Helmpflicht für das Fahrrad in Deutschland

Ist eine Helmpflicht für das Fahrradfahren in Deutschland sinnvoll?

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Ein Fahrradhelm schützt den Kopf vor Verletzungen, das weiß jeder. Aber Radfahrer mit Helmen fahren angeblich auch risikofreudiger. Ist eine Helmpflicht in Deutschland wirklich sinnvoll?

Beim Motorrad, Moped oder Quad gilt sie seit vielen Jahren, beim Skifahren gibt es hingegen keine. Aber nirgendwo wird die Diskussion um die Helmpflicht so emotional geführt wie unter Fahrradfahrern. Im Frühling steigen wieder Millionen Deutsche auf ihre Räder (Beitrag zum Thema Fahrradfahren im Alter), aber die Frage nach dem Helm beantworten die meisten immer noch – mit einem klaren Nein! Die aktuelle Helmquote liegt gerade einmal bei 13 Prozent. Daher machen sich Politiker wie der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer immer wieder für eine Helmpflicht stark. Neu entfacht hat die Debatte jüngst Gernot Sieg von der Universität Münster. Der Verkehrsökonom veröffentlichte eine Untersuchung, wonach die gesamtgesellschaftlichen Kosten bei der Einführung der Helmpflicht um 40 Prozent größer als der Nutzen seien, wie Spiegel Online berichtete. „Fahrradfahren ohne Helm ist nicht per se unvernünftig", sagte der Wissenschaftler. Was auch Sieg nicht abstreitet: Mit Helmzwang gäbe es weniger Kopfverletzungen: Bei jedem zweiten Unfall würde die Schwere einer Kopfverletzung reduziert. Aber durch eine gesetzliche Pflicht würden auch mehr Menschen aufs Radfahren verzichten. Laut Schätzungen könnte der Anteil aller geradelten Kilometer um bis zu 20 Prozent abnehmen – mit negativen Folgen für die Gesundheit und steigenden Kosten für das Gesundheitssystem. Wird weniger Rad gefahren, steigt zudem der Ausstoß von Abgasen, da die Menschen aufs Auto oder den ÖPNV umsteigen. Letztlich kommt der Wissenschaftler am Ende seiner Berechnungen auf ein gesamtgesellschaftliches Minus von 278 Millionen Euro pro Jahr. „Zwar gäbe es weniger Unfalltote und schwer verletzte Radfahrer, dafür aber hohe Ausgaben für Helme und mehr Herzinfarkte – bei all jenen, die wegen der Helmpflicht aufs Radeln verzichten oder weniger radeln“, fasste Spiegel Online die Ergebnisse der Studie zusammen.

Neben dieser verkehrsökonomischen Perspektive gibt es unzählige weitere Argumente für oder gegen die Helmpflicht. Einen guten Überblick – auch über die Meinungen einfacher Bürger – kann man sich in folgendem Video verschaffen. Darin kommen verschiedene Akteure, wie Radfahrer, Politiker und Polizisten aus Münster zu Wort. Münster ist die Stadt mit dem höchsten Radverkehrsanteil in ganz Deutschland.

Meinungen zur Helmpflicht aus Münster

Kinder und Senioren gelten als schwächste Verkehrsteilnehmer

Gerade bei Kindern und Senioren als den schwächsten Verkehrsteilnehmern ist das Tragen eines Schutzhelms sinnvoll. Kinder besitzen teilweise noch nicht die motorischen Fähigkeiten und die Übersicht im Straßenverkehr. Bei Best Agern und Senioren können mit den Jahren neben den Sinnen Aufmerksamkeit, Beweglichkeit und Reaktionsvermögen nachlassen. Unfallstatistiken belegen das (Weitere Informationen zur Mobilität im Alter - basenio). Etwa 50 Prozent der im Straßenverkehr tödlich verunglückten Radfahrer sind älter als 65 Jahre. Experten gehen davon aus, dass etwa jeder zweite tödliche Unfall durch einen Helm vermieden werden könnte.

Daher darf man in der Diskussion um die Helmpflicht zwei Dinge nicht durcheinander bringen: Im Kern geht es Kritikern der Helmpflicht nur um die negativen Nebeneffekte eines gesetzlichen Zwangs – wie die höheren Kosten für das Gesundheitssystem. Experte Gernot Sieg sagt: "Man sollte lieber überlegen, wie man das Radfahren sicherer macht, etwa über verbesserte Infrastruktur oder eine innerstädtische Regelhöchstgeschwindigkeit von 30 km/h“. Das Tragen eines Schutzhelmes an sich, darin stimmen fast alle Experten überein, wird weiterhin empfohlen. Aber auf freiwilliger Basis. Das Ziel bleibt demzufolge eine Steigerung der freiwilligen Helmquote

Was sollte man beim Tragen eines Fahrradhelmes beachten?

Bei Farbe, Form und Preis gibt es die unterschiedlichsten Vorstellungen. Jeder Mensch soll den Helm tragen, der zu ihm passt und den er sich leisten kann – sofern damit keine Einbußen an Qualität einhergehen. Unfallchirurgen empfehlen nur Helme zu tragen, die der Norm nach DIN EN 1078 entsprechen. Sowieso sollte der Helm gut passen und nach jedem Aufprall und generell nach fünf Jahren ausgewechselt werden. In allen Fahrradgeschäften können Sie sich beraten lassen.

Wie setzt man einen Fahrradhelm richtig auf?

Fazit - Ist die Helmpflicht für Fahrradfahrer sinnvoll?

Die meisten Verkehrsexperten sprechen sich gegen eine gesetzliche Helmpflicht aus, weil so gesamtgesellschaftliche Mehrkosten entstehen würden. Allerdings wird das Tragen eines Helmes auf freiwilliger Basis empfohlen. Gerade Senioren, die zu den schwächsten Verkehrsteilnehmern zählen, sollten auf diesen Schutz nicht verzichten.


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Thomas Fritz (Jg. 1982) ist ein freier Journalist aus Leipzig, der seit 2010 in der Branche tätig ist und bundesweite Auftraggeber hat. Nicht die tagesaktuelle Berichterstattung, sondern gut recherchierte Hintergrundberichte, Porträts und Reportagen sind sein ...


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