Aphasie | Schlaganfall | Prävention | Nachsorge

4. Thüringer Aktionstag Aphasie & Schlaganfall 2016

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(Quelle: Axel Zawischa)

Revue des Thüringer Aktionstages Aphasie & Schlaganfall 2016 – Prävention & Nachsorge

In Deutschland sind jährlich rund 270.000 Menschen von einem Schlaganfall betroffen. Besonders die Generation 60plus, aber auch immer mehr jüngere Menschen leiden unter den Folgen der gefährlichen Durchblutungsstörung.
Aus diesem Grund veranstaltete der Landesverband Thüringen für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. am 28. Mai 2016 bereits den 4. Thüringer Aktionstag Aphasie und Schlaganfall, mit Schwerpunkt auf die Themen „Prävention und Nachsorge“.

Aphasiker Chor Erfurt, Eröffnung Thüringer Aktionstag Aphasie & Schlaganfall 2016
Musikalische Eröffnung des Thüringer Aktionstages Aphasie & Schlaganfall durch den Aphasiker Chor Erfurt (Quelle: Axel Zawischa)

Betroffene, Angehörige und Gefährdete konnten sich bei einem umfangreichen Programm Thüringer Aktionstag Aphasie & Schlaganfall) aus Vorträgen und Podiumsdiskussionen zum Thema Schlaganfall informieren, austauschen und Fachärzte aus ganz Thüringen zu ihrer Krankheit befragen.
Besonders wichtig sei es ihm, andere Reha-Teilnehmer und seine Therapeuten zu sehen, berichtet einer der Teilnehmer. Vor drei Jahren habe er einen Schlaganfall erlitten und befinde sich seit dem in Therapie. Der Austausch mit anderen Betroffenen steht beim „Thüringer Aktionstag Aphasie und Schlaganfall“ ganz oben, denn hier treffen Schlaganfallpatienten auf Menschen mit einem ähnlichen Schicksal. Von Patient zu Patient kann man sich in entspannter Atmosphäre und ganz ungezwungen über die besten Therapiemöglichkeiten austauschen. Doch besonders wichtig ist es dem Veranstalter, dass Betroffene sich mit anderen darüber unterhalten können, wie sie mit der Krankheit und ihren Folgen umgehen sollen. Nicht nur Kontakte zu bestimmten Behandlungszentren, auch wertvolle Erfahrungen können beim Thüringer Aktionstag Aphasie und Schlaganfall gewechselt werden.

Um Schlaganfall-Patienten, Angehörige und Gefährdete rund um zu informieren, gab es neben vielseitigen Programmpunkten zahlreiche Aussteller im Foyer, bei denen sich die Besucher während und zwischen den Vorträgen erfahrener Fachärzte persönlich informieren konnten. Betrieben wurden die Infostände von den Partnern des Aphasie-und Schlaganfall-Aktionstages, unter anderem dem Schlaganfallzentrum Erfurt, der Orthopädie Jüttner, dem Deutscher Diabetikerbund und den Kliniken Helios Klinikum Erfurt, dem katholisches Krankenhaus Erfurt St. Johann Nepomuk Erfurt, der Fachklinik Bad Liebenstein und vielen mehr.
Interessante und informative Programmpunkte wurden beigesteuert vom Landesverband Aphasie Thüringen e.V. sowie der Deutschen Schlaganfall-Hilfe. Ein besonderes Highlight des Aktionstages war der Vortrag von Herrn Dr. Andreas Steinbrecher Chefarzt der Neurologie des Helios Klinikum in Erfurt. Er informierte die Zuhörer über vorbeugende Maßnahmen nach einem Schlaganfall und stellte die neusten Präventionsstrategien vor.

Aphasie, Schlaganfall, Nachsorge, Physiotherapie
Informationsstand der Orthopädie Jüttner (Quelle: Axel Zawischa)

Bei der Therapie eines Schlaganfalls und seinen Folgen gibt es verschiedene Reha-Phasen (A bis D). Im Rahmen des Programms wurde vor allem auf die Phase B eingegangen, die Früh-Rehabilitation. Diese schließt an die Akutphase im Krankenhaus an und ist besonders ausgeprägt bei schwer betroffenen Patienten, die selbst noch nicht viel zur Reha beitragen können. Speziell Angehörige bekommen hier Aufschluss darüber, wie es mit ihren Verwandten oder Freunden nach einem Schlaganfall weiter geht. So wurde beispielsweise darüber aufgeklärt, dass sogar nach vier oder fünf Jahren noch eine Reha beantragt werden kann.
Am Aktionstag sollte allerdings nicht nur über Therapiemöglichkeiten und Pflege von Schlaganfall-Patienten gesprochen werden. Ein wichtiger Schwerpunkt der Veranstaltung lag auf dem Thema Prävention. In unserer schnelllebigen und digitalisierten Zeit fällt es vielen Menschen zunehmend schwerer, auf die eigene Gesundheit und den Körper zu achten. Hierfür wollten die fachkundigen Partner des Landesverbands Thüringen für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. sensibilisieren.

Zur Prävention eines Schlaganfalls zählt selbstverständlich Sport, darum veranstaltete das Schlaganfallzentrum Erfurt nach der Mittagspause ein Aktivprogramm. Insbesondere gefährdeten Menschen sollte hier bewusst gemacht werden, wie wichtig Bewegung und Gymnastik im Alltag sind. Das Meiden eines regelmäßigen Sportprogramms sowie Übergewicht gehen meist auf Kosten der eigenen Gesundheit und begünstigen Schlaganfälle enorm.

Vorbeugende Maßnahmen

Schlaganfall, Vorsorge, Sport
Aktivprogramm des Schlaganfallzentrums Erfurt (Quelle: Axel Zawischa)

Mit zu den Präventionsmaßnahmen gehört auch, sich über Vorerkrankungen, wie Diabetes und Vorhofflimmern zu informieren, sie frühzeitig diagnostizieren zu lassen und diesen entgegenzuwirken. Immer wieder sind Diabetiker, ob Typ 1 oder Typ 2, von Schlaganfällen betroffen. Auch Patienten mit hohem Blutdruck oder Vorhofflimmern sind häufiger gefährdet, als Personen, die unter keiner solchen Vorerkrankung leiden. Wie man diese behandeln kann, konnten die Besucher beim Aktionstag herausfinden.

Informations- und Austauschmöglichkeiten für Angehörige

Bei der Veranstaltung hatten allerdings nicht nur Betroffene die Möglichkeit, sich über Ihre Probleme und die Therapie auszutauschen, ein ganzer Programmpunkt wurde den Angehörigen gewidmet, die Verwandte, Freunde oder den Partner pflegen und während der Therapien begleiten. Auch für sie ist es wichtig, sich über den Ablauf der Krankheit sowie angemessene Therapiemöglichkeiten zu informieren, insbesondere wenn der betroffene Angehörige dazu nicht mehr in der Lage ist. Eine große Belastung ist auch die Persönlichkeitsveränderung des Schlaganfall-Patienten, der meist mit der Krankheit einhergeht. Dieser kann sowohl physisch als auch psychisch stattfinden. Ebenfalls wird die Sozialkompetenz des Patienten oft beeinträchtigt. Zu diesem Thema gab es einen umfassenden Vortrag der Diplom-Psychologin und Neuropsychologin der Fachklinik Bad Liebenstein, Andrea Rose. Diese unangenehmen Folgen eines Schlaganfalls zu akzeptieren und lernen, damit umzugehen, ist besonders für die Angehörigen keine leichte Aufgabe. Oft wird die Last, die die möglicherweise sogar betreuenden oder pflegenden Verwandten und Freunde tragen, unterschätzt. Darum ist es umso wichtiger, sich mit anderen Angehörigen über Erfahrungen auszutauschen und sich vielleicht ein Beispiel daran nehmen zu können, wie andere mit der Krankheit umgehen. Angehörige leisten außerdem einen großen Beitrag dazu, wenn es darum geht, das Ausmaß der Schlaganfall-Folgewirkungen einzuschätzen. Sie kennen den Betroffenen oft sehr gut und können so den Ärzten und Therapeuten erklären, was sich seit dem Schlaganfall verändert hat. Eine perfekt abgestimmte Reha ist ohne die Informationen seitens der Angehörigen oft nicht möglich.

Schlaganfall, Vorsorge, Nachsorge
Reges Treiben an den vielseitigen Infoständen im Foyer (Quelle: Axel Zawischa)

Gegen Ende der Veranstaltung konnten die Besucher außerdem mit den Referenten der Veranstaltungen in den Dialog treten. „Ärzte zum Anfassen“ sind dem Landesverband Thüringen für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. besonders wichtig. Hier konnten, außerhalb von Arztpraxis und Krankenhaus wichtige Ratschläge vom Facharzt eingeholt und Fragen gestellt werden, die in der Sprechstunde vielleicht untergehen.
So klang der 4. Thüringer Aktionstag Aphasie und Schlaganfall in ruhiger Atmosphäre aus.

Da auch in Deutschland immer mehr Menschen von einem Schlaganfall betroffen sind und der Austausch sowohl zwischen Patient und Patient, Angehörigen und Angehörigen sowie mit Therapeuten und Ärzten bei dieser Krankheit besonders wichtig ist, wird auch im nächsten Jahr ein Aktionstag in Erfurt, rund um das Thema Schlaganfall, stattfinden. Auch dann wird der Landesverband Thüringen für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. gemeinsam mit seinen Partnern alles geben, um die Besucher bestens zu informieren, zu beraten und eine Plattform für den Austausch untereinander zu bieten.


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Im Oktober 2014 habe ich mein Studium in Anglistik/Amerikanistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Erfurt begonnen. Seit Anfang August schreibe ich Texte für basenio.de und freue mich, immer Neues dazu zu lernen und auch anderen mit Ratgebertexten ...


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