am häufigsten anzutreffende Nahrungsmittelunverträglichkeit ist die Laktoseintoleranz. Sie entsteht dann, wenn über die Nahrung aufgenommener Milchzucker aufgrund eines fehlenden Enzyms nicht verdaut werden kann. Weit verbreitete Unverträglichkeiten sind zudem die Fruktoseintoleranz (Unverträglichkeit von Fruchtzucker), die Histaminintoleranz oder die in den meisten Fällen angeborene Zöliakie (Glutenunverträglichkeit). Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit ist für die Betroffenen mit unangenehmen Symptomen, wie beispielsweise Juckreiz im Mund oder auf der Haut, Atembeschwerden, heftigen Bauchschmerzen, starken Blähungen oder Durchfällen, verbunden. Da eine Nahrungsmittelunverträglichkeit durch fehlerhafte Verdauungsprozesse im Dünndarm entsteht, machen sich die Folgen, anders als bei einer unmittelbar sichtbaren Allergie, häufig erst nach einem Zeitraum von mehreren Stunden bemerkbar.

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Etwa 15 Mio. Menschen in Deutschland leiden unter Laktoseintoleranz. (Quelle: © PhotoSG - Fotolia.com)

Wo liegen die Ursachen für eine Nahrungsmittelunverträglichkeit?

Häufig ist eine Nahrungsmittelunverträglichkeit dadurch bedingt, dass dem Körper ein wichtiges Enzym fehlt, wodurch es zu gravierenden Störungen bei der Verdauung bestimmter Lebensmittel kommt. So wird eine Laktoseintoleranz beispielsweise durch das Fehlen des Verdauungsenzyms Laktase hervorgerufen. Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit kann auch dann entstehen, wenn der menschliche Körper aufgrund einer Fehlfunktion spezifische Antikörper gegen bestimmte Lebensmittel bildet. Schon geringe Mengen des jeweiligen Nahrungsmittels können dann unangenehme körperliche Reaktionen auslösen.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind teilweise angeboren, entstehen sehr häufig aber auch durch falsche Ernährung. Als wesentlicher Grund gilt dabei der hohe Anteil von industriell gefertigten Lebensmitteln. Einige der in ihnen enthaltenen Zusatzstoffe verursachen ungünstige Wechselwirkungen und können auf diese Weise bei bestimmten Menschen eine Nahrungsmittelunverträglichkeit hervorrufen. Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit kann auch durch eine vermeintlich gesunde Ernährung, die beispielsweise auf übermäßig hohem Verzehr von Obst und Gemüse beruht, ausgelöst werden.

Mit der Nahrungsmittelunverträglichkeit leben

Eine Nahrungsmittelunverträglichkeit ist für die davon Betroffenen häufig mit einem erheblichen Verlust an Lebensqualität verbunden. So ist ein unbeschwerter Restaurantbesuch oder ein Essen bei Freunden oftmals nur mit Einschränkungen möglich. Die Krankheit diktiert in vielerlei Hinsicht das Leben und häufig müssen schon im Vorfeld Vorkehrungen für den Fall des Auftretens der Nahrungsmittelunverträglichkeit getroffen werden. Bei weniger stark ausgeprägten Unverträglichkeiten, die z. B. zu juckenden Hautpartien nach dem Verzehr bestimmter Obstsorten (Erdbeeren, Kiwis, etc.) führen, kann man dem Problem mit einer sanften Hydrocortison-Creme aus der Apotheke begegnen.

Um ernstere Krankheiten in den Griff zu bekommen, empfiehlt es sich allerdings ein Ernährungstagebuch zu führen, in dem der Betroffene festhält, welche Lebensmittel er zu welchem Zeitpunkt verzehrt hat. Basierend auf den Aufzeichnungen lässt sich dann mit Hilfe eines Diätologen herausfinden, welche Lebensmittel die Unverträglichkeit hervorrufen. Nachdem die entsprechenden Lebensmittel identifiziert wurden, sollten sie für einen Zeitraum von 4 bis 8 Wochen vom Speiseplan gestrichen werden. Oft ist es möglich, die Lebensmittel in kleineren Mengen dann wieder ohne Beschwerden zu verzehren.

Wohingegen bei Unverträglichkeiten, die stärkere Auswirkungen haben, wie die Glutenunverträglichkeit Zöliakie, tatsächlich nur durch das Führen einer strikten, lebenslang einzuhaltenden Diät in den Griff zu bekommen sind. Es sind in jüngerer Vergangenheit verschiedene Nachschlagewerke erschienen, in denen hilfreiche Tipps zur Ernährung mit glutenfreien Produkten gegeben werden. Eine weitere wirksame Vorgehensweise gegen eine Nahrungsmittelunverträglichkeit kann die Einnahme von Enzympräparaten vor einer Mahlzeit sein. Sie helfen dem Körper dabei, die unverträglichen Stoffe ohne Probleme aufzunehmen und zu verdauen. Da sie bei den meisten Menschen so gut wie keine Nebenwirkungen erzeugen, können Enzympräparate eine große Hilfe dabei sein, das Leben mit einer Nahrungsmittelunverträglichkeit wesentlich angenehmer zu gestalten.

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Enzympräparat bei Unverträglichkeiten (Quelle: Patricia Klamt)

Nicht nur Nachteile bei Laktoseintoleranz

Obwohl Lebensmittelunverträglichkeiten für die davon Betroffenen häufig mit einem immensen Verlust an Lebensqualität verbunden sind, scheinen sie paradoxerweise auch vorteilhafte Aspekte zu beinhalten. Im Rahmen von wissenschaftlichen Untersuchungen wurde beispielsweise festgestellt, dass Menschen, die von einer Laktoseintoleranz betroffen sind, ein geringeres Risiko haben, an bestimmten Formen von Krebs zu erkranken. So erbrachte eine groß angelegte Studie mit über 20.000 Probanden den Beweis, dass Brustkrebs, Lungenkrebs und Eierstockkrebs bei Menschen, die aufgrund einer Unverträglichkeit Milchprodukte meiden, deutlich seltener anzutreffen sind. Schlussfolgernd vermuten Forscher, dass bestimmte Inhaltsstoffe von Milch- und Milchprodukten eine krebsfördernde Wirkung haben könnten.

Die Politik reagiert

Um der immer größer werdenden Zahl an Menschen, die unter einer Nahrungsmittelunverträglichkeit leiden, zu helfen, verpflichtet die Europäische Union Lebensmittelhersteller in Zukunft dazu, noch genauer anzugeben, welche Inhaltsstoffe in ihren Produkten enthalten sind. Das ab dem 13. Dezember 2014 in Kraft tretende Gesetz wird darüber hinaus auch für Restaurants gelten. Ziel der Regelung ist ein höheres Maß an Transparenz für unter Nahrungsmittelunverträglichkeiten leidende Menschen zu schaffen und auf diese Weise den Einkauf von Lebensmitteln zu vereinfachen. Weiter Informationen zu diesem neuen Gesetz können Sie hier finden.

 


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Axel Zawischa ist einer der zwei Gründer von www.basenio.de. Er engangiert er sich für die Entwicklung der Inhaltlichen Gestaltung des Ratgebers, die technische Weiterentwicklung sowie das komplette Management. Als gelernter Automobilkaufmann & Verkaufleiter ...


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