Haarausfall Frauen | Ursachen | ĂŒber 50 | jung | Wechseljahre | Therapie | Haarwuchsmittel

Haarausfall bei Frauen (Jung oder ĂŒber 50): Ursachen, Therapie & Haarwuchsmittel

| Lea Schulz
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(Quelle: ©agenturfotografin - AdobeStock)

Welche Ursachen kann Haarausfall bei Frauen haben und was kann dagegen unternommen werden? Basenio.de hat sich bei Experten zu Ursachen und Therapiemöglichkeiten gegen Haarausfall in und nach den Wechseljahren erkundigt.

Was bei Männern in einem gewissen Alter sogar als Schönheitsideal angesehen wird, gilt bei Frauen als ein hässlicher Makel – Haarausfall. Fällt das Haar aus, leiden Frauen deutlich stärker als Männer. Das kann auch die Dermatologin Dr. Marion Krakor aus ihrer Praxis berichten. In der TV-Sendung „Hauptsache gesund“ schilderte sie ihre Erfahrungen mit Patientinnen: "Schöne Haare sind nach wie vor ein Signal für Weiblichkeit, Jugendlichkeit und Gesundheit. Wenn die Haare weniger werden, empfinden sich viele Frauen als nicht mehr so feminin und vertuschen kahle Stellen".

Inhalt dieses Ratgebers:

Ursachen für Haarausfall bei Frauen

Gründe für Haarausfall bei Frauen gibt es einige. Ungleichgewicht des Hormonhaushalts, Medikamente oder falsche Ernährung sind nur einige Ursachen, warum Haare ausfallen können. Dabei spielt das Alter oft keine große Rolle. Haarausfall kann je nach Ursache sowohl junge als auch ältere Frauen betreffen.

Basenio.de hat sich bei Dr. med. Christoph Liebich genauer über Ursachen von Haarausfall erkundigt. Der Dermatologe hat eine Praxis in der bayerischen Landeshauptstadt München.

Krankheitsbedingter Haarausfall

  • Kreisrunder Haarausfall
    Die wohl bekannteste Form des Haarausfalls ist der kreisrunde Haarausfall. Bei dieser Erkrankung des Immunsystems können Betroffenen nicht nur die Kopfhaare, sondern alle Haare wie Wimpern und Augenbrauen ausfallen. Die Erkrankung äußert sich anfangs durch kleine kahle Stellen, die sich im Laufe der Zeit ausbreiten. Dabei handelt es sich keinesfalls um eine hormonelle Störung, sondern um eine Fehlleistung des Immunsystems. Die führt dazu, dass sich körpereigene Abwehrzellen gegen die Zellen in der Haarwurzel wenden. In der Folge entzünden sich die, worauf das Haarwachstum gestört wird. Letztlich fallen die Haare sogar aus.

  • Autoimmunkrankheiten
    Bei verschiedenen Autoimmunkrankheiten stellen sich körpereigene Abwehrzellen gegen den Körper, erklärt Dermatologe Dr. Liebich auf basenio-Nachfrage. Dabei stellen sich die Abwehrzellen auch gegen die Zellen in den Haarwurzeln. Im Gegensatz zu kreisrundem Haarausfall können die ausgefallenen Stellen nur schwer wiederhergestellt werden. Der Grund dafür ist, dass die Haarwurzeln vernarben und dort keine Haare mehr wachsen können. Deshalb wird diese Form des Haarausfalls auch vernarbender Haarausfall genannt.

  • Infektionskrankheiten
    Haarausfall kann allerdings auch das Symptom von Infektionskrankheiten sein. Das bekannteste Beispiel dafür ist laut Dr. Liebich eine Pilzinfektion. In seltenen Fällen kann Haarausfall auch auf Syphilis hindeuten.

Erblich bedingter Haarausfall

Der hormonell-erbliche Haarausfall, in der Fachsprache auch androgenetische Alopezie genannt, wird vererbt. Bei dieser Art des Haarausfalls reagieren die Haarfolikel besonders empfindlich auf die körpereigenen männlichen Hormone. Durch diese Sensitivität gegenüber der Hormone verkürzt sich die Wachstumsdauer der Haare. Somit werden sie nicht nur immer kürzer, sondern auch dünner. Das Haarwachstum kann dann komplett verloren gehen.

  • Wechseljahre
    Reagiert der Körper empfindlich auf das körpereigene Testosteron, kann der Haarausfall während der Wechseljahre verstärkt werden. In dieser Zeit verändert sich der Hormonhaushalt der Frau. Das körpereigene Testosteron gewinnt dabei die „Oberhand“. Durch den Stoff DHT, der beim Stoffwechsel von Testosteron entsteht, wird der erblich bedingte Haarausfall begünstigt. Durch die hormonelle Veränderung in den Wechseljahren verkleinern sich zudem die Haarwurzeln. Dadurch können die Haare nicht mehr wachsen und fallen schneller aus, erklärt Dr. Liebich.

Was sind Haarfolikel?

Haarfolikel regulieren die Haarproduktion und den Haarzyklus. Sie sind eine Art Einstülpung in unserer Haut, die die Haarwurzel umgeben und sie dort verankern.

Mangelhafte Ernährung

Nicht nur hormonelle Einflüsse begünstigen Haarausfall. Auch eine mangelhafte Ernährung kann dazu führen, dass die Haare ausfallen. Die Stoffe Eisen, Zink, Vitamin D und Biotin sind für das Haarwachstum verantwortlich. Mangelt es im Körper daran, können die Haare nicht richtig entwickelt werden und fallen schneller aus. Die Dermatologin Dr. Marion Krakor rät in diesem Zusammenhang von einseitigen Diäten ab.

  • Zink
    Zink ist ein wichtiger Stoff für die Bildung von Keratin und Kollagen. Keratin hilft dabei, dass Haare sich fest in der Haut verankern. Bei Zinkmangel wird weniger Keratin produziert und die Haare fallen schneller aus. Besonders zinkreiche Lebensmittel sind Meeresfrüchte, Fisch, Haferflocken und Nüsse.

  • Biotin
    Biotin ist zwar in vielen Lebensmitteln vorhanden, allerdings nur in geringen Mengen. Bei einer entsprechend ausgewogenen Ernährung kann der Biotin-Haushalt hoch gehalten werden. Größere Mengen an Biotin befinden sich in Trockenhefe, Rinderleber und Eigelb. Auch Haferflocken, Nüsse, Vollkornprodukte, Milch und Bananen enthalten ausreichend Biotin.

  • Vitamin B5
    Dieses Vitamin ist für die Fülle und den Glanz der Haare verantwortlich. Vitamin B5 bindet die Feuchtigkeit im Haar und lässt es glänzen. Es ist in Vollkornprodukten, Eiern, Reis, Nüssen, Milch, Bierhefe und Avocados enthalten.

  • Vitamin D
    Vitamin D ist ein körpereigenes Vitamin, der Körper kann es also selber herstellen. Dafür braucht er die UV-Strahlen des Sonnenlichts. Gerade in den eher trüben Tagen des Herbsts und des Winters kann man einen Mangel mit Nahrungsergänzungsmitteln entgegenwirken. Doch bevor man zu solchen Supplementen greift, sollte man sich den Vitamin-D-Mangel ärztlich attestieren lassen. „Laufen Sie nicht einfach in die Drogerie und kaufen Sie irgendein Kombipräparat. Die Dosis ist wichtig, und bevor Sie sich selbst therapieren, empfehle ich, über einen Bluttest feststellen zu lassen, ob wirklich ein Mangel vorliegt“, rät Dr. Marion Krakor.

Medikamente

Verschiedene Medikamente können in ihrer Zusammensetzung ebenfalls Haarausfall begünstigen, weiß die Expertin. Häufig ist dies bei Herzmedikamenten, Lipidsenkern, Psychopharmaka, Rheumamedikamenten und zum Teil auch Antibiotika der Fall.

  • Anti-Baby-Pille oder Hormontherapie
    Die gleiche Reaktion ist auch nach der Einnahme von Anti-Baby-Pillen bekannt. Insbesondere die Inhaltsstoffe „Norethisteronacetat“ und „Ethinylestradiol“ können das Haarwachstum stören. Auch reines „Gestragen“, welches bei einer Hormontherapie in der Menopause genutzt wird, kann das Haarwachstum beeinträchtigen.

Physischer und/oder psychischer Stress

Laut Dr. Marion Karkor kann auch Stress zu vorübergehendem Haarausfall führen. Stress wirkt sich auf das Immunsystem des Körpers aus, wodurch sich Entzündungen bilden können. Das wiederum bleibt nicht ohne Folgen für die Haarwurzeln. Entzünden die sich auch, können Haare ausfallen.

Altersbedingter Haarausfall

Das Alter zeichnet sich nicht nur äußerlich auf unserer Haut ab. Durch die Veränderungen des Hormonhaushalts, ändert sich auch das Haarwachstum. Gute Pflege und eine „geschickte“ Frisur können dann einiges kaschieren.

Haarausfall bei Frauen
Haarausfall bei Frauen: Wer mehr als 100 Haare pro Tag verliert, kann von Haarausfall betroffen sein. (Quelle: © Siam - AdobeStock)

Diagnose Haarausfall bei Frauen

Damit eine Therapie gegen Haarausfall erfolgreich ist, muss zuerst die Ursache diagnostiziert werden. Dazu ist ein Besuch beim Facharzt unumgänglich. Per Ausschluss-Prinzip kann dann die richtige Therapie gefunden werden. Dafür sollten folgende Fragen abgeklärt werden:

  • Wann hat der Haarausfall angefangen?
  • Welche Erkrankungen hat die Patientin?
  • Welche Medikamente muss sie gegebenenfalls nehmen?
  • Welche Haare hat die Mutter?
  • Wie waren die Haare früher?


Zur Anamnese gehört auch, dass die Haare und die Kopfhaut untersucht werden. Wie sind sie beschaffen, gibt es entzünde oder gerötete Stellen? Ergänzend dazu bringt ein Bluttest den Aufschluss darüber, ob Spurenelemente oder Mineralstoffe fehlen. Dabei wird nach den Stoffen gesucht, die für das Haarwachstum verantwortlich sind. Falls eine Störung des Hormonaushalts vermutet wird, kann eine Hormonbestimmung nötig sein.

Therapien & Haarwuchsmittel bei Haarausfall bei Frauen

Ist die Diagnose gestellt, kann mit der richtigen Therapie begonnen werden. Gegen Haarausfall gibt es verschiedene Mittel, einige davon sind rezeptfrei. Die Kosten für solche frei erhältlichen Mittel werden allerdings nicht von den Krankenkassen übernommen, bestätigt Dr. Christoph Liebich auf basenio-Nachfrage.

Diese Inhaltsstoffe sollen gegen Haarausfall bei Frauen helfen können:

Alfatradiol:

Alfatradiol soll die Umwandlung von Testosteron in DHT reduzieren können.

Minoxidil:

Haarwuchsmitteln mit Minoxidil können bei androgenetischem Haarausfall hilfreich sein. Allerdings verzögern solche Mittel nur das Fortschreiten des Haarausfalls, schätzt man beim Bundesverband Deutscher Dermatologen (BVDD) ein. Haarwasser mit Minoxidil regen die Durchblutung an den Haarwurzeln und die „Neueinsprossung“ von Gefäßen an. Eignet sich Minoxidil gegen die Ursache das Haarausfalls vorzugehen, sollte die Therapie möglichst früh begonnen werden, empfiehlt der BVDD.

Thiocyanat:

Thiocyanat ist ein körpereigenes Molekül. Dieses beeinflusst die Wachstums- und Zellerneuerungsprozesse des Körpers. Dadurch soll es laut klinischer Studien den Haarzyklus wieder in Balance bringen und das Haarwachstum stimulieren. Da es nicht in den Hormonhaushalt eingreift, ist dies besonders gut für Schwangere und Stillende geeignet.

Sollte ein Mangel an Mineralstoffen oder Spurenelementen festgestellt werden, kann eine Ernährungsumstellung helfen. Bei dieser sollte darauf geachtet werden, die wichtigen Stoffe in ausreichender Menge zu sich zu nehmen. Falls der Mangel durch die Ernährung nicht aufzuheben ist, können Nahrungsergänzungsmittel helfen. Dafür gibt es spezielle Nahrungsergänzungsmittel, die gegen Haarausfall helfen sollen. Dies sollten Sie allerdings immer mit ihrem behandelten Arzt besprechen.

NahrungsergÀnzungsmittel gegen Haarausfall
(Quelle: © ivannag82 - AdobeStock)

Ist der Haarausfall hormonell bedingt, kann es helfen, die Veränderung des Hormonhaushaltes wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Die passenden Therapiemöglichkeiten können bei Gynäkologen oder Endokrinologen erfragt werden.

Die einzige Lösung bei stressbedingtem Haarausfall ist es, den Stress zu reduzieren. Dazu sollten Sie herausfinden, woher der Stress kommt und diesen minimieren. Ist die Diagnose kreisrunder Haarausfall, gibt es verschiedene Methoden dagegen vorzugehen. Die effektivste Therapie ist laut Mitteilung des BVDD eine Behandlung mit DCP.

Immuntherapie mit DCP (Diphenylcylopropenon):

DCP löst eine Kontaktallergie an den betroffenen Stellen aus und „lenkt die Abwehrzellen von den Haarwurzelzellen ab“. Diese Therapie wird in der Regel nicht von den Krankenkassen übernommen.

Kortison Tabletten:

Diese Therapie hat sich in der Praxis bewährt. Sie wird bei kreisrundem Haarausfall und Autoimmunerkrankungen eingesetzt, erklärt Dr. Liebich auf basenio-Nachfrage. Dabei kann das Kortison oral eingenommen oder lokal angewandt werden. Diese Therapiemethode wird von den Krankenkassen übernommen. Allerdings hat die Therapie nur solange Erfolg, solange man die Tabletten einnimmt. Setzt man sie ab, bricht der Haarausfall wieder aus.

Lichttherapie:

Bei einer PUVA-Lichttherapie wird ein Medikament, dass die Haut lichtempfindlicher macht, auf die betroffenen Stellen getragen. Diese werden dann mit UVA bestrahlt. Diese Therapiemethode wird aber nur ungern durchgeführt, da das Hautkrebsrisiko dabei erhöht wird. Eine für Dr. med Christoph Liebich geeignetere Lichttherapie erfolgt mit dem excimer Laser. Bei dieser Reiztherapie werden UV ähnliche UVB Strahlen verwendet. Diese sind weniger schädlich. Die Lichttherapie wird laut Hautarzt und Allergologe Dr. Frank-Matthias Schaart „in aller Regel von den Krankenkassen übernommen“.

Bei Fortschreiten der Krankheit wird den Betroffenen oft optisch mit einer Perücke geholfen. Diese wird in der Regel von der Krankenkasse bezuschusst.

Zusammenfassung:

Haarausfall kann viele Ursachen haben. Dabei ist es egal ob durch Krankheit, Medikamente oder einfach nur Stress, viele fühlen sich damit nicht wohl. Um etwas dagegen zu unternehmen ist es immer wichtig einen Arzt um Rat zu fragen. Dieser kann die richtige Diagnose stellen und die passende Therapie heraussuchen. Auf dem Markt gibt es dazu auch einige Mittel, die laut Dermatologen hilfreich sein können.


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Lea Schulz studiert Multimedia Marketing und arbeitet bei uns als freie Mitarbeiterin.


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