Unkraut im Rasen | Garten | bestimmen | entfernen

Unkraut im Rasen/Garten bestimmen & entfernen - 7 goldene Regeln für den Gärtner

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(Quelle: Florian Stein)

Gegen Unkraut im Rasen oder im Garten gibt es einige Hilfsmittel, mit denen sich der unerwünschten Wildwuchs bestimmen und entfernen lässt. Wir stellen Ihnen die 7 goldenen Regeln gegen Unkraut vor und haben zwei Experten zum Thema befragt.

Unkraut kann im heimischen Garten und im Rasen zum Ärgernis werden. Während im Beet Ernteausfälle bei Unkrautwuchs drohen, sind es im Rasen vor allem ästhetische Gründe, an denen sich der Gärtner stört. Viele Unkräuter haben enorme Überlebensstrategien und erweisen sich als äußerst hartnäckig, wenn man sie entfernen möchte. Dem unerwünschten Wildwuchs kann man mit Handarbeit an den Pflanzenstängel und die Blüte gehen. Es existieren aber auch Hausmittel und chemische Unkrautvernichter (Herbizide), die legal im Kleingarten angewendet werden dürfen. Doch Vorsicht – nicht alle Mittel sind erlaubt und ihr Einsatz kann mit Geldbußen von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.

Inhaltsverzeichnis dieses Beitrags:

Basenio.de hat mit dem Bundesverband Deutscher Gartenfreunde e. V. (BDG) und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gesprochen und dabei jede Menge Tipps erhalten, die gegen unerwünschtes Unkraut helfen. Mit diesen Ratschlägen ist man auf der sicheren Seite und kann nachhaltig gegen Unkraut im Rasen, im Beet sowie zwischen Gehwegplatten und Pflastersteinen vorgehen.

"Unkraut" - Wo ist das Problem?

Doch was ist eigentlich Unkraut? Im Duden findet sich die folgende Definition:

Gesamtheit von Pflanzen, die zwischen angebauten Pflanzen wild wachsen [und deren Entwicklung behindern]

Die Ansichten über den Wert der Pflanzen gehen bei Gartenfreunden und Umweltschützern auseinander. Dr. Burkhard Vogel, der Thüringer Landesgeschäftsführer beim BUND, meint auf Nachfrage von basenio.de: „Eine Fülle von Tierarten ist auf das so genannte ‚Unkraut‘ angewiesen. Der Begriff an sich ist irreführend, denn jede Pflanze hat im natürlichen Wirkungsgefüge ihren Platz und damit ihre natürliche Daseinsberechtigung. ‚Unkraut‘ an sich gibt es also nicht. Stattdessen finden andere Lebewesen im ‚Unkraut‘ Wohn- und Rückzugsraum und nutzen es als Nahrungsquelle.“

Ganz anders sieht es Thomas Wagner, der wissenschaftlicher Mitarbeiter beim BDG ist. „Pflanzen leben in einer ständigen Konkurrenz um Licht, Luft, Wasser und Nährstoffe. Diese romantischen Anwandlungen vom Wildgarten, wo alles wie im Märchen friedlich nebeneinander gedeiht, ist blanker Unfug. Wir leben in einer Kulturlandschaft, vom Menschen geformt und geprägt. Darin ist der Garten ein besonders künstliches Gebilde. Natur in Kultur. Als Mensch bevorzuge ich bestimmte Arten und Sorten und schalte Konkurrenten aus. Sonst gilt 'surviving of the fittest', es würde Sukzession auftreten.“

Unkraut bestimmen, um wirksam dagegen vorzugehen

Damit man Unkraut nachhaltig entfernt, sollte man die Pflanze erkennen und die Ursache für deren Wildwuchs. Unkräuter lassen sich wie fast jede andere Pflanze auch anhand sichtbarer Merkmale bestimmen. Wuchshöhe, Blüte, Blattform (Blattspreite), Standort und Blütezeit sind Erkennungszeichen für das geschulte Auge. Bodenproben bringen Klarheit darüber, ob das Erdreich sauer, alkalisch oder neutral ist. Für solche Tests gibt es Analyse-Sets in Bau- und Gartenmärkten.

Basenio.de hat beim BDG nachgefragt, mit welchen Unkräutern es Gärtner hierzulande am meisten zu tun haben. „Der Giersch bringt viele Gärtner zum Schnauben und es braucht viel Geduld und Beharrlichkeit, ihn zu kontrollieren. Seine Überlebensstrategien sind großartig“, meint Thomas Wagner. „Sonst hängt es von Klima, Region und Standort ab. Die Wurzelunkräuter sind am hartnäckigsten: Zaunwinde, Quecke, Disteln, Löwenzahn“, merkt er noch an.

So erkennen Sie die häufigsten Unkräuter:

Gewöhnlicher Giersch

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Der "Gewöhnliche Giersch" ist ein hartnäckiger Rivale für den, der ihn loswerden will. Hier noch ohne Blütenstand. (Quelle: Kayler)

 

Wuchshöhe: 30 cm bis 100 cm

Standort: Schattige Standorte und feuchte, stickstoffhaltige Böden. Solche Bedingungen finden sich oft in Laubwäldern, an Bachläufen, an Feldrändern, an Viehweiden und eben in Gärten.

Blüte: Die Blüte wächst in sogenannten Dolden, die schirmähnlich aussehen. Beim Giersch bilden sich pro Blütenstand 10 bis 20 kleine Dolden aus, die weiß bis leicht rötlich sind. Rein vom Blütenstand lässt sich der Giersch allerdings nur schwer von anderen Doldengewächsen wie Holunder oder Bärenklau unterscheiden.

Blattform: Sie ist wohl das markanteste Merkmal des Gierschs. Der Blattstiel kann bis 20 cm lang werden und bildet eiförmig-längliche Blätter aus. Die Blätter sind blaugrün bis mittelgrün gefärbt und an der Unterseite behaart. Die gezackten Ränder des Blattes laufen zum Ende hin spitz aufeinander zu. Die Blattspreite gliedert sich dreifach in Fiederblättchen auf.

Blütezeit: Mai bis September

 

Echte Zaunwinde

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Die "Echte Zaunwinde" ist eine kletternde Pflanze. (Quelle: © fotomomentfoto - Fotolia)

Wuchshöhe: Klettert bis zu drei Meter in die Höhe

Standort: Gebüsche, Grasflächen, Meeresstrände

Blüte: Breite Trichterform, Blumenkrone besteht aus fünf miteinander verwachsenen Blättern, Blüten sind weiß oder hellrot

Blattform: Dreieckig oder herzförmig, die am Ende spitz ausläuft

Blütezeit: Juli bis August

 

Kriech-Quecke/Gemeine Quecke

Quecke, Unkraut, FOTO Kay Sever zur freien Verwendung
Quecken sind eine eigene Pflanzengattung. Im Bild ist die "Gemeine Quecke". (Quelle: Kayler)

Wuchshöhe: 50 cm bis 150 cm

Standort: Halblichtpflanze, die vor allem auf stickstoffhaltigen Böden wächst. Findet Nährboden an Ackerflächen, Wiesen, Weiden, Wegesrändern, Ufern.

Blüte: 5 cm bis 20 cm lange Ähren

Blattform: Die grünen Laubblätter wachsen lang und schmal und werden zwischen 6 cm und 30 cm lang. Auf der Unterseite eher gräulich mit weißen Haarreihen.

Blütezeit: Juni bis August

 

Gewöhnlicher Löwenzahn

Löwenzahn, Unkraut, FOTO Kay Sever zur freien Verwendung
Der "Gewöhnliche Löwenzahn" wächst häufig an Wegesrändern und Wiesen. (Quelle: Kayler)

Wuchshöhe: 10 cm bis 30 cm, unter der Erde kann er mit seiner Pfahlwurzel bis 1 Meter in den Boden wachsen

Standort: Wiesen, Wegesränder, Brachland

Blüte: Die gelbe Blumenkrone wird von Deckblättern geschützt. Die Blüte wächst in Körbchenform und hat zahlreiche sogenannte Zungenblüten.

Blattform: Die Blätter sind schmal und länglich. Markant ist deren gezackte beziehungsweise gezahnte Form.

Blütezeit: April bis Juli

 

Wilde Kamille (auch unechte, falsche oder geruchslose Kamille)

Wilde Kamille, Unkraut, FOTO Kay Sever zur freien Verwendung
Bei der "Wilden Kamille" ist der Blütenkopf gefüllt. (Quelle: Kayler)

Wuchshöhe: Bis zu 80 cm

Standort: Gedeiht auf mäßig trockenen, nährstoffreichen und meist kalkarmen Böden. Solche Standorte können Felder, Rasenflächen, Brachland, Wegränder, Höfe und Gärten sein.

Blüte: Sieht der echten Kamille zum Verwechseln ähnlich. Der gelbe Blütenkopf wird von weißen Blütenblättchen – 10 bis 25 pro Blütenkopf – umgeben und kann bis zu 4 cm groß werden. Im Unterschied zur Echten Kamille ist der Blütenkopf bei der wilden Variante nicht hohl.

Blattform: Die zwei- bis dreifach gefiederten Laubblätter können 2 cm bis 8 cm lang werden. Sie sind fadenartig und „stachlichspitzig“.

Blütezeit: Juni bis Oktober

 

Acker-Kratzdistel (auch Ackerdistel & Feld-Kratzdisel)

Ackerkratzdistel, Unkraut
Die Acker-Kratzdistel wächst an trockenen Standorten. (Quelle: Kayler)

Wuchshöhe: 40 cm bis 120 cm

Standort: An trockenen Standorten, kann aber auch an feuchteren und halbschattigen Plätzen wachsen. Häufig findet man sie auch in Gebüschen und Hecken. Solche Standorte finden sich an sandigen Meeresufern, Feldern, Wegrändern und auf Brachland.

Blüte: Halbkugelförmig. Aus dem 1,5 cm bis 2,5 cm breite Blütenkörbchen wächst eine hell purpurrote Blüte.

Blattform: Sind stachelig, dick und haben die Form einer Lanzettenspitze. Am Grund sind sie spitz und etwas stängelumfassend, während sie am Rand fiederspaltig oder in manchen Fällen auch ungeteilt sind.

Blütezeit: Juli bis Oktober

 

Beifuß (auch Besenkraut, Fliegenkraut, Gänsekraut, Jungfernkraut, Johannesgürtelkraut, Sonnenwendkraut oder Weiberkraut)

Beifuß, Unkraut, Besenkraut, Fliegenkraut, Gänsekraut, Jungfernkraut, Johannesgürtelkraut. Sonnenwendkraut, Weiberkraut, FOTO Kay Sever zur freien Verwendung
Beifuß ist auch unter vielen anderen Namen bekannt. (Quelle: Kayler)

Wuchshöhe: 50 cm bis 150 cm (auch bis 200 cm)

Standort: Auf nährstoffreichen Böden, das kann auf Brachland, an Wegrändern, in Höfen, auf Heiden und an Ufern sein.

Blüte: Die rötlichbraune Blumenkrone ist fünfteilig. Die Blütenkörbchen sind 2,5 mm bis 3 mm breit.

Blattform: Die Blätter sind fiederteilig und tief eingeschnitten. Die Blattoberseite ist sattgrün und behaart. An der Unterseite ist die Blattfarbe etwas heller.

Blütezeit: August bis Oktober

 

Weißklee

Weißklee, Unkraut, FOTO Kay Sever zur freien Verwendung
Wenn der Weißklee blüht, bekommt er weiße bis rötliche Blütenkronen. (Quelle: Kayler)

Wuchshöhe: 10 cm bis 30 cm

Standort: Auf mageren und kalkhaltigen Böden, die feucht sind. Allerdings mag er keine Staunässe. Er bevorzugt sonnige und halbschattige Lichtverhältnisse. Im Rasen hält sich Weißklee besonders hartnäckig.

Blüte: Schmetterlingsförmige Blumenkrone, die aus fünf weiß bis rötlichen Blättern besteht. Die Blüte ist zweiseitig symmetrisch.

Blattform: In der Regel drei Blätter, die verkehrt herum herzförmig sind. Sie sind 1 cm bis 2 cm lang.

Blütezeit: Juni bis August

 

Knoblauchsrauke

Knoblauchrauke, Unkraut, FOTO Kay Sever zur freien Verwendung
Die Knoblauchsrauke entfaltet ihren typischen Knoblauch-Duft, wenn man ihre Blätter zerreibt. (Quelle: Kayler)

Wuchshöhe: 30 cm bis 100 cm

Standort: Gärten, Parks oder auf Friedhöfen. Wächst sie wild, findet man sie auch in Wäldern und Gebüschen.

Blüte: Weiße Blumenkrone, die 8 mm bis 10 mm breit wächst. Es gibt vier Kelchblätter und sechs Staubblätter.

Blattform: An der Basis der Sprossachse sind die Blätter nierenförmig gekerbt, an der Unterseite behaart. Die oberen Laubblätter sind dreieckig und an der Außenseite groß gezähnt.

Blütezeit: Mai bis Juni

 

Kompasslattich (auch Stachellattich oder Zaunlattich)

Stachellattich, Unkraut, FOTO Kay Sever zur freien Verwendung
Der Kompasslattich kann sich hervorragend auf Trockenheit und Sonneneinstrahlung einstellen. (Quelle: Kayler)

 

Wuchshöhe: 40 cm bis 80 cm

Standort: Wächst bevorzugt auf trockenen, nährstoffreichen Böden an warmen, sonnigen Plätzen. Im Kleingarten oft an Wegrändern, in Blumenbeeten und neu angelegten Rasenflächen.

Blüte: Hellgelbe Blüten wachsen in einem Körbchen. Die Blüte ist zungenförmig und an der Spitze fünfzähnig.

Blattform: Länglich und am Blattgrund pfeilförmig. Die blaugrünen Blätter sind unregelmäßig gezähnt und stehen steif aufrecht.

Blütezeit: Juli bis August

 

Futterwicke (auch Saat-Wicke)

Futterwicke, Unkraut, FOTO Kay Sever zur freien Verwendung
Die Futterwicke wächst gerne auf nährstoffreichen Böden. (Quelle: Kayler)

Wuchshöhe: 15 cm bis 70 cm

Standort: Nährstoffreiche Böden. Trockenwiesen, Brachland und Weg- und Straßenränder werden oft von ihr bewachsen.

Blüte: Blau-rote Blüten, die 10 mm bis 30 mm lang sind.

Blattform: Die Fiederblättchen sind eiförmig (umgekehrt gewachsen), können aber auch die Form einer Lanzettenspitze haben. Nebenblätter sind gezähnt und dunkel gefleckt.

Blütezeit: Juni bis August

 

Gemeine Schafgarbe

Gemeine Schafgarbe, Unkraut, FOTO Kay Sever zur freien Verwendung
Ist eine Pionierpflanze: Die "Gemeine Schafgarbe". (Quelle: Kayler)

Wuchshöhe: 20 cm bis 70 cm

Standort: Gilt als Pionierpflanze, die vor allem auf stickstoffhaltigen Boden wächst. Im Kleingarten findet man sie oft auf Halbtrockenrasen und an Wegesrändern.

Blüte: Dolde als Blütenstand. Die Blumenkrone ist weiß bis rötlich gefärbt.

Blattform: Wechselständig, für gewöhnlich sitzend, doppelt oder dreifach fiederspaltig oder gefiedert.

Blütezeit: Juli bis September

 

Klettenlabkraut (auch Klebkraut)

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Klettenlabkraut wächst in der Nähe von Feldern und Ufern. (Quelle: Kayler)

Wuchshöhe: 30 cm bis 120 cm, der Pflanzenstängel fällt flach herab

Standort: Lehmartiger Boden, der Stickstoff und Phosphate enthält. In der Nähe von Feldern und Ufern angesiedelt.

Blüte: Weiße Blumenkrone mit vier Blättern

Blattform: Schmal und länglich gewachsen

Blütezeit: Juni bis September

Unkraut mit dem Smartphone erkennen

Um genau zu erkennen, welches Unkraut denn da gerade im Garten wächst, kann auch das Smartphone zu einer Hilfe werden. Im Netz existieren einige Apps, mit denen sich Pflanzen und im speziellen auch Unkräuter bestimmen lassen. Diese Programme arbeiten meist so, dass man zunächst mit der Kamera des Smartphones ein Bild der Pflanze macht. Die App sucht dann nach Übereinstimmungen mit Unkräutern in ihrer Datenbank und zeigt die möglichen Ergebnisse.

In unserer Netzrecherche haben wir diese drei Apps für die Unkrautbestimmung im Kleingarten gefunden:

Hier finden Sie weitere Applikationen, die sich besonders für Senioren im Alltag bewährt haben.

7 goldene Regeln: So entfernt man Unkraut im Garten und Rasen

1. Legale Herbizide

Im Handel gibt es diverse Pflanzenschutzmittel, die im Haus- und Kleingartenbereich angewendet werden dürfen. Zu diesen Mitteln gehören Herbizide, Fungizide (gegen Pilze), Molluskizide (gegen Schnecken) oder auch Insektizide (gegen Schadinsekten). Alle zusammen werden laut Europäischer Rahmenrichtlinie Pestizide - also Pflanzenschutzmittel - genannt. Doch Vorsicht, Pflanzenschutzmittel dürfen nicht überall eingesetzt werden. Es gibt Einschränkungen durch das  Pflanzenschutzgesetz (PflSchG) für Haus- und Kleingärtner durch die jeweils geltende Satzung des Gartenvereins.

Die Vorschriften des Pflanzenschutzgesetzes sind verbindlich und gelten deutschlandweit. Hier heißt es in § 12 PflSchG:

„Pflanzenschutzmittel dürfen nicht auf befestigten Freilandflächen und nicht auf sonstigen Freilandflächen, die weder landwirtschaftlich noch forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden, angewendet werden. […]“

Unter befestigten Freilandflächen sind unter anderem Gehwegen, Terrassen und Einfahrten gemeint, also solche Flächen, bei denen Boden durch einen Aufbau versiegelt ist.

Viele Pflanzenschutzmittel müssen erst als Spritz- oder Gießmittellösung vom Verbraucher hergestellt werden. Wie die Mittel korrekt eingesetzt und dosiert werden, steht in der Regel auf der Packungsbeilage. Es ist zudem ratsam, sich durch den Fachhändler beraten zu lassen, bei dem man das Mittel gekauft hat. Der Fachmarkt bietet inzwischen sogenannte "ready-to-use-Produkte" an, die sofort einsatzbereit sind. So sollen Fehldosierungen verhindert werden, was wiederum gut für Mensch und Natur ist.

2. Jäten – die klassische Handarbeit

Es ist die wohl anstrengendste aller Möglichkeiten, mit der man gegen lästige Unkräuter vorgehen kann. Doch in vielen Fällen ist es auch die nachhaltigste Methode, um Giersch, Löwenzahn und viele andere unerwünschte „Beetbewohner“ loszuwerden. Dabei wird die Arbeit durch spezielle Gartengeräte erleichtert.

Unkrautstecher gibt es in der handlichen Version, bei der man sich über das Beet kniet und die Pflanze samt Wurzel aussticht. Besonders bei Pflanzen mit einer Pfahlwurzel sind diese Geräte praktisch. Das gilt insbesondere für den Löwenzahn, der bis einen Meter tief unter der Erde seine Wurzeln ausbilden kann. Es gibt auch Geräte, die mit einer Teleskopstange arbeiten. Auch mit einer Grabegabel lassen sich Zaunwinden, Quecken und Giersch nachhaltig entfernen. Mit einer Hacke hält man den Boden locker und kann Unkraut förmlich aus der Erde hacken. Doch gerade der Giersch erweist sich als besonders hartnäckig. Selbst wenn man seine Wurzeln hackt, wächst das Kraut binnen weniger Wochen wieder in die Höhe. Hier hilft nur Ausdauer, die einige Jahre braucht. Wenn man die Blätter des Gierschs regelmäßig entfernt, wird die Pflanze geschwächt und stirbt nach einigen Jahren ab.

 

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Unkraut jäten, ist oft die nachhaltigste Methode, um den Wildwuchs zu entfernen. (Quelle: Florian Stein)

Manch einer vertikutiert seinen Rasen, um Unkraut zu entfernen. Davon sollte man aber nicht allzu oft Gebrauch machen, denn das schöne Grün wird dabei sehr strapaziert. Daher sollten Kleingärtner den Rasen nur im Frühjahr mit einem Vertikutierer bearbeiten, da das Gras in dieser Jahreszeit anwächst. Schäden durch das Vertikutieren können so schnell wieder behoben werden.

Durch die Stiftung Warentest wurden viele Gartengeräte getestet. Die Ergebnisse sind kostenpflichtig auf deren Internetseite abrufbar.

Basenio-Tipp: Vor dem Jäten sollte der Boden gewässert werden. Das Unkraut lässt sich dann leichter samt Wurzel aus dem Boden ziehen.

 

3. Prävention

Ungehemmtem Wildwuchs kann bis zu einem bestimmten Grad vorgebeugt werden. Wenn man die Fugen zwischen Gehwegplatten und Pflastersteinen mit trockenheitsresistenten und trittfesten Arten bepflanzt, ist für Unkraut der Weg nicht mehr geebnet. So können Pflanzen der Gattung „Fetthennen“ unerwünschte Wildarten zurückhalten. Oregon-Fettblatt (Sedum oreganum), Felsenfetthenne (Sedum rupestre), Silberspatel-Sedum (Silberspatel-Sedum) und  Scharfer Mauerpfeffer (Sedum acre) können dafür gerne verwendet werden.

Um dem Ärgernis im Rasen zuvorzukommen, können spezielle Rasenarten gepflanzt werden. Das Deutsche Weidelgras (Lolium perenne) setzt sich gegen Unkraut durch und wird daher oft auf Sportplätzen angepflanzt.

Wer Unkraut noch vor der Blüte jätet, beugt dem Wildwuchs fürs nächste Jahr vor. Über die Blüten würde sich sonst der Samen im Garten verbreiten und im nächsten Jahr auswuchern. Es kann daher schon genügen, wenn man einfach den Blütenkopf der Pflanze abschneidet und entfernt.

Werden Flächen neu angelegt, kann man ein Unkrautvlies auslegen. Das Vlies verhindert, dass darunter liegende Samen Licht erhalten. Jede Pflanze – auch Unkraut – benötig dieses jedoch, um zu wachsen. Kein Licht – kein Unkraut.

4. Boden bearbeiten

Wer Unkraut bestimmen kann, der kann es auch als Zeigerpflanze lesen. Moos im Rasen weist daraufhin, dass der Boden übersäuert ist. Um die Flechte loszubekommen, kann man mit kalkhaltigem Dünger den pH-Wert des Bodens neutralisieren. So verliert das Moos seinen Nährboden und geht ein.

Oftmals liegt die Ursache für Wildwuchs in einem verdichteten Boden, in den keine Luft eindringen kann. Hier hilft es, wenn man das Erdreich mit entsprechenden Geräten lockert. Auch eine verdichtete Grasnarbe begünstigt Mooswachstum. Daher sollte man den Rasen regelmäßig mähen. Das abgeschnittene Gras kann man im Anschluss ein, zwei Tage auf dem Rasen liegen lassen, denn es gibt noch Nährstoffe ab. Danach sollte es allerdings vom Rasen entfernt werden, da es sonst zur Bodenverdichtung beträgt.

Wer eine tiefergehende Analyse seines Bodens machen möchte, der kann im Handel spezielle Bodentests kaufen. Dafür entnimmt man in der Regel an mehreren Stellen im Garten etwas Erde und füllt sie in die Testbehältnisse. Es ist auch mögliche Bodenproben kostenpflichtig von Landesversuchsanstalten und Gartenakademien untersuchen zu lassen. Dafür schickt man Bodenproben ein und erhält neben der Analyse meist auch eine Düngeempfehlung. Übrigens, für den Rasen ist ein ph-Wert zwischen 5,5 und 6,5 ideal. Wuchert trotz neutralem pH-Wert Moos im Grün, könnte auch viel Feuchtigkeit die Ursache sein. Achten Sie also darauf, dass im Boden keine Staunässe entsteht.

5. Komposthaufen

Das Unkraut ist aus dem Boden gezupft und ab geht’s in den Komposthaufen. Dort sollen Samen und Keimling durch die Hitze im Inneren abgetötet werden. Oft reicht dafür aber die natürliche Hitze des Komposts nicht aus und über die kompostierte Erde wird das Unkraut im Garten wieder verbreitet. Will man auf Nummer sicher gehen, entsorgt man Unkräuter, die bereits Samen tragen, nicht im Kompost. Bei Wurzelunkräutern hilft es, wenn diese ausgetrocknet werden, bevor man sie kompostiert.

6. Mulchen

Rindenmulch oder Mulchkompost kann um Bäume und Sträucher gestreut werden. Es genügt eine fünf bis zehn Zentimeter dicke Schicht, um Wildwuchs vorzubeugen. Kommt doch etwas hindurch, kann es leicht herausgezogen werden, da die Wurzeln der Pflanzen kaum Halt im Mulch finden.

Noch bevor man die Fläche mulcht, sollte der Boden ausreichend gedüngt werden. Durch den natürlichen Verwitterungsprozess des Mulchs verliert die darunterliegende Erde Stickstoff. Den brauchen Pflanzen, um zu wachsen. Daher sollte ein Langzeitdünger vor dem Mulchen ausgebracht werden. Für diesen Zweck empfehlen Experten Hornspäne.

Basenio-Tipp: Zum Mulchen kann auch trockener Rasenschnitt genommen werden.

 

7. Der Gasbrenner

Unkraut beziehungsweise ungewollten Wildwuchs auf Terrassen und zwischen Pflastersteinen und Wegplatten kann mit man mit einem Gasbrenner entfernen. Da durch die Hitze der Flamme die Zellwände der Pflanzen zerstört werden, gehen die unliebsamen Unkräuter binnen weniger Tage ein. Manch einer verkohlt die Pflanzen regelrecht, das ist allerdings nicht nötig. Es reicht, wenn man die Pflanzen kurz mit dem Brenner bearbeitet.

Durch die Wärmeeinwirkung werden auch Unkrautsamen zum Wachstum angeregt, die noch nicht gekeimt haben. Dadurch kann schon nach relativ kurzer Zeit wieder das ungeliebte Grün zwischen den Fugen sprießen. Bei Bedarf also einfach nochmal den Gasbrenner benutzen.

Unkraut im Garten: Das raten die Experten

Nicht für jeden ist Unkraut ein Ärgernis, für einige ist es gar Nahrungsquelle, weiß man beim BUND. „So ernähren sich beispielsweise die Raupen des beliebten Tagpfauenauges fast ausschließlich von Brennnesselblättern. Ganz einfach ausgedrückt heißt das: Gibt es keine Brennnesseln mehr, verschwindet auch das Tagpfauenauge. Es ist also immer ein Dienst an der Artenvielfalt, im eigenen Garten wilden Pflanzen Lebensraum zu bieten, sei es auch lediglich in einer kleinen Ecke am Gartenrand“, bemerkt Dr. Burkhard Vogel in diesem Zusammenhang.

Thomas Wagner vom BDG betont die Probleme des Kleingärtners mit Unkraut. „Nicht nur der Erwerbsgärtner hat mit ertrags- und qualitätsreduzierenden Krankheiten und Schädlingen zu tun. Auch im heimischen Garten gilt es, Gemüse, Obst und Zierpflanzen vor einem Befall mit Schadorganismen oder konkurrierenden Pflanzen  zu schützen“, erklärt er.

Einig sind sich beide Experten, wenn es um den Einsatz von selbstgemischten Hausmitteln und Herbiziden im Kleingarten geht. Dr. Burkhard Vogel mahnt, „‚Herbizide‘ zerstören nicht nur die Vielfalt, sondern schädigen auch die Umwelt und letztlich die Anwender selbst. Insbesondere glyphosathaltige Mittel und andere Unkrautvernichter sind in den letzten Jahren zunehmend in Verruf geraten. Die Herstellerfirmen und die Zulassungsbehörden sagen zwar, diese Mittel seien nicht gesundheitsschädlich, eine Vielzahl unabhängiger Studien zeigt aber, dass sie es sehr wohl sind.“

So sieht es auch Thomas Wagner, der für den Einsatz legaler Herbizide im Garten nicht viel übrig hat. „Pelargonsäure wird als biologisches Herbizid und Alternative zum Wirkstoff Glyphosat vermarktet, was ich kurios finde. Die biologische Abbaubarkeit und Schadlosigkeit für die Umwelt betonen wir so lange, bis wir es besser wissen. Dann ist Geschrei groß. Jeder Gärtner sollte sich fragen, warum Pelargonsäure als Herbizid wirkt und gleichzeitig harmlos sein soll?“

Eine berechtigte Frage. Doch wer entscheidet in Deutschland, welche Mittel legal sind und welche nicht? „Alle Präparate mit dem Wirkstoff Pelargonsäure sind legal, wenn Sie eine Zulassung für den Bereich Haus- und Kleingarten haben. Das macht das Bundesinstitut für Risikobewertung: Auch Glyphosat-Präparate sind für den Haus- und Kleingarten noch zugelassen und deshalb im Verkauf“, erklärt Thomas Wagner. Hier sei jedoch an die gesetzlichen Einschränkungen erinnert, die es verbieten, dass man die Mittel auf Gehwegen, Terrassen und anderen befestigen Flächen anwendet. Doch gilt das Verbot auch bei altbewähren Hausmitteln? „Ja, wie alle anderen selbst hergestellten Brühen, Lösungen und Zaubermittelchen: Sie dürfen nicht als Pflanzenschutzmittel angewendet werden. Das ist nach dem Pflanzenschutzgesetz illegal, da nur solche Mittel angewendet werden dürfen, die eine Zulassung haben", weiß Thomas Wagner.

"Trotzdem wird der Einsatz von 'Selbstgebrautem' vielfach in Ratgebern angepriesen - eine Grauzone! Die Frage, die sich jeder persönlich stellen sollte, ist auch hier: Wenn es wirkt, wie kann es dann harmlos und naturnah sein? Es bringt unerwünschten Bewuchs zum Absterben", fügt er noch hinzu.

Fazit:

Wer Unkraut in seinem Kleingarten entfernen möchte, der sollte dabei die Vorschriften des Pflanzenschutzgesetzes und der geltenden Gartensatzung beachten. Grundsätzlich ist es nicht erlaubt, Herbizide und selbstgemischte Hausmittel auf befestigten Flächen wie Gehwegen, Terrassen und Ähnlichem zu verwenden. Wer dagegen verstößt, kann mit Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro bestraft werden.

Im Beet können solche Mittel durchaus angewendet werden, doch müssen diese zugelassen sein. Allerdings empfiehlt es sich nicht, auf solche „Unkrautvernichter“ zurückzugreifen. Laut dem BUND gibt es Studien, die belegen, dass die Mittel schädlich für die Umwelt und auch den Anwender selbst sind.

Experten empfehlen die klassische Handarbeit. Letztlich ist es auch eine Motivation des Kleingärtners, sein Refugium mit eigener Kraft zu bearbeiten. Wer Unkraut jätet, der bekämpft es in den meisten Fällen effektiv, wenn er noch vor der Blüte die Pflanzen beseitigt. Vielleicht lässt man aber auch in der einen oder anderen Ecke einige Unkräuter stehen. Sie können Nahrung für Insekten sein. Manche haben auch gesundheitsfördernde Wirkungen für den Menschen und können als Würzmittel oder Salatzutat genutzt werden.


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Steffen Gottschling (Jg. 1978) lebt und arbeitet in Erfurt. Seit 2012 ist er in der Medienbranche tätig. Hier sammelte er Erfahrungen in der Redaktion von Radio F.R.E.I. und arbeitete als Journalist in der Online-Redaktion der Thüringer Allgemeine. Für ...


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