Englisch für Senioren | Sprachreisen für Erwachsene

Warum sind Englischkurse bei Senioren so beliebt?

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(Quelle: Patricia Klamt)

Englisch ist im Alltag allgegenwärtig, aber auch auf Reisen oder am Computer ist die Sprache unverzichtbar. basenio sprach mit Diana Trojca, Englischdozentin beim Seniorenschutzbund in Erfurt.

Frau Trojca, warum wollen Senioren überhaupt Englisch lernen?

Trojca: Da gibt es verschiedene Motivationen. Manche Senioren wollen sich auf Reisen im Ausland selbständig verständigen. Ein Ticket am Schalter kaufen oder ein Bier bestellen, das können große Hürden sein. Eine weitere Motivation sind Computer und Internet: Immer mehr Senioren bewegen sich online, aber dort kommt man ohne Englisch nur schwer zurecht. Und auch im Alltag ist die englische Sprache ständig präsent – in der Werbung oder an Fahrkartenautomaten. Eine Kursteilnehmerin dachte beispielsweise, das Wort „Sale“ hätte etwas mit Segeln zu tun. Durch meinen Kurs weiß sie nun besser Bescheid.

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Englischkurs für Senioren (Quelle: Axel Zawischa)

Welche Englischkurse bieten Sie an?

Trojca: Insgesamt sind es zehn Kurse mit jeweils rund 10 Teilnehmern. Es gibt Kurse für Anfänger, Fortgeschrittene, Grammatik und Konversation. Die meisten Interessierten kommen in den Anfängerkurs und durchlaufen dann die verschiedenen Lernstufen bis zu den Fortgeschrittenen. So ist kontinuierliches Lernen möglich. Die Tendenz ist übrigens steigend, immer mehr Senioren nehmen teil.

Wie alt sind die Teilnehmer der Kurse?

Trojca: Im Durchschnitt 65 bis 75 Jahre. Die Jüngsten, also unsere Vorruheständler, sind um die 60. Der älteste Teilnehmer, den ich betreut habe, war 85. Die Leute haben Englisch meist nie in der Schule gelernt.

Fällt es den Teilnehmern in dem Alter schwer, eine neue Sprache zu lernen?

Trojca: Nein, ganz im Gegenteil. Die Senioren sind sehr motiviert und konzentriert, denn sie kommen ja freiwillig und mit einem klaren Lernziel. Sie wissen, wofür sie die Sprachkenntnisse später anwenden möchten. Das erleichtert mir die Arbeit ungemein. Vor ein paar Jahren habe ich an einer Berufsschule unterrichtet, von den Jugendlichen waren einige nicht sonderlich motiviert. Bei den Senioren machen dagegen alle engagiert mit. Und sie dürfen nicht vergessen: Das Lernen einer Sprache dient der Prävention von Gedächtnisschwund und hält geistig fit.

Aber wenden die Senioren die Sprachkenntnisse dann auch im Ernstfall an?

Trojca: Sicherlich gibt es am Anfang Hemmungen, die sie überwinden müssen. Aber wir üben solche Situationen schließlich im Konversationskurs. Meine Teilnehmer berichten mir dann nach dem Urlaub stolz, dass sie sich im Ausland alleine zurechtgefunden haben. Es bereitet mir viel Freude, die Früchte der gemeinsamen Arbeit zu sehen und sie für den Ernstfall gewappnet zu haben.

Bieten Sie auch Sprachreisen für Erwachsene an?

Trojca: Ja. Vor drei Jahren war ich mit einer Gruppe von 25 Leuten fünf Tage mit dem Bus in London. Und auch 2015 ist wieder eine Fahrt geplant. So eine Reise ist die beste Möglichkeit, um vor Ort mit englischsprachigen Menschen in Kontakt zu kommen. Zwischen den Teilnehmern sind sogar schon Freundschaften entstanden.

Werden Sie auch künftig Englischkurse geben?

Trojca: Ich arbeite jetzt seit 2005 beim Schutzbund für Senioren und Vorruheständler, gebe auch Kurse in Kunstgeschichte, Malen und Zeichen. Aber die Englischkurse erzeugen die größte Nachfrage und machen sehr viel Spaß. Außerdem ist die Lernatmosphäre einfach sehr schön und entspannt.


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Thomas Fritz (Jg. 1982) ist ein freier Journalist aus Leipzig, der seit 2010 in der Branche tätig ist und bundesweite Auftraggeber hat. Nicht die tagesaktuelle Berichterstattung, sondern gut recherchierte Hintergrundberichte, Porträts und Reportagen sind sein ...


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