Demenz | Alzheimer | vorbeugen | Ursachen | was tun

Demenz & Alzheimer vorbeugen – Das können Sie gegen Ursachen tun

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(Quelle: Patricia Klamt)
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Allein in Deutschland leiden aktuell mehr als 1,5 Mio. Menschen an Demenz. Es gibt jedoch immer mehr Daten, die besagen, dass sich die Gefahr einer Erkrankung durch Alzheimer mindern lässt. Mehr dazu lesen Sie im folgenden Artikel.

Momentan ist ein Durchbruch in Therapie oder Prävention nicht abzusehen, allerdings gibt es gute Nachrichten: Experten richten ihre Aufmerksamkeit immer mehr auf die Vorbeugung der Krankheit. Große Sprünge in der Behandlung wurden zwar noch nicht gemacht, aber gleich mehrere Erhebungen in Europa zeigen, dass die Zunahme der Erkrankungen anscheinend nicht so drastisch sein wird, wie vorhergesagt. 

Erhöht Diabetes das Risiko?

Studien zu Risikofaktoren der Demenz, speziell der Alzheimer-Form, sind wegen der langsam fortschreitenden Krankheit schwierig. Deshalb beobachten Forscher Menschen, die keine Einschränkungen haben, oder deren Hirnfunktionen nur leicht nachlassen, über einen längeren Zeitraum hinweg. Sie suchen hierbei nach Unterschieden zwischen "stabilen" Teilnehmern und jenen, die langsam erkranken.

Solche Studien zeigten beispielsweise auf, dass überdurchschnittlich viele Teilnehmer zuvor an Diabetes litten. Ein Beweis, dass Diabetes eine Erkrankung verursacht, ist das allerdings nicht. Jedoch gibt es immer mehr Indizien dafür. Vor allem die folgenden 7 behandelbaren und beeinflussbaren Faktoren erhöhen wahrscheinlich das Risiko, an Demenz zu erkranken:

Zwei US-amerikanische Forscherinnen errechneten, dass rund die Hälfte aller Erkrankungen auf diese Faktoren zurückzuführend sind. In anderen Worten: Wer sie vermeiden kann, senkt das Alzheimer-Risiko um die Hälfte.

Die Faktoren behandeln

Die Behandlung des, vor allem bei Erwachsenen mittleren Alters, häufig vorkommenden Bluthochdrucks stellte sich beispielsweise als positiver Einfluss heraus. Im Alter hingegen beeinträchtigt eher niedriger Blutdruck das Gehirn. Niedrige Blutfettwerte senken die Gefahr von geistigem Abbau ebenfalls. Es gibt jedoch keine Studien, die eindeutig belegen, dass eine medikamentöse Behandlung dasselbe bewirkt. Generell gilt jedoch, dass gesunde Blutgefäße wahrscheinlich sehr wichtig sind. Dank ihnen werden die alzheimertypischen Ablagerungen regelmäßig entfernt. Laut neuester Erkenntnisse geschieht dies vor allem im Schlaf, weshalb ausreichende Bettruhe ebenfalls einen Beitrag zum Demenzschutz leistet. Zukünftig werden sich Forscher mit der Behandlung von Depressionen beschäftigen. Ähnliche Studien zeigten, dass diese die Gehirnfunktion verbessern. Noch immer unklar ist allerdings, ob die Demenz im Alter depressiv macht, die Depression eine Vorstufe der Demenz ist oder ob beides zutrifft.

Ein fitter Körper und Geist schützen

Wer Alzheimer wirklich vorbeugen will, sollte nicht nur defensiv an die Behandlung von Krankheiten denken, sondern eine Offensive starten. Pillen, Hormontherapien oder pflanzliche Präparate können die Demenz nicht stoppen, Aktivität –geistige wie körperliche, auch von völlig gesunden Menschen– hingegen können sie zumindest verschieben. Professorin Agnes Flöel von der Neurologischen Klinik der Charité in Berlin forscht in der Alzheimer-Prävention. Wenn sie den Nutzen geistiger Auslastung erklärt, spricht sie von "kognitiver Reserve": Bei jeder geistigen Tätigkeit bilden sich zwischen den Nervenzellen im Gehirn neue Verbindungen und unnütze werden gelöst, das Gehirn frischt sich also im Grunde selbst auf.

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Geistige Fitness hilft, um Demenz vorzubeugen (Quelle: Patricia Klamt)

Auch im Alter regeneriert sich das Gehirn 

In gewissen Regionen des Gehirns entstehen auch im hohen Alter noch neue Nervenzellen. Eine "bereits gut belegte" Theorie von Flöel besagt, dass, je besser das Gehirn an neue Informationen angepasst ist und je vielfältiger die Nervenzellen verbunden sind, desto eher können entstehende Lücken ausgeglichen werden. Für diese Theorie spricht, dass Menschen mit höherem Bildungsgrad im Alter zwar die selben alzheimertypischen Ablagerungen aufweisen wie Erkrankte, aber meist ihr Leben lang auf ihrer geistigen Höhe bleiben. Das Trainieren einzelner Fähigkeiten, beispielsweise das Lösen von Kreuzworträtseln, stärke das Gedächtnis kaum, so Flöel. Eher das Ausüben komplexer Aktivitäten, wie beispielsweise das Erlernen einer Fremdsprache, bringe diesen Effekt. So trat Alzheimer bei einer in Indien durchgeführten Studie bei jenen Teilnehmern bis zu fünf Jahre später auf, die eine zweite Sprache beherrschten – selbst wenn diese Analphabeten waren.

Aktiv bleiben

Natürlich ist das nicht für jeden realisierbar. Professor Frank Jessen, leitender Oberarzt der Bonner Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie empfiehlt deswegen: "Jeder soll das tun, was ihm liegt und Spaß macht, das dann aber umso intensiver." Wer also Musik mag, sollte ein Instrument lernen, wer es intellektueller mag, sollte viel Lesen. Besonders wichtig sei es, sich vor allem nach dem Berufsleben nicht zurückzuziehen, so Jessen.

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Senior liest Zeitung (Quelle: Patricia Klamt)

Mit Sport das Gehirn anregen

Als eine der am besten belegten Vorsorgemaßnahmen gilt, laut Flöel, Sport. In Texas beobachteten Forscher über 40 Jahre hinweg 20.000 Menschen, deren Fitness auf Laufbändern gemessen und in fünf Grade eingeteilt wurde. Die fittesten Teilnehmer erkrankten im Vergleich zu den schwächsten um ein Drittel seltener an Demenz. Bei einer ähnlichen Studie waren es sogar nur knapp die Hälfte. Das zeigt, dass Bewegung, auch bereits im jungen Alter, schon einen gewissen Schutzeffekt hat. Sport wirkt auf verschiedene Arten auf das Gehirn: Die kleinen Blutgefäße, die es mit Nährstoffen versorgen und schädliche Stoffe abtransportieren, bleiben gesund. Auch wirkt er beispielsweise Diabetes und Bluthochdruck entgegen. Ebenso fördert er das Wachstum neuer Nervenzellen.

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Seniorin spielt gern Golf (Quelle: Patricia Klamt)

Auch wenig hilft viel

Eine aktuelle Studie, an der auch ältere Menschen teilnehmen, die genetisch veranlagt ein höheres Alzheimer-Risiko haben, zeigt, dass auch wenig Bewegung, so sie denn regelmäßig stattfindet, hilft. Schon 15 Minuten täglich joggen, schwimmen oder flott gehen, bewahrten die Teilnehmer vor dem Verlust von Hirnmasse im Hippocampus, einer für das Gedächtnis und die räumliche Orientierung wichtigen Region im Gehirn. Andere Teilnehmer, die ebenfalls genetisch belastet sind und sich wöchentlich höchstens zwei mal wöchentlich zu mäßiger sportlicher Tätigkeit ermutigen konnten, verloren durchschnittlich bereits 3 Prozent ihrer Hippocampus-Masse über den 18-monatigen Zeitraum. Frank Jessen empfiehlt, sich einen Sport zu suchen, der einem Spaß macht und vor allem, dass man am Ball bleibt. „Lieber dreimal in der Woche flott spazierengehen als dreimal bis zur Erschöpfung laufen und dann nie wieder.“

Fazit

Alle oben genannten Maßnahmen sind keine hundertprozentig sichere Vorsorge, senken aber nachgewiesenermaßen das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung. Doch die Mühen lohnen sich: Nicht nur, dass durch eine geistig aktive und körperlich gesunde Lebensweise das Risiko für Herzleiden und Schlaganfälle sinkt, man fühlt sich im Alter einfach vitaler und fitter als jemand, der den ganzen Tag vor dem Fernseher versinkt.

 


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