Glutenfreie Ernährung | Lakotosefreie | bei Zöliakie

Ist eine Ernährung mit gluten- und laktosefreier Nahrung ratsam?

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(Quelle: Patricia Klamt)

Die öffentliche Debatte zum Thema "Zöliakie" schwankt derzeit zwischen Allergie und Hysterie. Im Folgenden wird diese Erkrankung näher erklärt und auf medizinische Hintergründe eingegangen.

Es war nicht zum ersten Mal, dass sich die die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG) nach kritischen Medienberichten zu einer öffentlichen Stellungnahme genötigt sah. Schon im Februar hatte der DZG-Vorsitzende Dan Kühnau davor gewarnt, glutenfreie Ernährung als „bloße Modeerscheinung“ zu verharmlosen. „Glutenfreie Ernährung ist und bleibt für Zöliakiebetroffene die einzig wirkungsvolle Therapie gegen ihre Dünndarm-Erkrankung. Nur so können sie ein beschwerdefreies Leben führen“, sagte Kühnau. Nach der kürzlich ausgestrahlten 3sat-Dokumentation „Der Feind in meinem Bauch“, in der die Ernährungsweise vor allem als Diät- und Modetrend bezeichnet wurde, dürfte der DZG-Boss, der über 41.000 Mitglieder vertritt, erneut nicht begeistert gewesen sein. Bevor wir uns genauer mit ihren Argumenten auseinandersetzen, sollten zunächst die medizinischen Hintergründe geklärt werden.

Wie äußern sich Gluten- und Laktoseunverträglichkeit?

Glutenunverträglichkeit (Fachbegriff: Zöliakie) ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms, von der in Deutschland rund 400.000 Menschen betroffen sind. Bei dieser Immunerkrankung führt die Aufnahme des Klebereiweißes Gluten, das in den Getreidekörnern von Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste steckt, zu einer Entzündung der Darmschleimhaut. Nährstoffe können nicht -wie beim gesunden Menschen- vom Darm aufgenommen und dem Körper zur Verfügung gestellt werden. Die Folge sind Mangelerscheinungen, die sich in Symptomen wie Durchfall, Eisenmangel, stagnierendem Wachstum, Schlaflosigkeit oder Depressionen zeigen können. Sogar bei der Entstehung von Psychosen soll die Unverträglichkeit eine Rolle spielen. „Die einzige Therapie gegen Zöliakie ist die strikte glutenfreie Ernährung“, heißt es auf der DGZ-Internetseite. Das bedeutet den völligen Verzicht auf Getreidearten wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer. Selbst Spuren davon müssen Zöliakiebetroffene meiden. Nur so kann sich ihr Darm regenerieren, und nur diese Therapie beendet die Beschwerden.

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Getreidefeld (Quelle: Patricia Klamt)

Laktoseunverträglichkeit als Normalzustand

Bei der Laktoseunverträglichkeit (Fachbegriff: Alaktasie) wird der mit der Nahrung aufgenommene Milchzucker als Folge fehlender oder verminderter Produktion des Verdauungsenzyms Laktase nicht verdaut. Der Begriff Laktoseintoleranz wird nur verwendet, wenn dabei auch Symptome auftreten. 15 bis 25 Prozent der Deutschen sind laut Schätzungen betroffen, aber Dreiviertel der Weltbevölkerung. Vielerorts ist die Unverträglichkeit der genetisch bedingte Normalzustand. Auswirkungen sind Blähungen, Bauchdrücken, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen und häufig auch spontaner Durchfall. Auch Symptome wie chronische Müdigkeit, depressive Verstimmungen, Gliederschmerzen, Schwindelgefühl, Schweißausbrüche oder Kopfschmerzen werden von Betroffenen geschildert.

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Käseplatte (Quelle: Patricia Klamt)

Nahrungsmittelindustrie profitiert von Unverträglichkeiten

Was hat das alles mit der Nahrungsmittelindustrie zu tun? Die TV-Dokumentation auf 3sat kam zu der Feststellung, dass die Begriffe glutenfrei oder laktosefrei „für viele Menschen ein Heilsversprechen für individuelles Wohlbefinden, für andere ein lukratives Geschäft“ geworden seien. Die Folge: Die Zahl der Konsumenten von Spezialnahrungsmitteln steht in krassem Missverhältnis zur Zahl der Kranken.

 

Rund 300 laktosefreie Produkte können Verbraucher derzeit in Supermarktregalen zwischen Alpen und Nordsee, zwischen Rheinland und Berlin finden. Für die Industrie sind im Geschäft mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten hohe Gewinnspannen möglich. Sogar Lebensmittel, die von Natur aus keine Laktose enthalten, etwa Schinken oder lange gereifter Hartkäse, bekommen den Aufdruck "laktosefrei", um dadurch hochwertiger zu erscheinen – höhere Preise sind damit oft inklusive.
In Deutschland verzichten rund 9 Prozent der 18- bis 65-Jährigen teilweise oder ganz auf Gluten, auch das kann richtig teuer werden. Eine 500 Gramm-Packung Spaghetti kostet -statt zum Billigpreis von 49 Cent- in der glutenlosen Variante bis zu 5 Euro. Für Betroffene ist der Aufpreis sinnvoll, da sie sich nur so gesund ernähren können.

Verbannung vom Speiseplan unnötig

Ernährungsexperten halten dagegen die freiwillige Verbannung vom Speiseplan für unnötig. Zudem seien die Methoden, die viele Hersteller bislang anwenden, um Backfähigkeit und Geschmack ihrer glutenfreien Produkte zu verbessern, nicht unbedingt gesundheitsfördernd: Sie enthalten oft überdurchschnittlich viel Fett und Kalorien. Trotzdem wächst der Markt für glutenfreie Lebensmittel auch bei gesunden Menschen in rasantem Tempo. Dasselbe gilt für laktosefreie Produkte, wo die Gier nach Gewinnen ebenso fragwürdige Formen angenommen hat. "Wir haben zum Beispiel Schinken und Wurstprodukte gefunden, die als laktosefrei gekennzeichnet sind, obwohl üblicherweise dort Laktose gar nicht zu vermuten ist", kritisiert Karin Riemann-Lorenz von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Fazit 

Eine gesunde Ernährung ist wichtig für das persönliche Wohlbefinden und steigert die tägliche Leistungsfähigkeit. Was ist gesund? Da gehen die Meinungen auseinander. Sollten Sie als völlig gesunder Mensch zu gluten- und laktosefreien Produkten greifen, tun Sie nach jetzigen Erkentnissen weder etwas für ihre Gesundheit, noch blühen Ihnen gesundheitliche Folgen. Aber eines leidet darunter in jedem Fall – ihr Geldbeutel.


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Thomas Fritz (Jg. 1982) ist ein freier Journalist aus Leipzig, der seit 2010 in der Branche tätig ist und bundesweite Auftraggeber hat. Nicht die tagesaktuelle Berichterstattung, sondern gut recherchierte Hintergrundberichte, Porträts und Reportagen sind sein ...


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