Baum fällen | Privatgrundstück | wann darf man | Genehmigung mit/ohne | Zeitraum

Wann darf man Baum fällen auf Privatgrundstück - mit/ohne Genehmigung & Zeitraum?

| Steffen Gottschling
Bild zum Artikel: Baum fällen | Privatgrundstück | wann darf man | Genehmigung mit/ohne | Zeitraum
(Quelle: dieter76 - Fotolia)

In Deutschland gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene Zeit, in der es gestattet ist, einen Baum zu fällen. Gleiches gilt fürs "Auf den Stock setzen" von Hecken und Sträuchern. Hier sehen Sie die Fristen aller Bundesländer und Infos zum Holzfällen.

Wer einen Baum fällen will, kann dem Gehölz nicht einfach mit einer Axt zu „Leibe“ gehen. Wer so unbedarft handelt, gefährdet sich und andere, und riskiert zudem hohe Geldbußen. In Deutschland ist gesetzlich vorgeschrieben, wann und ob Bäume gefällt werden dürfen.

Baum fällen mit/ohne Genehmigung: Diese Gesetze müssen beachtet werden

Wenn es um das Thema Holzfällen geht, sind naturschutzrechtliche Belange zu beachten. Die sind auf drei Ebenen in Deutschland geregelt: Auf der Bundesebene gibt es das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG), auf der Länderebene die jeweiligen Landesnaturschutzgesetze und auf lokaler beziehungsweise regionaler Ebene die jeweiligen Verordnungen der Kommunen oder Landkreise.

An oberster Stelle steht das Bundesnaturschutzgesetz, welches zuletzt am 29. Juli 2009 novelliert wurde und am 1. März 2010 in Kraft trat. Dort steht, wann man hierzulande einen Baum nicht fällen darf.

Im § 39 BNatSchG heißt es:

Es ist verboten, Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen...


Das heißt, dass zwischen dem 1. Oktober und dem letzten Tag des Februars Bäume gefällt werden dürfen. Gründe dafür ergeben sich aus dem Artenschutz. So sollen unter anderem Vögel während ihrer Brut geschützt werden. Es gibt allerdings Ausnahmen, die Fällungen auch in der eigentlichen Schonzeit zulassen.

  • Baumaßnahmen (wenn gefällt werden muss)

  • behördlich angeordneten Maßnahmen (z. B. bei Schädlingsbefall)

  • behördlich durchgeführte oder

  • behördlich zugelasse Maßnahmen

  • öffentliches Interesse

  • Verkehrssicherheit


Gerade beim letzten Punkt lassen sich Risiken durch eine professionelle Baumpflege senken. Übrigens, die Vorschriften gelten auch bei Sträuchern und Hecken. Hier spricht man von "auf den Stock setzen".

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Auch bei Hecken und Sträuchern, die auf den Stock gesetzt werden, gelten gesetzlich vorgeschriebene Schonzeiten. (Quelle: fotolismthai - Fotolia)

Durch das Bundesnaturschutzgesetz sind die einzelnen Bundesländer ermächtigt, ihre je eigenen Landesnaturschutzgesetze zu erlassen. Darin finden sich länderspezifische Ergänzungen, die auf regionale Gegebenheiten Rücksicht nehmen und damit verbundene Ziele des Naturschutzes formulieren.

So können schon dort Baumarten genannt werden, die in der Region unter besonderem Schutz stehen und nicht gefällt werden dürfen. Hier haben wir alle Naturschutzgesetze der Bundesländer aufgelistet:

BundeslandLandes-Naturschutzgesetz
Baden-WürttembergGesetz des Landes Baden-Württemberg zum Schutz der Natur und zur Pflege der Landschaft
BayernGesetz über den Schutz der Natur, die Pflege der Landschaft und die Erholung in der freien Natur
BerlinGesetz über Naturschutz und Landschaftspflege von Berlin
BrandenburgGesetz über den Naturschutz und die Landschaftspflege im Land Brandenburg
BremenGesetz über Naturschutz und Landschaftspflege
HamburgHamburgisches Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege
HessenGesetz zur Neuregelung des Rechts des Naturschutzes und der Landschaftspflege
Mecklenburg-VorpommernGesetz des Landes Mecklenburg-Vorpommern zur Ausführung des Bundesnaturschutzgesetzes
NiedersachsenNiedersächsisches Ausführungsgesetz zum Bundesnaturschutzgesetz
Nordrhein-WestfalenGesetz zum Schutz der Natur in Nordrhein-Westfalen
Rheinland-PfalzLandesnaturschutzgesetz
SaarlandGesetz zum Schutz der Natur und Heimat im Saarland
SachsenSächsisches Naturschutzgesetz
Sachsen-AnhaltNaturschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt
Schleswig-HolsteinGesetz zum Schutz der Natur
ThüringenThüringer Gesetz für Natur und Landschaft

Neben diesen regionalen Gesetzen gibt es noch lokale Vorschriften. Kommunale Baumschutzsatzungen beinhalten ortsspezifische Besonderheiten. So kann dort festgehalten sein, ab welchem Stammumfang ein Baum nicht gefällt werden darf oder welche Baumart generell in der Kommune oder im Landkreis geschützt ist. Es ist den Kommunen und Landkreisen jedoch selber überlassen, ob sie eine solche Verordnung für sich erlassen.

Die Vorschriften können in den unteren Naturschutzbehörden eingesehen werden, in der Regel sind dies die lokalen Naturschutzämter. In den Landesnaturschutzgesetzen sind mögliche Bußgelder festgeschrieben, die durch die Behörden vollstreckt werden können. In Thüringen können beispielsweise Bußgelder bis 50.000 Euro bei Verstößen gegen die Vorschriften geahndet werden.

Baumschutzsatzung beachten

Die kommunale Baumschatzsatzung kann regeln, ob eine Baumfällung vorher behördlich genehmigt werden muss. Schauen Sie deswegen unbedingt in diese Satzung und informieren sich über mögliche Schutzvorschriften.

Es braucht beispielsweise grundsätzlich vorab eine Fällgenehmigung, wenn Bäume eine bestimmte Größe erreicht haben. Die entsprechenden Größen und Stammumfänge sind in den Baumschutzsatzungen der Kommunen und Landkreise definiert.

Aktuell (Stand Januar 2017) gibt es eine neuerliche Diskussion um das Bundesnaturschutzgesetz. Der Entwurf wurde teils heftig kritisiert von Naturschutzverbänden wie dem NABU (Naturschutzbund Deutschland).

Schonzeiten, Baumfällen
Schonzeiten für Bäume in Deutschland. Zu diesen Zeiten dürfen Bäume nicht gefällt werden. Es gibt jedoch gesetzliche Ausnahmen. (Quelle: eigene Darstellung)

Wann ist Baumfäll-Saison?

Wie bereits erwähnt gilt ein bundesweites Fällverbot vom 1. März bis zum 30. September (§ 39 BNatSchG). Allerdings gilt dieses Fällverbort nicht für "Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen".

Wenn Sie also einen Baum in Ihrem Garten fällen wollen, dann finden die Vorschriften des § 39 BNatSchG für Sie keine Anwendung.

Baum fällen im Kleingarten

Auf "gärtnerisch genutzten Grundstücken" ist eine Fällung zwar im Sommer seitens des Gesetzgebers nicht ausgeschlossen, jedoch werden häufig von behördlicher Seite aus Artenschutzgründen auch dort die Fällungen im Regelfall auf das Winterhalbjahr beschränkt. (Antwort auf basenio-Nachfrage im Naturschutzamt der Stadtverwaltung Erfurt)

Der private Kleingärtner muss die Vorschriften der Landesnaturschutzgesetze, der kommunalen Satzungen und wenn vorhanden auch die Kleingarten-Satzung beachten. Gleiches gilt für Grundstücksbesitzer. Es kann durchaus möglich sein, dass diese Vorschriften auch einer Fällung auf einem Privatgrundstück entgegenstehen. Grundsätzlich gilt ein Verbot, wenn im Baum wildlebende Tierarten leben.

Neben der gesetzlichen Einschränkung der Fällsaison gibt es auch ganz praktische Gründe, Bäume in der kalten Jahreszeit zu fällen. Im Normalfall fließt weniger Wasser in den Adern der Gehölze, da die Wachstumsperiode ausgesetzt ist. Das geschlagene Holz ist also trockener und könnte so schneller als Brennholz verwendet werden.

Bei großen Bäumen braucht es oft auch schweres Gerät. Ist der Boden gefroren, lässt es sich leichter transportieren und schädigt dabei das Erdreich deutlich weniger. Experten wissen zudem, dass vor einer Fällung der Baum genau betrachtet werden muss. Unregelmäßiger Wuchs oder tote Äste können zur Gefahr werden, wenn das Gehölz gefällt werden soll. Da Laubbäume im Winter ihre Blätter verlieren, lässt sich die Krone in dieser Zeit leichter begutachten.

Baumfällung planen

Starke Eingriffe an Bäumen sollte vorab geplant werden und möglichst in der Fällsaison. Außerhalb dieser Zeit braucht es oft Expertisen und Genehmigungen von Behörden, die kosten- und zeitintensiv sind.

Baum fällen: Experten kennen Gefahrenquellen

Was einfach klingt, ist eben nicht immer einfach. Professionelle Baumpfleger haben es nicht selten mit schweren Fällen zu tun. Steht ein Baum unter Spannung muss zunächst ein Entlastungschnitt und dann der Trennschnitt durchgeführt werden. Zug- und Druckseite erkennt das geschulte Auge und kann entsprechende Maßnahmen einleiten.

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Je höher der Baum, desto gefährlicher kann es für Menschen und Objekte in der unmittelbaren Umgebung werden. Hier empfehlen wir, sich vorsorglich mit Experten über eine mögliche Fällung zu verständigen. Baum ist nicht gleich Baum. Jedes Gehölz hat seine Eigenschaft, die bei der Fällung beachtet werden sollte.

Eichen und Fichten haben lange Fasern und damit ein anderes „Fallverhalten als Bäume mit kurzen Fasern. Auch können mögliche Faulstellen das Fallverhalten des Baums beeinflussen und so ein gefährliches Szenario verursachen. Kippt der Baum unkontrolliert um, sind Menschen, Häuser, Autos oder andere Objekte in Gefahr.

Sicherheit: Schutzkleidung tragen

Wer eine Kettensäge bedient, sollte unbedingt Schutzkleidung tragen. Hör- und Gesichtsschutz sind der Mindestandard. Kettensägen haben durchschnittlich 110 Dezibel (dB). Bei solch einer Lautstärke ist ein Gehörschutz mit einem SNR-Wert über 20 ratsam.

Professionellen Hör- und Gesichtsschutz gibt es vom deutschen Hersteller Fuxtec.


Zusammenfassung

In Deutschland regelt das Bundesnaturschutzgesetz, dass Baumfällungen nur zwischen dem 1. Oktober und dem letzten Tag im Februar erlaubt sind. Für private Kleingärtner und Eigenheimbesitzer gelten diese Vorschriften jedoch nur bedingt. Fallen Grundstücke unter die Ausnahmen des § 39 BNatSchG und stehen auch keine Vorschriften der Landesnaturschutzgesetze und Baumschutzsatzungen entgegen, dürfen dort auch im eigentlichen Verbotszeitraum Bäume gefällt werden.

Wenn man einen Baum oder eine Hecke im Verbotszeitraum fällen oder roden will, ist immer eine Ausnahmegenehmigung notwendig. Diese kann gegebenenfalls gemeinsam mit dem Baumfällantrag beantragt werden oder aber formlos separat. Wer ordnungswidrig einen Baum fällt, kann durch die unteren Naturschutzbehörden mit einer Geldbuße belegt werden.


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Profilbild von Steffen Gottschling

Steffen Gottschling (Jg. 1978) lebt und arbeitet in Erfurt. Seit 2012 ist er in der Medienbranche tätig. Hier sammelte er Erfahrungen in der Redaktion von Radio F.R.E.I. und arbeitete als Journalist in der Online-Redaktion der Thüringer Allgemeine. Für ...


Kommentare

Überschrift in der Tabelle falsch: Nicht Fällzeit sondern Schonzeit oder Daten umdrehen!

Sehr geehrter Herr Liedtke,

Sie haben Recht. Danke für den Hinweis, wir haben es geändert.

Mit freundlichen GrĂĽĂźen

Steffen Gottschling
basenio.de

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