Baumkontrolle | Baumpflege | Baumkataster | Verkehrssicherungspflicht Bäume | Baumkontrolleur

Baumpflege und Verkehrssicherheit: Was müssen Sie beachten?

„Bäume müssen verkehrssicher sein“, sagt Baumpfleger Sebastian Kühn, Inhaber der Firma Baumpflege Kühn. Wir stellen Ihnen in diesem Text die wichtigsten Vorschriften zum Thema Baumpflege und Verkehrssicherheit vor.

„Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt“, dichtete der libanesische Poet und Philosoph Khalil Gibran Anfang des 20. Jahrhunderts. Jeder Mensch weiß um die Bedeutung der Bäume für unser Klima, fast jeder hat schon einmal fasziniert vor einem jahrhundertealten grünen Riesen innegehalten. Aber Bäume sind nicht nur schön, sie sind auch – wie alles Leben – vergänglich. Im schlimmsten Fall stellen sie wegen ihrer Größe und Masse sogar eine Gefahr dar. Abbrechende Äste können schwere Schäden verursachen, an Menschen und Gegenständen. Wucherndes Grün kann Ampeln oder Verkehrschilder verdecken. Grundstückbesitzer, egal ob Städte, Gemeinden oder Privatpersonen, sind daher zur Pflege ihrer Bäume verpflichtet. „Jeder Baumeigentümer ist für die Verkehrssicherheit verantwortlich“, sagt Sebastian Kühn, Geschäftsführer von „Baumpflege Kühn“ aus Erfurt. Verkehrssicherheit ist gleichbedeutend mit Stand- und Bruchsicherheit.

Der Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung führt sein Unternehmen mit mittlerweile sechs Mitarbeitern seit zehn Jahren. Täglich ist er mit Motorsäge und Hebebühne in Thüringen und den angrenzenden Bundesländern unterwegs, um Bäume zu beschneiden, zu pflegen und zu sanieren. „Komplette Fällungen sind die Ausnahme“, widerlegt er eine verbreitete Annahme über seinen Beruf. „Das Ziel unserer Arbeiten ist stets ein vitaler, gesunder und verkehrssicherer Baum.“

Baum, Baumkrone, Baumstamm, Bäume
Stellt ein Baum eine Gefahr für den Verkehr dar, müssen Maßnahmen vorgenommen werden. (Quelle: © Websi - Pixabay.com)

Was ist die Verkehrssicherungspflicht?

Jeder Grundstücksbesitzer ist dafür verantwortlich, dass von seinem Grundstück keine Gefahr ausgeht. Damit trägt er die Verkehrssicherungspflicht. Klare Regelungen in den deutschen Gesetzen, wie Baumkontrollen durchzuführen sind, gibt es nicht. Auch das Wort „Verkehrssicherungspflicht“ ist juristisch nicht klar definiert. Die Anforderungen ergeben sich erst aus verschiedenen Gerichtsurteilen. Entsteht ein Personen- oder Sachschaden durch einen Baum, dann prüft die Staatsanwaltschaft, ob ein Verschulden des Eigentümers oder des Verkehrssicherungspflichtigen vorliegt, zum Beispiel grobe Fahrlässigkeit. Das bedeutet im Umkehrschluss: Als Grundstücksbesitzer sind Sie verpflichtet, Ihre Bäume regelmäßig auf Schäden zu überprüfen. Als Privatperson werden Sie das in der Regel mit einer einfachen Sichtkontrolle machen. In größeren Städten sind dafür professionelle Kontrolleure zuständig. Kein Wunder: Allein in Düsseldorf, einer Stadt mit knapp 600.000 Einwohnern, gibt es rund 69.000 Straßenbäume. 12 sogenannte Pflegebezirkleiter sind dort täglich bei der Begutachtung des Baumbestandes im Einsatz (Baumpflege und Verkehrssicherheit: PDF-Download - 1,44 MB).

Wo finde ich Richtlinien für die Baumkontrolle? 

Auch Sebastian Kühn ist mit seinen Mitarbeitern häufig im Auftrag von Städten und Gemeinden unterwegs, um Ampeln, Laternen oder Fassaden freizuschneiden, um bruchgefährdete und lose Äste zu entfernen. „In der Regel ist es mit einem fachgerechten Rückschnitt des Baumes getan“, berichtet Kühn. Die Regeln für Baumkontrollen legt die Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) fest. Die von ihr herausgegebenen „Richtlinien für Regelkontrollen zur Überprüfung der Verkehrssicherheit von Bäumen“ gelten als verbindliches Regelwerk (hier können Sie das Buch bestellen). Die Baumkontrollrichtlinien gelten für alle Bäume, die aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht kontrolliert werden müssen und richten sich an Kommunen, kommunale Gebietskörperschaften und andere Baumeigentümer, Sachverständige, Baumpfleger, Ausführungsbetriebe, und Landschaftsarchitekten. Die Broschüre informiert über die wesentlichen Grundlagen des Themas wie Rechtsprechung, Grundlagen zum „Lebewesen Baum“ und gibt Hinweise und Empfehlungen zur Regelkontrolle (Art, Umfang, Ablauf, Maßnahmen, Häufigkeit für Regel- und Sonderfälle). „Die Baumkontrollrichtlinien dürfen nur durch zertifizierte Baumfachleute durchgeführt werden“, betont Sebastian Kühn. Wenn Sie auf Ihrem Grundstück selber Hand an den Baum legen und durch die unfachmännische Arbeit ein Schaden – etwa ein beschädigter Pkw – entsteht, könnten Sie unter Umständen juristisch haftbar gemacht werden.

Allee, Straße, Bäume, Baum
Jeder Baum sollte die richtige Pflege erfahren. (Quelle: © LoboStudioHamburg - Pixabay.com)

Wie wird ein Baum gepflegt?

Die fachlich korrekte Pflege von Bäumen setzt fundierte Kenntnisse voraus. Neben einer ganzen Reihe von Fachbüchern bündelt diese die „ZTV-Baumpflege“, die ebenfalls von der FLL herausgegeben wird. Zu den wichtigsten Schnittmaßnahmen an Bäumen zählt der Kronenschnitt. Primäres Ziel eines Kronenschnittes ist die Erhaltung eines arttypischen Erscheinungsbildes des Baumes. Bei der Sicherung ausbruchgefährdeter Äste stellt der Einbau einer Kronensicherung in Form von Seilverbindungen eine baumschonende Alternative zum Einkürzen dar. Wenn jedoch Schnittmaßnahmen unumgänglich sind, sollten nur Schwach- und Grobäste bis zu einem maximalen Durchmesser von zehn Zentimeter eingekürzt werden. Die Entfernung von Totholz, eine moderate Kronenauslichtung zählen ebenso wie die Entfernung von Stamm- und  Stockaustrieben zu den pfleglichen Maßnahmen. Durch den Kronensicherungsschnitt, bei dem die gesamte Krone des Baumes im Grob- und Starkastbereich abgesetzt wird, wird das Erscheinungsbild des Baumes dagegen erheblich beeinträchtigt und die Gefahr der Fäulnis vergrößert. Manchmal ist das aus Gründen der Verkehrssicherheit (Gefahr im Verzug) jedoch notwendig. Zu den weiteren baumerhaltenden Maßnahmen gehört beispielsweise auch die Wurzelbehandlung.

Muss jeder Baum erhalten werden?

Bäume abseits von öffentlichen Straßen oder anderen Bereichen ohne öffentlichen Verkehr können theoretisch erhalten bleiben, bis sie absterben und verfallen. Im städtischen Bereich ist das anders. Hier müssen Bäume an Straßen, Plätzen oder in Parkanlagen verkehrssicher sein. Der Entscheidung, ob ein stärker geschädigter Baum noch erhaltenswert ist oder nicht, muss genau abgewogen werden. Folgende Fragen sind dafür wichtig.

  1. Kann Verkehrssicherheit des geschädigten Baumes wieder hergestellt werden?
  2. Um was für einen Baum handelt es sich?
  3. Erfüllt der Baum an seinem Standort besondere herausragende Funktionen?
  4. Lässt die Lebenstüchtigkeit des Baumes erwarten, dass er nach den Pflegemaßnahmen noch über eine längere Reststandzeit verfügt?
  5. Sind die für den Erhalt des Baumes notwendigen finanziellen Aufwendungen vertretbar und ist der Baumeigentümer bereit, diese zu tragen?

Wahrscheinlich sind Sie als Laie nicht in der Lage, alle diese Fragen fundiert zu beantworten,

geschweige denn die Pflegemaßnahmen durchzuführen. In einem solchen Fall ist es immer ratsam, einen fachkundigen Experten zu Rate zu ziehen – wie Sebastian Kühn von Baumpflege Kühn. Denn Schäden durch Bäume können teuer und gefährlich sein. Auch bei der Baumpflege gilt: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Sonst könnten aus den „Gedichten, die die Erde in den Himmel schreibt“ rasch teuflische Verse werden.


DIESEN BEITRAG: KommentierenDrucken
Bewerten:
Empfehlen:

Mehr von Thomas Fritz
Profilbild von Thomas Fritz

Thomas Fritz (Jg. 1982) ist ein freier Journalist aus Leipzig, der seit 2010 in der Branche tätig ist und bundesweite Auftraggeber hat. Nicht die tagesaktuelle Berichterstattung, sondern gut recherchierte Hintergrundberichte, Porträts und Reportagen sind sein ...


Kommentar schreiben

Sicherheitscode