Gedächtnistraining für Senioren

Gedächtnistraining für Senioren: Wie können Gesellschaftsspiele den Alltag von Senioren bereichern?

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(Quelle: Privat)

Tina Schuster hat sich mir ihrer Firma Haptikon auf Spiele und Förderkonzepte für Senioren und Menschen mit demenziellen Veränderungen spezialisiert. basenio sprach mit der Unternehmerin (40) aus Frechen bei Köln über ihre Ideen und den Spielemarkt.

Frau Schuster, Sie entwickeln Spiele für Senioren. Warum ist es überhaupt wichtig, dass Senioren sich spielerisch betätigen?

Tina Schuster: Es gibt eine Reihe von positiven Auswirkungen. Spiele bieten Spaß und Abwechslung im Alltag, sie werden in der Gemeinschaft ausgeführt und regen damit den Gemeinschaftssinn an. Spiele rufen Energien wach und aktivieren den Geist. Es gibt vier Ebenen, die von ihnen angesprochen werden: die kognitive, die motorische, die emotionale und die soziale.

Können Sie das bitte an einem Beispiel erläutern?

Gerne. Beim „Lexikaner“ werden Wörter aus gewürfelten sowie eigens hinzugefügten Buchstaben gesucht, die mit einer Themenrubrik assoziiert werden können, von knifflig schwer bis sehr leicht: So verbinden sich die verschiedenen Ebenen. Dank unterschiedlicher Spielvarianten lässt sich der Lexikaner hervorragend an die individuellen Spielerfähigkeiten anpassen und bietet Unterhaltung für alle Spielergruppen. Die großen Fotos auf den Themenkarten regen darüber hinaus zum Erinnern und Erzählen an.

Gibt es aus therapeutischer Sicht positive Auswirkungen von Spielen?

Schuster: Ja natürlich. Lachen und aktiv sein – das hat immer positive Auswirkungen. Die Menschen kommen zusammen, bringen sich in der Gruppe ein, aktivieren ihre Sinne. Das ist gut fürs Gehirn und gut für das allgemeine Wohlbefinden. Bei demenziell veränderten Menschen tragen Spiele auch zur Förderung und Erhalt bestehender Ressourcen bei. Sie wirken sich positiv auf die Alltageskompetenzen aus.

Sind die Spiele nur für Senioren geeignet?

Nein. Es gibt verschiedenen Schwierigkeitsstufen, jeder kann viel Spaß mit den Spielen haben. Entwickelt sind die Spiele aber speziell für ältere Menschen und dies zeigt sich auch in der Themenauswahl, dem Stil und der Handhabe. Theoretisch kann jedoch jeder mitspielen, auch Pflegekräfte, Familie und Freunde.

Das erste Spiel haben Sie entwickelt, als Ihre Großmutter im Heim war. Wie kamen Sie genau auf die Idee?

Meine Oma war eine sehr agile und intelligente Frau. Sie hat bis ins hohe Alter viel wert auf Aktivität gelegt. In ihrem Heim war es leider nicht immer möglich, ihren Ansprüchen gerecht zu werden und so kam ich auf die Idee, ein Spiel für sie und ihre Mitbewohner zu entwickeln. Ich wollte die Aktivierung verbessern und gleichzeitig den Gemeinschaftssinn anregen. So habe ich 2009 mein erstes Spiel entworfen. Es gab dann verschiedene Prototypen und mehrere Testläufe. Das Feedback von den Senioren, Pflegepersonal und Ärzten ist mir immer immens wichtig.

Wie kam das Spiel an?

Sehr gut. Meine Oma war richtig stolz auf mich und hat sich sehr gefreut. Sie hat mich sogar bei meinen ersten Spielen in der Entwicklung begleitet und mir immer wieder Hinweise gegeben, was sie gut und was sie weniger gut fand, beispielsweise beim Biografiebuch „LebensSchätze“.

Was gibt Ihnen die Entwicklung von Seniorenspielen?

Ich sehe darin eine große Sinnhaftigkeit. Die Spiele bieten Menschen Abwechslung und tragen dazu bei, ihren Alltag zu verschönern, den Sinn für die Gemeinschaft anzuregen. Ich bekomme sehr viele positive Reaktionen. Das sind wertvolle Erfahrungen, die einem nicht jede Arbeit bietet. Außerdem habe ich großen Spaß, neue Ideen und Konzepte zu entwickeln. Ich ziehe mich dann in mein Büro zurück und bin kreativ. Im Anschluss geht es dann in die Testphase und den Austausch.

Sie sind von Beruf Veranstaltungskauffrau. Wann kamen Sie auf die Idee Haptikon mehr Raum zu geben?

Das hat sich mit der Zeit so ergeben, da gab es keinen Punkt Null. Das tolle Feedback und die Nachfrage haben mich natürlich darin bestärkt. Die Ideen gehen mir nicht aus. Dabei werde ich von freien Mitarbeitern und externen Dienstleistern unterstützt und tausche mich auch mit anderen Entwicklern aus. Ich fahre zu möglichen Interessenten, stelle das Spiel in Heimen oder auf Messen vor, nehme Medientermine wahr. Weiterhin gebe ich Workshops zum Thema Spiele für Senioren und Menschen mit Demenz.

Wie stellen Sie sich die Zukunft mit Haptikon vor?

Ich blicke positiv in die Welt und will die Arbeit als Spieleentwicklerin weiter machen. Schöne Dinge werden immer ihren Raum finden. Im Bereich der Senioren vollzieht sich ein Wandel, immer mehr Menschen entdecken, wie förderlich Spiele im Alter sind. Da ist großes Potential vorhanden für neue Ideen. Bisher sind aus meiner Ideenwerkstatt acht Spiele hervorgegangen und es werden ganz bestimmt weitere hinzukommen.

Mehr Informationen zu Tina Schuster und ihren Spielen gibt es unter www.haptikon.de.

Tina Schuster, Haptikon
(Quelle: Privat)

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Thomas Fritz (Jg. 1982) ist ein freier Journalist aus Leipzig, der seit 2010 in der Branche tätig ist und bundesweite Auftraggeber hat. Nicht die tagesaktuelle Berichterstattung, sondern gut recherchierte Hintergrundberichte, Porträts und Reportagen sind sein ...


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