Baumschnitt | Bäume | Obstbäume schneiden

Baumschnitt - Bäume & Obstbäume schneiden - Anleitung mit Video

Baumschnitt | Bäume | Obstbäume schneiden (Quelle: LianeM - Fotolia)

Was muss bei einem Baumschnitt beachtet werden? Wir erklären und zeigen, wie Bäume und Obstbäume richtig verschnitten werden. Außerdem erhalten sie praktische Tipps für die Baumpflege.

In diesem Beitrag über Baumschnitt wird grundsätzlich zwischen Obstbäumen und Stadtbäumen unterschieden. Während bei ersteren der Fruchtertrag im Vordergrund aller Schnittmaßnahmen steht, sind es bei Stadtbäumen Aspekte der Stand- und Bruchsicherheit.

 

Obstbäume verschneiden

Wer jedes Jahr in einen saftigen Apfel aus eigener Ernte beißen möchte, muss seinen Baum richtig „erziehen“. Ziel ist, dass der Baum vital aufwächst, damit er eine möglichst ertragreiche Ernte abwirft. Auch wenn das Gehölz seiner „Kinderstube“ entwachsen ist, kann es durch fortwährende Pflege zu einem hohen Fruchtertrag animiert werden. Wichtigste Instrumente bei Pflege und Erziehung sind Astschere und Säge. Mit ihnen werden die Obstbäume geschnitten beziehungsweise verschnitten. Dabei werden in jeder Altersphase des Baums spezielle Schnittmaßnahmen durchgeführt. Bei jungen Bäumen gibt es Form- & Erziehungsschnitte, bei ausgewachsenen Bäumen Erhaltungsschnitte und bei alten Bäumen Verjüngungsschnitte.

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Diese Baumschnitte werden in den unterschiedlichen Altersphasen der Gehölze durchgeführt. (Quelle: schulzie - Fotolia)

Mit dem Formschnitt wird der Baum in Form gebracht. Kronen- und Stammhöhe können so für das spätere Altere vorbestimmt werden. Struktur und Wuchs der Krone werden durch den Erziehungsschnitt beeinflusst. Dabei sollte nur ein Terminaltrieb für das Höhenwachstum zugelassen werden. Konkurrierende senkrecht in die Höhe wachsende Triebe würden den Baum Kraft kosten, die er dann nicht in den Fruchtertrag „investieren“ kann. Außerdem werden so Baumgabeln verhindert. In der Fachsprache spricht man dabei vom Baumzwiesel. Hier könnten sich Wasserlachen sammeln, die Fäulnis am und im Gehölz begünstigen.

 

Am Terminaltrieb sollen seitlich abzweigend die Äste wachsen, die später Früchte tragen. Grundsätzlich bilden senkrecht wachsende Triebe keine Blüten und damit auch keine Früchte aus. Diese entstehen nur am Fruchtholz der seitlich abstehenden Äste. Allerdings gibt es auch Obstsorten, bei denen auch senkrecht wachsende Äste Früchte tragen. Pflaumensorten wie die Mirabelle gehören dazu.

 

Tipp: Fangen sie schon früh an, das Wachstum des Baums nach ihren Wünschen zu beeinflussen. Dünne Äste lassen sich leichter entfernen als dicke. Bedenken Sie außerdem, dass jeder Schnitt den Baum verletzt. Je dünner der Ast, desto kleiner die Wunde. Große Wunden sind Nährboden für Pilzkrankheiten, die den Baum absterben lassen können.

 

Beim Erhaltungsschnitt geht es darum, den Baum in Form zu halten. (Siehe Kapitel: Diese Äste & Triebe sollten geschnitten werden). Älteres Holz in der Mitte des Baums kann entfernt werden, da es keine Früchte mehr trägt. So bleibt dem Baum wieder mehr Kraft für das Fruchtholz. Letztlich wird so auch die Saftwaage gehalten. Damit ist gemeint, dass die seitlich wachsenden Äste vom Terminaltrieb in gleicher Höhe enden sollen. In dieser Symmetrie werden sie optimal mit Nährstoffen versorgt. Wer einzig die äußeren Äste verschneidet, schwächt den Baum. Hier will die Pflanze sich ausbreiten.

 

Wie bei Menschen lässt auch bei Bäumen im Alter die Kraft nach. Man kann aber mit einem Verjüngungsschnitt Obstbäume nochmal zu einer höheren Kraftanstrengung provozieren. Totholz wird gänzlich entfernt, alle steilen Triebe (bis auf Terminaltrieb) entfernt und Wucherungen an Stamm, Ästen und Zweigen weggeschnitten. Der Baum erlebt so sprichwörtlich wieder seine Blüte.

Diese Äste & Triebe sollten geschnitten werden

Früher galt der Spruch: „Man muss einen Hut durch die Krone werfen können“. Der Spruch hat nach heutiger Ansicht jedoch nur bedingt seine Berichtigung. Wichtig ist, dass der Baum genug Licht für die Photosynthese bekommt und eine luftige Krone hat, damit Pilzkrankheiten und Holzfäulnis verhindert werden.

 

Damit der Baum nicht auswuchert, müssen bestimmte Zweige und Äste entfernt werden. Im unteren Bild sind die Konkurrenztriebe rot eingefärbt. Schneiden Sie diese in die Höhe sprießenden Äste gänzlich zurück. An der höchsten Stelle sollte es nur einen Terminaltrieb geben. Bei den meisten Obstbäumen gibt es an senkrecht wachsenden Ästen beziehungsweise Zweigen keinen Fruchtertrag. Der Baum setzt hier alle Kraft für das Höhenwachstum ein. Diese Zweige nennt man Wasserschosser (siehe Bild: grüne Zweige). An ihnen müssen sich erst seitliche Triebe ausbilden, die Früchte tragen können. Das kann bis zu fünf Jahre dauern. Wer also möglichst jedes Jahr einen hohen Ertrag haben möchte, sollte die Schosser entfernen.

 

Lässt man sie ein Jahr stehen und entfernt diese dann, lenkt der Baum die Kraft, die dort ursprünglich fürs Höhenwachstum investiert wurde, in das Fruchtholz. Im Ergebnis hängen so zur Erntezeit mehr Früchte am Baum. Herabhängende und abgetragene Äste sollten bis auf den jungen Trieb gekürzt werden (siehe Bild: blaue Zweige). An ihnen entstehen keine Früchte mehr, und der Baum wendet hier unnütz Kraft zum Erhalt an.

 

Auch wenn Äste nach Innen wachsen oder sich mit anderen Ästen kreuzen, gehören sie entfernt. Im ersten Fall verdichtet sich die Krone und der Lichteinfall wird geringer. Die Photosynthese des Baums wird so gestört. Kreuzende Äste können bei Wind aneinander reiben und so die Borke verletzen. Die Wunde wäre ein Nährboden für Pilzkrankheiten.

Baum schneiden, Wasserschosser (grün), Konkurrenztrieb (rot), abgetragene Zweige (blau)
Die farblich hervorgehobenen Äste und Zweige sollten entfernt werden. (Quelle: eigene Darstellung)

Tipp: Kürzen Sie beim Erhaltungsschnitt das Volumen des Baums um circa 30 Prozent. Kürzt man zu viel, sprießen in der folgenden Vegetationsphase aus allen Löchern Triebe und der Baum wuchert aus.

 

Im folgenden Video des Nachrichtenportals inFranken.de wird gezeigt, wie Leittriebe freigeschnitten werden und wie ein junger Apfelbaum mit einen Erziehungsschnitt in Form kommt.

 

Wann und wie den Obstbaum schneiden?

Unterschieden wird bei Obstbäumen zwischen Kern- und Steinobst. Kernobst sind solche Früchte, in denen mehrere kleine Kerne wachsen. Äpfel und Birnen gehören hier beispielsweise dazu. Im Steinobst ist ein harter und steinartiger Kern. Kirschen und Pflaumen werden hier zugeordnet. Diesen Unterschied sollte man auch beim Verschneiden im Hinterkopf haben. Natürlich würden die Bäume auch ohne den Mensch gedeihen. Die richtige Schnitttechnik erhöht aber den Fruchtertrag und verhindert, dass der Baum schnell vergreist. Alte Bäume tragen nur wenige Früchte.

 

Mit der richtigen Schnitttechnik lässt sich zudem die Alternanz gering halten. Unter dem Begriff versteht man die zweijährige Schwankung des Fruchtertrags. Gibt es in einem Jahr eine besonders ergiebige Ernte, fällt sie im darauffolgenden Jahr deutlich schwächer aus. Wird der Baum richtig verschnitten, flacht dieser Effekt ab und es gibt in jedem Jahr einen guten Ertrag.

 

Der richtige Zeitpunkt:

Kernobst wie Apfel und Birne kann im Winter geschnitten werden. Im Januar und Februar ist der ideale Zeitpunkt, die Bäume zu bearbeiten. Dann ist wenig Saft in den Ästen und Zweigen, daher lassen sie sich leichter entfernen.

 

Tipp: Unerwünschte Äste und Zweige eines Apfelbaums sollten direkte am Stamm entfernt werden. Schosser lassen sich auch abreisen. Man geht davon aus, dass Risswunden schneller verheilen als Schnittwunden, da hier keine Zellen verletzt werden. Entfernen Sie Früchte an jungen Bäumen. Das entlastet die jungen Zweige und sie brechen nicht weg. Bruchstellen sind Nährboden für Krankheitserreger.

 

Steinobst kann direkt nach der Ernte geschnitten werden. Der Baum hat dann Ruhe, weil er keine Früchte mehr versorgen muss und auch keine Kraft mehr für das Höhenwachstum investiert. Die Bäume können daher schon im Sommer beschnitten werden.

 

Tipp: Bei Kirschen sollte ein fünf bis zehn Zentimeter langer Zapfen am Ast stehen bleiben. Im Herbst trocknet ein Teil davon aus und der Winterfrost nimmt den Rest weg. Würde der Trieb bis zum Ast runtergeschnitten, könnte es durch die offene Stelle bis ins Holz hineingammeln. Das Holz würde faulen und der Baum stirbt ab.

 

Zweige von zwei bis drei Zentimeter Durchmesser lassen sich mit einer Astschere kürzen. Um mehr Kraft mit der Schere zu entwickeln, können sie die Hebelkraft mit einer Verlängerung nutzen. Dickere Äste sollten mit einer Zugsäge gekürzt werden. Dabei entstehen größere Wunden, die mit einem Fungizid bestrichen werden sollten. So wird verhindert, dass Pilze die Wundstellen infizieren. Bei kleineren Wunden kann sich der Baum selbst helfen. Sie heilen ab und bilden einen kleinen Wundkallus.

 

Tipp: Verschneiden Sie die Bäume im Frühjahr zu spät, kann der Baum sprichwörtlich verbluten. Überall im Baum ist Saft, denn die Pflanze treibt im Frühling aus. Wer also zu spät dran ist, sollte lieber ein Jahr warten und dann erst das Gehölz verschneiden.

 

Bäume schneiden

Zwar wachsen auch an Bäumen wie Kastanien, Linden und Eichen Früchte, doch geht es hier beim Baumschnitt nicht um einen gesteigerten Fruchtertrag. Die pflegenden Schnitte sollen die Stand- und Bruchsicherheit stärken und so zur Verkehrssicherheit beitragen. Stadt- und Alleenbäume haben eine Funktion für den Raum, in dem sie stehen. Sie filtern Staub, binden Kohlendioxid, sind Heimat für Brutvögel und beeinflussen das Klima. Doch gerade im urbanen Raum sind sie stressigen Umweltfaktoren ausgesetzt. Verdichtete Böden, Hundeurin und winterliches Streusalz setzen den Gehölzen zu und schwächen sie. Dadurch werden sie auch anfälliger für Baumschädlinge

 

Um solche Gefahren frühzeitig zu erkennen, sollten Fachleute eine Baumkontrolle beziehungsweise ein Baumgutachten durchführen. Anhand dieser Analyse werden mögliche Schäden bewertet und Gegenmaßnahmen eingeleitet. Gerade im öffentlichen Raum sollten Bäume schon in jüngsten Jahren mit Erziehungsschnitten auf ihr späteres Wachstum geprägt werden. So kann man schon auf Kronenhöhe und –form im ausgewachsenen Zustand einwirken. Bedenken Sie, an jungen Bäumen können Schnitte leichter durchgeführt werden und der Baum hat genug Kraft, kleine Wunden heilen zu lassen. Anders sieht es bei älteren Bäumen aus. Gehölze wie Linden, Eiche oder Kastanien werden hunderte Jahre alt. Muss man dick gewachsene Äste entfernen, entstehen große Wunden. Ist der Baum seiner „Kinderstube“ entwachsen, erhalten Pflegeschnitte die Form und helfen, die Vitalität der Pflanze zu sichern.

 

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An Stadt- und Alleenbäume müssen Pflegemaßnahmen durchgeführt werden, damit sie stand- und bruchsicher sind. (Quelle: Gina Sanders - Fotolia)

Wächst ein Baum in den Verkehrsraum, also über eine Straße, einen Gehweg oder Schienen, dann ist ein Lichtraumprofilschnitt von Nöten. Das hineinragende Gehölz wird entfernt, damit es kein Hindernis mehr darstellt. Zwar gibt es explizit keine gesetzliche Vorschrift, die ein Lichtraumprofil über Verkehrswegen festlegt, doch lässt es sich ableiten aus den Vorschriften zur Abmessung von Fahrzeugen und Fahrzeugkombinationen - § 32 StVZO (Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung). Die Höhe und Breite der dort aufgeführten Fahrzeuge sollte im Verkehrsraum frei sein. Auch Lampen und Verkehrsschilder sollten nicht bedeckt sein.

 

Wann und wie Bäume schneiden?

Vorgaben wie ein Baum geschnitten werden soll, gibt es im Regelwerk der „ZGT-Baumpflege“. Die aktuelle Version wurde 2006 veröffentlich und soll im Sommer 2017 durch ein neues Regelwerk ersetzt werden. Die Broschüre ist für 20 Euro über das Online-Portal der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. erhältlich.

 

Wie bei Obstbäumen sollten Konkurrenztriebe des Terminaltriebs entfernt, aneinander scheuernde Äste beseitigt und Totholz herausgenommen werden. Ist die Standsicherheit des Baums gefährdet, kürzt man die Krone ein. Bietet sie dem Wind zu viel Widerstand, kann er bei entsprechender Windstärken umkippen. Notwendige Fällungen von älteren und großen Bäumen sollten erfahrene Baumpfleger durchführen, da sie Risiken beim Umfallen der Gehölze einschätzen können.

 

Tipp: Soll ein Ast entfernt werden, schneidet man ihn zunächst von der unteren Seite her an. Erst danach wird er von oben her abgesägt. So wird verhindert, dass der Ast abbricht und das Holz splittert. Solche Wunden können den Baum nachhaltig schädigen.

 

Auch heutzutage gibt es die Diskussion, zu welcher Jahreszeit es besser ist, einen Baum zu schneiden. Im Winter ist kein Saft im Gehölz und es lässt sich leichter schneiden. Auch sind in der frostigen Jahreszeit keine Pilzsporen unterwegs, die den Baum befallen. Im Sommer hingegen kann der Baum auf Schnittverletzungen sofort reagieren und die Wunde heilen.

Fazit

Bäume können auch ohne Pflege gedeihen, allerdings helfen Baumschnitte dabei. Bei Obstgehölzen sollen Schnittmaßnahmen den Fruchtertrag steigern, bei Straßenbäumen die Stand- und Bruchsicherheit fördern. Bei beiden gilt, je früher eingegriffen wird, desto besser ist es. Mit Astscheren und Sägen sollen solche Baumschnitte durchgeführt werden. Gerade bei Straßen- und Alleebäumen sollten Experten Pflegemaßnahmen durchführen. Laien können verborgene Mängel übersehen, und so ein Gefahrenrisiko für Verkehrsteilnehmer durch herabstürzende Äste entstehen lassen.


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