IGel Leistungen | Individuelle Gesundheitsleistungen | IGel Liste

Was sind individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) und braucht man diese?

IGel Leistungen | Individuelle Gesundheitsleistungen | Igel Liste (Quelle: fotolia.com)

Individuelle Gesundheitsleistungen, kurz IGeL, werden von Ärzten zunehmend Kassenpatienten als privat zu zahlende Leistung angeboten. Ob man IGel benötigt, durch diese länger lebt oder damit nur das Arzthonorar aufbessert, erfahren Sie hier!

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Diese Leistungen werden den Kassenpatienten immer häufiger privat in Rechnung gestellt. Inzwischen gibt es etwa 350 IGeL-Leistungen mit einem sagenhaften Umsatz von circa 1,5 Milliarden Euro. Diese neue zusätzliche Verdienstmöglichkeit hat die Rolle des Arztes stark verändert. Sie ist für manche Ärzte zu einem wichtigen Einkommensbeitrag geworden. Mit der finanziellen Bedeutung dieser Angebote rückt aber für den Arzt die unternehmerische Seite seiner Tätigkeit in den Vordergrund. Das ist problematisch, da es hierbei um „Kunden“ geht, die aus einer medizinischen Notlage heraus zum Arzt kommen. Sie sind leicht zu beeinflussen, eine zusätzliche Dienstleistung zu kaufen. Da der Arzt vom Verkauf finanziell profitiert, kann man nicht uneingeschränkt davon ausgehen, dass er seine Patienten wirklich objektiv über den Wissensstand und die Vor- bzw. Nachteile einer Leistung informiert. Man muss befürchten, dass die Darstellung meistens zugunsten von IGeL ausfällt. Vielfach werden uninformierte Praxisbesucher mit Verkaufswerbung beeinflusst wie: „Vorsorge plus“, „erweiterte Krebsvorsorge“ und ähnlichem. Jeder sollte sich daher rechtzeitig mit dem Thema beschäftigen denn:

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Wenn Sie IGel hören oder von Ihren Arzt vorgeschlagen bekommen, sollten Sie kritisch hinterfragen! Viele IGel sind überflüssig! (Quelle: fotolia.com)

Viele IGeL-Leistungen sind unnötig

Obwohl viele Leistungen für überflüssig oder sogar für schädlich gehalten werden, werden sie immer häufiger von Ärzten verkauft.

Beispiel: Mit haltlosen Versprechen für nutzlosen Ultraschall der Eierstöcke versuchen zum Beispiel viele Frauenärztinnen und -ärzte, mit einer Leistung zur Krebsfrüherkennung Kasse zu machen. In einer Stichprobe empfahl jede vierte Praxis diese IGeL-Leistung unverblümt mit der Begründung die Kassenleistung sei unzureichend. Als Patient müssen Sie dann selbst wissen, dass Sie diese Untersuchung ohne Schaden für sich ablehnen können. Sogar die Verbraucherzentrale verschickt Abmahnungen an Ärzte, die diese Untersuchung ihren Patientinnen aufdrängen wollen.

Beispiel: Der PSA-Test zur Früherkennung von Prostatakrebs ist unter Experten wegen mangelnder Zuverlässigkeit umstritten: Laut neuesten Studien können daraus Fehldiagnosen und falsche Therapieentscheidungen entstehen. Eine vorschnelle Operation bedeutet für manchen Mann lebenslang Inkontinenz oder Impotenz. Der IGeL-Monitor (näheres dazu folgt gleich) bewertet den Test als „tendenziell negativ“. Amerikanische Urologen raten von dem PSA-Test bereits ab. In Deutschland bieten Ärzte ihn häufig noch als IGeL an.

Beispiel: Professionelle Zahnreinigung bei Erwachsenen (ohne Parodontitis). Obwohl diese Zahnreinigung sehr verbreitet ist und von vielen Anbietern und Experten sogar als unverzichtbar eingestuft wird, ist der tatsächliche Nutzen kaum untersucht. Da aber kaum Schäden zu erwarten sind, bewertete der IGeL-Monitor die Wirksamkeit der professionelle Zahnreinigung als „unklar“.

Einige Expertenmeinungen zu IGeL-Leistungen:

Ein für mich seriöser und renommierter Wissenschaftler, Prof. Gerd Glaeske, Pharmazeut und Forscher am Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen, ist überzeugt: „Das IGeL-Geschäft ist reine Geldschneiderei.“ Er schränkt ein, es gebe in einzelnen Fällen natürlich auch Leistungen, die dem einen oder anderen Patienten helfen könnten.

Auch Krankenkassen sind der Meinung, dass es bei den IGeL-Leistungen vorwiegend um wirtschaftliche Interessen der Ärzte geht.

Nach dem Hausarzt Dr. Wolfgang Blank aus Kirchberg sind solche Zusatzleistungen völlig überflüssig. Alles medizinisch Notwendige wird über die Kassen abgedeckt. Er sagt: „Ich kenne keine Früherkennungsuntersuchung, die als IGeL sinnvoll ist.“ Im Gegenteil, manchmal richten sie sogar Schaden an.

Selbst der Präsidenten der Ärztekammer Frank Ulrich Montgomery sagt: „Patienten müssen wissen, dass es dabei auch um wirtschaftliche Interessen der Ärzte geht.“

Welche IGeL sind sinnvoll?

Es gibt mehre Stellen, bei denen man sich über die einzelnen IgeL-Leistungen informieren kann ob sie überflüssig, nützlich oder sogar schädlich sind.

  • Der Ratgeber „Selbst zahlen" von der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Dort findet man aber nur allgemeine Ratschläge.
  • Besser sind die Informationen des IGeL-Monitors vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. (MDS). Von diesem kostenlosen Bewertungsportal erhalten Sie ausführliche und wissenschaftlich fundierte Antworten auf die Fragen: Ist eine bestimmte IGeL nützlich? Kann sie schaden? Auf der Internetseite  www.igel-monitor.de  finden Sie eine Übersicht über alle vom MDS bewerteten IgeL-Leistungen und Sie können sich auf der Seite „IGeL A-Z“ über die Navigation links auch eine Auswahl von IGeL-Bewertungen nach Organ oder Arztgruppe anzeigen lassen.
  • Auch eine Nachfrage bei der Krankenkasse kann hilfreich sein. Man erfährt dort, warum die Kosten für eine bestimmte IGeL nicht übernommen werden und kann auch klären, ob zum Beispiel bei bestimmten Vorerkrankungen die Kasse nicht doch die Kosten übernehmen würde.
  • Die unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) berät ebenfalls bei solchen Fragen.
  • Letztlich kann man sich noch die zweite Meinung eines Arztes der gleichen Fachrichtung einholen. Wichtig ist dabei, dass Sie dem Arzt vor der Untersuchung sagen, dass es sich um eine zweite Meinung handelt. Wenn ein Arzt vorher weiß, dass er nicht beauftragt wird, wird er den Sachverhalt objektiver beurteilen. Dieser Tipp, den ich von einem Arzt erhalten habe, scheint mir äußert wichtig zu sein.

 11 wichtige Tipps für Ihr IGeL-Arztgespräch:

  • Vielfach werden Sie sogar schon im Wartezimmer mit solchen Selbstzahler-Behandlungsangeboten von den Sprechstundenhilfen bedrängt. Nur Ihr Arzt kann Sie über die IGeL beraten, nicht aber seine Angestellten. Ideal ist es, wenn Sie sich schon vorher informiert haben, ob Sie eine IGeL wirklich benötigen.
  • Die gesetzliche Krankenkasse zahlt grundsätzlich alle medizinisch notwendigen Untersuchungen und Behandlungen. Es ist also besonders genau zu prüfen, ob eine selbst zu finanzierende Zusatzbehandlung wirklich erforderlich ist.
  • Jeder sollte sich vor einer Untersuchung oder Behandlung ausführlich über sein persönliches Nutzen-Schaden-Verhältnis informieren. Sonst kann der Weg von aufwändiger Diagnose bis zur Operation leicht zum Selbstläufer werden.
  • Lassen Sie sich vom Arzt genau erklären, welchen zusätzlichen Nutzen die Behandlung hat und welchen wissenschaftlichen Nachweis es dafür gibt. Sind mit der Untersuchung oder Behandlung Risiken verbunden und warum wird die Leistung nicht von der Krankenkasse bezahlt? Können Folgekosten entstehen?
  • Gerade wenn Ärzte intensiv und dringend zu Untersuchungen raten ist Vorsicht angebracht. IGeL sind niemals dringend – sonst würden die Krankenkassen die Kosten tragen.
  • Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen IGeL-Leistungen zu kaufen und bitten Sie um Bedenkzeit. Auch wenn Sie befürchten, dass das Vertrauensverhältnis zum Arzt verloren geht, falls Sie der Privatbehandlung nicht zustimmen. Wenn Sie häufig finanzielle Interessen beim Arzt feststellen, wäre es sowieso an der Zeit, den Arzt zu wechseln. Es gibt auch Ärzte mit IGeL-freien Praxen.
  • Unabhängig davon, ob Sie gesetzlich oder privat versichert sind, sollten Sie vorher um einen Kostenvoranschlag bitten. Darin muss der Arzt alles nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) erläutern. Damit sind Sie auch etwas abgesichert, dass die Leistungen nach der Behandlung nicht plötzlich höher berechnet werden als vorher angegeben. Die endgültige Rechnung für die Zusatzleistungen kann sich trotzdem noch von der Summe im Kostenvoranschlag unterscheiden. Grund hierfür ist, dass die Schwierigkeit und der Zeitaufwand der Behandlung nicht von vornherein absehbar sind.
  • Denken Sie auch daran, dass jede Praxis die Kosten beliebig hoch berechnen kann. Ein Vergleich kann sich daher sehr lohnen.
  • Lassen Sie sich auch eine korrekte Rechnung/Quittung ausstellen. Die Kosten können Sie dann später in der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung angeben.
  • Lassen Sie sich nicht manipulieren, informieren Sie sich gut und seien Sie eher skeptisch. Es gibt viele Tricks, denen Sie überall begegnen, wo etwas verkauft werden soll.
  • Ärzte leisten in den meisten Fällen perfekte Hilfe. Wenn Sie Beschwerden haben, wenden Sie sich möglichst bald an Ihren Hausarzt. Je früher eine Krankheit erkannt wird, desto leichter ist sie zu heilen.

Lachen kann das Leben erheblich verlängern. Daher wie immer bei mir, noch ein kleiner Scherz:

Sagt der eine Freund zum anderen: „Du, gestern war ich beim Arzt.“
„Und, was hat er gesagt?“ „Dreißig Euro.“
„Nein, ich meine, was du gehabt hast.“ „Zwanzig Euro.“
„Du verstehst mich falsch, ich meine, was dir gefehlt hat!“ „Zehn Euro.“

Hier finden Sie das passende Buch zum Thema von Winfried Engelmann:

Haben Sie selbst positive oder negative Erfahrungen mit IGel-Leistungen gemacht? Dann schreiben Sie uns Ihre Kommentare direkt unter diesen Beitrag. Austausch ist der beste Weg zur Aufklärung. Danke.

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