Urban Gardening | Farming | urbanes gärtnern

Urban Gardening – 10 Tipps & Tricks für Neueinsteiger

Bild zum Artikel: Urban Gardening | Farming | urbanes gärtnern
(Quelle: alisonhancock - Fotolia)

Urban Gardening wird zum Trend bei Stadtbewohnern, die ihre Ernährung und Gesundheit verbessern wollen. Worauf sollte man achten? Welche Pflanzen eignen sich zum Anbau auf beengten Flächen? Wir geben einen Einblick in dieses spannende Thema.

Aktuell leben bereits über sieben Milliarden Menschen auf der Welt. Prognosen gehen davon aus, dass sich 2100 bereits mehr als elf Milliarden Bewohner auf diesem Planeten drängen werden. Da stellt sich die Frage, wie all diese Menschen in Zukunft mit Nahrung versorgt werden können. Die Anbauflächen müssten immer größer werden, während die urbanen Wohnräume zunehmend mehr Platz einfordern. Aus dieser Notwendigkeit heraus finden ständig neue Entwicklungen im Bereich des Urban Farming statt. Das veränderte Bewusstsein der Menschen ist ebenfalls im Klimawandel begründet. Das Bedürfnis nach ökologischem Anbau und einem gesunden Lebensstil steigt.

Die Geschichte der grünen Stadt

Grünflächen in der Stadt haben bereits eine lange Geschichte. Sie dienten oft der Nahrungsversorgung. Bereits 1789 entstanden laut diesem Bericht des ARD-Magazins "Planet Wissen" in München die ersten Militärgärten, damit Soldaten sich Kenntnisse in der Landwirtschaft aneignen konnten. Dieses Prinzip blieb auch nach den Weltkriegen wichtig zur Versorgung der Bevölkerung. Aber dabei waren die städtischen Gärten immer mehr als nur eine Notlösung.

Ein kleines Fleckchen Grün auf dem grauen Asphalt der Stadt. Es scheint, auf viele einen besonderen Zauber zu haben. Sie stellen kleine Paradiese dar, in denen die Menschen ausspannen und ihren Alltag für einige Augenblicke hinter sich lassen können. Aber dieses Streben nach einer grünen Umwelt zeigt sich nicht nur in Parkanlagen. Seit etwa 1800 gibt es bereits Schrebergärten, in denen auch Obst und Gemüse angebaut werden können. Inzwischen haben sich ebenfalls Gemeinschaftsgärten in der Stadt zu einem Trend entwickelt, der nicht nur auf einen ökologischen Anbau, sondern auch auf einer Gemeinschaftsbildung besteht.

Ein neuer Trend erblüht

Urban Gardening, das ist der neue Trend. Eine bewusste Ernährung. Ein gesunder Lebensstil. Die Umwelt schützen. Das sind grob zusammengefasst die Ziele der aktuellen Bewegung im Bereich des urbanen Anbaus. Dieser erstreckt sich auch auf größere Bereiche als das individuelle Leben. Konzepte zum Urban Farming sprießen überall aus dem Boden. Die Vorteile liegen dabei klar auf der Hand. Transportwege und CO2-Emission können reduziert, Lebensmittel ohne Pestizide angebaut werden. Doch all dies erreichen auch schon viele Menschen in ihrem privaten Umfeld, ob in Gemeinschaften oder in den eigenen vier Wänden. Damit Sie wissen, worauf beim Urban Gardening geachtet werden sollte, stellen wir zehn Tipps und Tricks vor, die Ihnen einen einfachen Einstieg ermöglichen.

10 Tipps & Tricks für Neueinsteiger beim Urban Gardening

1. Der richtige Platz – Wo fühlen sich Ihre Pflanzen wohl?

Sobald Sie sich für eine Pflanze entschieden haben, müssen sie einen geeigneten Platz für Ihren neuen Mitbewohner finden, damit sie wachsen und reichen Ertrag bringen kann. Dabei sind verschiedene Faktoren zu beachten, die unter anderem auch von der Pflanze abhängig sind. Dazu gehört zum Beispiel die Menge an Licht, die sie benötigt, um zu wachsen oder zu blühen. Ist es eine Langtag- oder eine Kurztagpflanze? Auch die Temperatur spielt eine entscheidende Rolle. In den warmen Jahreszeiten können Sie Ihre Pflanzen wunderbar auf einem Balkon halten. Im Winter ist es hingegen ratsam, sie in eine wärmere Umgebung zu holen oder auf andere Art und Weise gegen die Kälte zu schützen. Ansonsten sollten Sie besonders darauf achten, dass Ihre Pflanze genügend Licht erhält. Wenn sie in einem geschlossenen Raum steht, braucht sie eine künstliche Lichtquelle.

2. Töpfe, Beete und Growboxen – Das richtige Zuhause für Ihre Pflanzen finden

Wie können Sie Pflanzen am besten auf engstem Raum anbauen? Das ist eine elementare Frage, die sich beim Urban Gardening stellt. Mangels Balkon oder Garten bleibt oft nur noch die eigene Wohnung übrig. Aber auch für dieses Problem gibt es viele Tricks, mit denen Sie Platz sparen können. Steht Ihnen genügend Raum zur Verfügung, lassen sich aus einigen alten Hinterlassenschaften schnell Beete bauen. Dazu können sie zum Beispiel im Supermarkt nach alten Obst- und Gemüsekisten fragen. Blumen können in alten Gießkannen oder Fahrradkörben angepflanzt werden. Verbrauchte Topfe oder große Reissäcke können ebenso zur Heimt für die Pflanzen werden. Vieles ist möglich. Lassen Sie ihrer Kreativität freien Lauf. Aber wie lässt sich Platz sparen? Ein Vorteil ist zum Beispiel, dass sie Ihre selbstgebauten Pflanzenhäuser ideal auf Ihre individuellen Bedürfnisse und Kapazitäten abstimmen können. Aber bei der Konstruktion können Sie auch einige Tricks anwenden und kleinere Kisten zu einer gestapelten Aufhängung kombinieren.

Wenn Sie dabei Wert auf eine gesteigerte Leistung Ihrer Pflanzen legen, bieten Growboxen eine ideale Möglichkeit. Diese gibt es bereits bei einigen Anbietern. Sie ermöglichen eine effiziente Versorgung Ihrer Pflanze komplett mit künstlichem Licht. Da das System ist in sich geschlossen ist, haben Schädlinge keine Chance. Bei der Aufzucht braucht es also auch keine Pestizide.

3. Die Wahl der passenden Pflanze

Bevor Sie sich über die ersten beiden Punkte Gedanken machen, steht erst einmal der Kauf der passenden Pflanze an. Auch hier gibt es einige Tipps, die Ihnen einen erfolgreichen Einstieg in das Urban Gardening ermöglichen. Möchten Sie Blumen anpflanzen, um Ihrer Umgebung mehr Zauber zu verleihen, ist Ihr Geschmack sicherlich ausschlaggebend. Aber auch bei einem geplanten Anbau von Gemüse soll Ihnen der Spaß nicht schnell wieder vergehen. Einige Sorten eignen sich dafür besonders gut, da sie eine lange Erntezeit haben und Ihnen rasch die Ergebnisse Ihrer Bemühungen aufzeigen. Salate oder auch Salatrauken stellen eine gute Einstiegsmöglichkeit dar. Ihre Anzucht und Pflege sind verhältnismäßig einfach. Sobald sie in der Erntezeit sind, können Sie regelmäßig etwas abschneiden und Ihren eigenen frischen Salat genießen. Tomaten oder Spargel eignen sich dagegen weniger. Tomaten benötigen mehr Pflege und müssen für ein optimales Wachstum fachgerecht beschnitten werden. Sobald Sie ein wenig Übung haben, sind die roten Früchte auch im Heimanbau eine ertragreiche Option. Spargel braucht dagegen einen tiefen Boden und eine lange Vorlaufzeit vor der ersten Ernte. Die königliche Pflanze ist also wenig praktikabel für das Urban Gardening. Eine weitere ergiebige Möglichkeit für den erfolgreichen Anbau stellen Kräuter dar. Viele von ihnen sind sehr pflegeleicht, können aber vielseitig genutzt und oft lange geerntet werden.

Kräuter, Kräutertopf, Basilikum, Rosmarin, Minze, Salbei, Blattsalat, Thymian, Koriander, Pflanzkübel, Gartenkräuter
Kräuter lassen sich einfach in Töpfen aufziehen. (Quelle: Franz Rudolf - Fotolia)

4. Erde – Worauf zu achten ist

Beim Anbau von Pflanzen sind viele Faktoren zu beachten, aber ein elemantares Bedürfnis ist die Erde. Zwar gibt es auch andere Techniken, wie die Hydrokultur, doch für Hobby-Gärtner und Anfänger ist der klassische Anbau in der Erde zu empfehlen. Aber wie soll man bei den vielen verschiedenen Arten von Erde die richtige Wahl treffen?

Auch hier muss auf die Bedürfnisse der Pflanze eingegangen werden. So brauchen zum Beispiel Orchideen, im Gegensatz zu vielen anderen Blumen, eine besondere Erde. Ansonsten eignet sich für viele Pflanzen gewöhnliche Blumenerde. Dabei sollte dennoch auf einige Details geachtet werden. Gute Erde sollte locker in Ihrer Hand zerfallen und beim Gießen nicht schlammig werden. Zudem muss zum Beispiel auf den pH-Wert geachtet werden, damit die Erde nicht zu sauer oder zu basisch ist.

5. Dünger und andere Wundermittel

Ein guter Dünger wirkt Wunder! Er ist hauptverantwortlich dafür, dass Pflanzen mit den richtigen Nährstoffen versorgt werden. Wenn Sie Wert auf einen ökologischen Anbau legen, kann statt synthetischem auch gut mit biologischem Dünger gearbeitet werden. Neben einigen Kräutern gibt es nur wenige Pflanzen, die sie lange ohne Dünger großziehen können. Es gibt Bio Grow oder Bio Bloom für die Förderung von Wachstum oder Blüte, aber auch Root Juice zur Verstärkung des Wurzelwachstums. Einige Marken wie Bio Bizz bieten jedoch nicht nur einzelne Produkte an, sondern vertreiben auch Sets für Anfänger, in denen bereits die wichtigsten Produkte enthalten sind.

Neben handelsüblichem Dünger gibt es allerdings auch noch einige andere Wundermittel, mit denen Sie Ihren Pflanzen Gutes tun können. Geben Sie einmal im Monat kleine Mengen von altem Kaffeesatz hinzu, können sie den pH-Wert der Erde senken. Kamillentee hat bei Pflanzen eine leicht desinfizierende Wirkung. Er hält Krankheitserreger, Pilze oder Wurzelfäule fern.

6. Bewässerung – Damit Ihre Pflanze nicht dem Blues verfällt

Die richtige Bewässerung ist ein wichtiger Faktor für die Gesundheit Ihrer Pflanzen. Auch hier sei wieder gesagt, dass die meisten Werte individuell für jede Pflanze sind. Aber auf einige grundlegende Dinge kann jeder Pflanzenliebhaber achten. Dabei hängt einiges bereits vom Einpflanzen ab. Steht die Pflanze in einem Kübel, ist es hilfreich, das Abzugsloch mit einer Tonscherbe abzudecken. Das verhindert Staunässe. Generell sollten sie Ihre Pflanzen nicht zu viel gießen, sonst könnte schnell Wurzelfäule entstehen. Aber wie die Pflanze gießen, wenn man für längere Zeit im Urlaub ist? Auch für dieses Problem gibt es inzwischen Lösungen. Eine Möglichkeit sind Kristalle. Sie saugen sich mit Wasser voll und geben es allmählich ab.

7. Es werde Licht – Brauchen Pflanzen die Sonne?

Es ist natürlich, dass Pflanzen Licht benötigen. Einige brauchen mehr davon, andere weniger. Aber erst ab einer bestimmten Menge Licht setzt die Photosynthese der Pflanze ein. Auch die Wellenlängen sind dabei wichtig. Pflanzen können besonders gut das rote und blaue Licht umsetzen, während das grüne Licht hauptsächlich reflektiert wird. Im Internet gibt es inzwischen einige etablierte Online-Shops, die Beleuchtung speziell für die Pflanzenzucht anbieten. In Thüringen ist der Qrow Shop, der sich auf LED-Grow-Lampen und passendes Zubehör spezialisiert hat, ein beliebter virtueller Marktplatz.

Im Sonnenlicht ist alles enthalten, was die Pflanzen für ein gesundes Wachstum brauchen. Im Winter hingegen reicht das natürliche Sonnenlicht dafür nicht aus. Künstliches Licht kann dann helfen, Pflanzen über diese dunkle Periode zu bringen. Dank moderner LED-Technologie ist es auch möglich, Pflanzen komplett ohne Sonnenlicht großzuziehen. Die LED-Dioden können so manipuliert werden, dass eine Lampe das gesamte Lichtspektrum abgeben kann, welches eine Pflanze benötigt. Dadurch kann sie nicht nur versorgt, sondern auch gezielt manipuliert werden, sodass ihre Leistung und ihr Ertrag gesteigert werden.

Ein letzter Faktor der nicht vergessen werden darf, ist, dass die Pflanzen auch eine Dunkelphase brauchen. In dieser Zeit können sie die durch das Licht gewonnene Energie erst richtig umsetzen, wie ein Mensch auch nach dem Muskelaufbautraining eine Ruhephase braucht.

8. Die Anzucht – Ein großer Schritt mit kleinem Samen

Haben Sie erste gärtnerische Erfahrungen gesammelt, möchten Sie sich vielleicht auch an die Anzucht einer Pflanze vom Samen an wagen. Im Grunde gelten auch hier die gleichen Verfahrensweisen wie bei ausgewachsenen Pflanzen. Die kleinen Artgenossen benötigen jedoch von allem ein bisschen weniger. Setzlinge brauchen zwar kleinere Töpfe, aber darin müssen sie dennoch genügend Platz haben. Säht man sie in Reihen aus, dann lassen sie genügend Abstand zwischen den jungen Pflanzen. Auch mit dem Wasser muss sorgsam umgegangen werden und bei einer Beleuchtung mit Kunstlicht bauchen Setzlinge eine geringere Lichtstärke. Haben Sie sich erst einmal eine kleine Zucht aufgebaut, können Sie auch die Samen und Kerne aus Ihren besten Pflanzen sammeln und sich damit ein eigenes Saatgut aufbauen.

9. Zusammen ist doch alles schöner – Städtische Gemeinschaftsgärten

Dem Trend folgend, sprießen in den letzten Jahren in zahllosen Städten Gemeinschaftsgärten aus dem Boden. Auch in Erfurt gibt es einige davon. Darunter ist zum Beispiel die Lagune, die eine brachliegende Industrieflächen in der Krämpfervorstadt zum Anbau von Pflanzen nutzt.  Mit diesem Konzept ist sie ein ausgezeichnetes Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt.

Bei solchen Initiativen gibt es viele Möglichkeiten, sich in die Gemeinschaft der Pflanzenliebhaber zu integrieren. Sie können dort auch wichtige Erfahrungen und Informationen zur Pflanzenzucht und –pflege sammeln. Aber wichtig in diesen Gärten ist vor allem das Gemeinschaftsgefühl. Zu diesem Zweck werden dort oft gemeinsame Gartenfeste oder Film- und Musikabende veranstaltet.

Hand auf´s Herz – Das Wichtigste zum Schluss

Neben all den erwähnten Faktoren und vielen weiteren, die ebenfalls noch ins Gewicht fallen können, ist das Wichtigste, dass Sie Freude am Urban Gardening haben. Nutzen Sie diese Gelegenheit, um mit vielen Lebensmitteln zu experimentieren, die Sie sich vorher nie gekauft haben. Eine neue grüne Welt wartet darauf, von Ihnen entdeckt zu werden!

Fazit zum Urban Gardening

Urban Gardening wurde als Trend in den letzten Jahren wieder groß. Seine Ursprünge liegen jedoch schon weiter zurück. In der heutigen Zeit hat die Motivation zum urbanen Garten durch das rasche Bevölkerungswachstum, die zunehmende Verstädterung und den Klimawandel einen neuen Beigeschmack bekommen und den Wunsch nach einem gesünderen ökologischen Lebensstil wieder befeuert.

Wenn Sie nun selbst die Gießkanne in die Hand nehmen wollen und Ihre Hände in frischer Erde greifen, können Ihnen unsere Tipps helfen. Ihre Pflanzen gedeihen und sie können sich nicht nur daran erfreuen, sondern dadurch auch gesünder ernähren.


DIESEN BEITRAG: KommentierenDrucken
Bewerten:
Empfehlen:

Mehr von Laura Ahlte
Profilbild von Laura Ahlte

Laura Ahlte (Jg. 1994) studiert seit 2014 Literatur- und Geschichtswissenschaft an der Universität Erfurt. In Folge ihres angestrebten Abschlusses des Bachelor-Studiums im Sommer 2017 sammelte sie redaktionelle Berufserfahrungen bei basenio.


Kommentar schreiben

Sicherheitscode