Hobby Heimwerker | Werkzeug | Projekte | Ratgeber

Hobby Heimwerker: Mit richtigem Werkzeug Projekte anpacken

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(Quelle: deagreez - Fotolia)

Hobby Heimwerker gibt es in diesen Tagen immer mehr. Do it yourself im eigenen Heim & Garten liegt voll im Trend. Wir sprachen mit Bernd H., einem Hobby Heimwerker, der uns seine Erfahrungen schildert und Tipps zu Werkzeug und Projekten gibt.

„Alles fing mit dem Hauskauf an“, antwortet Bernd H.* auf die Frage, wie es mit seinem Hobby Heimwerken begann. 2013 erwarb er das Haus, in dem seit Jahren niemand mehr wohnte. Es gab kein Strom, kein Wasser und durch Dach und Fenster pfiff der Wind. Alles in allem war die Immobilie eine große Herausforderung, sollte sie für ihn und seine Familie zum Heim werden. Auch wenn Bernd nicht den Eindruck macht, einem Trend hinterher zu laufen, so ist er dennoch Teil einer neuerlichen Heimwerker-Welle in Deutschland. Unter dem Anglizismus „do it yourself“ schwappt sie seit einiger Zeit über das Land und lässt die Kassen in Baumärkten und bei Werkzeugproduzenten klingeln.

Die Branche profitiert vom Trend und freut sich über hohe Umsätze. Die 30 größten deutschen Betreiber hatten 2015 laut dem Fachportal Baumarktmanager insgesamt 34,481 Milliarden Euro erlöst. Auch der Wissenschaft blieb dies nicht verborgen. Im Spiegel-Online-Blog „Gesägt, getan“ nennt Historiker Jonathan Voges Gründe für den Trend. „In den Achtzigerjahren gab es die Vision, dass Heimwerken die damalige Gesellschaftsform ablösen könnte, hin zu einer Do-it-yourself-Gesellschaft. Das halte ich für ziemlich weit hergeholt. Vielleicht gilt die These eher in abgeschwächter Form: Die Beliebtheit des Heimwerkens ist Ausdruck eines Unbehagens mit der Industriegesellschaft und Kritik an der Konsumgesellschaft“, schätzt er ein. Und tatsächlich, auch bei unserem Hobbyheimwerker Bernd finden sich solche Motive.

Heimwerken ist Lust und Antrieb

„Von Anfang an hatte ich Lust etwas zu schaffen“, sagt der zweifache Familienvater und nimmt seinen Jüngsten auf den Schoß. "Außerdem will ich noch etwas hinterlassen", schiebt er mit einem Augenzwinkern hinterher. Doch es gibt auch pragmatische Gründe, warum er zu Hause selber anpackt. „Macht man es selber, kostet es halt auch weniger Geld“, gibt Bernd zu verstehen. Und er hat eine Menge Geld gespart. Denn bei allem, was an Arbeiten anfiel, hat er entweder alleine oder mit Freunden Hand angelegt. „So habe ich viel gelernt. Vieles, wo ich vorher dachte, das kriegst du nie hin, schaffe ich heute ohne Probleme.“ Vor Strom habe er besonderen Respekt gehabt, meint der Hobbyheimwerker. Doch auch hier hat er alles in Eigenregie installiert, nachdem ihn ein Elektriker anleitete.

Bei den Fenstern war es ganz ähnlich. Die ersten Scheiben hatte noch ein Glaser zugeschnitten, bevor er es selber übernahm. So hat er nach und nach alle Fenster im Haus erneuert. „Wenn es mir niemand persönlich gezeigt hat, dann habe ich im Netz nachgeschaut“, verrät Bernd. Eine Hilfe war oft der Heimwerker-Blog von M1Molter. Und so werkelte er an seinem Haus, bis es Bezugsfertig war. Dabei hat er die Arbeit nie als Belastung wahrgenommen, sondern konnte entspannen, wenn er den Hammer schwang. „Es ist ein Ausgleich, wenn man Dinge tut, die einen nur selber betreffen. Man ist niemand anderen Rechenschaft schuldig“, meint er. Gebaut hat der Kindergärtner immer nach Feierabend.

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Bernds selbst gebaute Sandkiste. Vier zusammengeschraubte Pappelstämme umranden den kleinen Spielplatz. (Quelle: Steffen Gottschling)

Mein bestes Heimwerker-Projekt

Gefragt nach seinem bislang besten Projekt, überlegt Bernd eine kurze Weile. Doch dann sagt er mit großer Bestimmtheit: „Das Schlafzimmer. Es war das erste Zimmer, bei dem ich alles ganz alleine durchgezogen habe.“ Vor allem an die Arbeiten am Fußboden erinnert er sich. „Die Dielen hatte ich aus einem Haus geholt, bei dem der Besitzer selber gerade renovierte.“ Der wollte die alten Holzbretter nicht mehr. „Mit einer Kreissäge habe ich die Dielen begradigt“, sagt Bernd. Dabei musste er die einzelnen Stücke so zurecht sägen, dass sie alle wieder aneinander passen. „Im Laufe der Zeit verzieht sich Holz“, weiß er zu berichten. Hätte er die Dielen gelassen, wie sie waren, hätte er sie bei sich genauso verlegen müssen, wie er sie aus dem Haus geholt hatte. Jedes einzelne Brett hätte beschriftet werden müssen, damit man es an das passende Nachbarstück wieder ansetzen  könnte. Die begradigten Dielen ließen sich hingegen frei im Raum verlegen.

„Mit einem Exzenterschleifer habe ich Dreck und alte Lackrückstände entfernt“, lässt Bernd durchblicken. Bevor er die Bretter im Raum verlegt hatte, baute er auf dem Boden ein Gerüst aus Leisten. In die Zwischenräume steckte er Hanfwolle, die als Wärmedämmung zum Keller fungiert. Auf diese Installation nagelte er dann die Dielen. Jede einzelne hat er dabei mit einem Zugeisen fixiert. Die Nagelköpfe habe ich dann mit einem Nageltreiber versenkt, berichtet der Hobbyheimwerker. „Mit Akkuschrauber und Augenmaß habe ich dann die Abschlusskante zur Tür gesetzt.“ So gibt es unter der Tür eine Blende, die das unter den Dielen liegende Gestell verdeckt. „Am Ende habe ich mit einem Pinsel die Dielen mit Leinöl bestrichen. Das versiegelt das Holz und man kann später den Fußboden leichter reinigen. Der Dreck lässt sich auf dem Film einfach abwischen“, gibt Bernd zu verstehen. Bei einer Fläche von 10 Quadratmetern habe ein Pinsel gereicht, meint er und fügt an, dass bei einem größeren Boden eine Rolle sinnvoller wäre. „Die Zierleisten am Rand habe ich mit einer Feinsäge zurecht geschnitten, und dann auf den Dielen festgemacht“, sagt er noch. Wichtig war ihm, dass alles biologisch war und ist. „Ich wollte keine ausdampfenden Stoffe“, schließt er ab.

Auch der Rest in dem rustikalen Zimmer entstand in Bernds Eigenregie. Der Lehmputz an der Wand, die Stromleitungen, einfach alles hat er mit seinen eigenen Händen hergerichtet. Dabei hat er auch auf Details geachtet. „Die Fenstergriffe habe ich über ebay gekauft. Ich wollte unbedingt welche aus Messing“, erklärt er.

Werkzeug kaufen

In seinem Haus hat er eigens für sein Hobby eine kleine Werkstatt eingerichtet. Für das ungeübte Auge wirkt alles ein wenig durcheinander, doch der Hobbyheimwerker weiß genau, wo er welches Werkzeug findet. „Ich habe meine Ordnung, da blickt kein anderer durch“, versichert Bernd. In seiner Ausrüstung sind viele neuwertige Gerätschaften, aber auch einige ältere Modelle. „Ein paar Sachen habe ich von meinem Vater bekommen. Ansonsten habe ich für jedes Projekt, das nötige Werkzeug gekauft.“

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In der Werkstatt gibt es auch noch älteres Werkzeug. (Quelle: Steffen Gottschling)

Und es ist offensichtlich, dass es bereits viele Projekte waren. „Ja, da ist schon einiges zusammengekommen. Die richtig guten Sachen habe ich mir über das Internet bestellt. Wie den Werkzeugwagen dort drüben.“ Bernd zeigt auf ein Metallschrank mit Rädern, der mehrere Schubladen hat. "Den habe ich mir direkt übers Netz bei Kaiser+Kraft geholt. Von den Sachen hat man lange was, die halten was aus", ist Bernd sicher.

Wir verlassen die Werkstatt und gehen zurück in seinen Garten. Auch hier hat er viel gebastelt. Es gibt ein Sonnendeck, auf das man über eine Holztreppe gelangt. Direkt gegenüber ist ein kleiner Teich, der von einem klassischen Jägerzaun umgeben ist. „Letztes Jahr haben hier Kröten gelaicht“, sagt er freudig. Doch es gibt auch Sachen, die rein künstlerischer Natur sind. „Man will sich ja ausprobieren“, gibt Bernd zu verstehen. Und so ist der Tisch, der etwas befremdlich aussieht, eher ein Kunstprojekt als ein funktioneller Gegenstand.

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Mehr Kunst als funktioneller Gebrauchsgegenstand. Ein selbstgebauter Tisch in Bernds Garten. (Quelle: Steffen Gottschling)

„Der Tisch, war einer meiner ersten Versuche. Inzwischen gehe ich ganz anders ran, wenn ich bastele“, sagt Bernd zum Abschied. Kein Zweifel, denn am Haus und im Garten gibt es immer etwas zu tun.

 *Name durch die Redaktion geändert.


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Profilbild von Steffen Gottschling

Steffen Gottschling (Jg. 1978) lebt und arbeitet in Erfurt. Seit 2012 ist er in der Medienbranche tätig. Hier sammelte er Erfahrungen in der Redaktion von Radio F.R.E.I. und arbeitete als Journalist in der Online-Redaktion der Thüringer Allgemeine. Für ...


Kommentare

Hallo Steffen, Super Artikel, super aufgezogen. Meinst du man kann so eine Lehmputze wie hier beschrieben auch selbst durchführen? [externer Link entfernt: Anm. d. Redaktion: Wir können keine Garantien für Inhalte hinter externen Verlinkungen geben und entfernen diese daher] Was brauche ich dafür für Werkzeug? Was muss ich dabei beachten? Wie lange kann so ein Projekt denn dann dauern? Ich danke im Voraus für Antworten. Gruß, Patrick

Hallo Patrick: Danke für deine Fragen. Gerne frage ich den Heimwerker aus dem Beitrag. Sobald ich dessen Antwort habe, teile ich sie sehr gerne an dieser Stelle.

Mit den besten Grüßen

Steffen Gottschling
Leitender Redakteur - basenio.de

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