Senioren WG | Senioren Wohngemeinschaft

Welche Vorteile bringen Senioren WG´s (Wohngemeinschaften)?

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WG`s bzw. Wohngemeinschaften werden bei Senioren immer beliebter. In diesem Beitrag hat Thomas Fritz für Sie zu diesem Thema recherchiert und Wissenswertes zur Senioren WG zusammengetragen.

Wer den Begriff WG hört, denkt vielleicht zuerst an unaufgeräumte Zimmer, endlose Debatten am Küchentisch oder wilde Studentenpartys. Dabei sind Wohngemeinschaften nicht nur für junge Menschen attraktiv, auch für Senioren gewinnen alternative Wohnformen an Bedeutung. Aufgrund des demografischen Wandels steigt wird der Bedarf an Betreuungsplätzen in Pflegeheimen weiter ansteigen. Weil es jedoch einen Mangel an gut ausgebildetem Pflegepersonal gibt und viele Heime wegen Missständen immer wieder negativ in die Schlagzeilen geraten, wächst der Zuspruch für Senioren-WGs weiter an. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes Forsa können sich immerhin 18 Prozent der über 60-Jährigen vorstellen, in einer Wohngemeinschaft zu leben. Selbstbestimmt und in einer vertrauten Umgebung. „Neue Wohnformen, unter anderem Senioren-Wohngemeinschaften sowie Pflege-Wohn-Gemeinschaften, bieten die Möglichkeit, zusammen mit Frauen und Männern in derselben Lebenssituation zu leben und Unterstützung zu erhalten – ohne auf Privatsphäre und Eigenständigkeit zu verzichten“, werden im Internetauftritt des Bundesfamilienministeriums die Vorzüge beschrieben.

Früherer SPD-Politiker lebt in Senioren-WG

Einer der bekanntesten Befürworter solcher Wohnformen ist Henning Scherf, ehemaliger Bürgermeister der Freien Hansestadt Bremen. In seinem Buch „Grau ist bunt. Was im Alter möglich ist“ (ISBN 978-3-451-28593-6) setzt sich der SPD-Politiker dafür ein, das Alter mehr als Chance denn als Last zu verstehen. „Eine Alternative zum alleine Wohnen habe ich mit zehn Freunden für meine Frau und mich im Jahr 1987 gefunden. Wir wohnen mit unseren Freunden unter einem Dach, mitten in der Bremer Innenstadt“, berichtet Scherf, der mittlerweile 75 Jahre alt ist. „Wir wollen Platz für Kinder, Enkelkinder und Freunde haben. Alle rücken zusammen, wenn Familienfeste, Ostern und Weihnachten anstehen. Meine Enkelkinder fühlen sich hier pudelwohl. Wir frühstücken regelmäßig jeden Sonnabendmorgen zusammen. Dazu laden wir uns der Reihe nach gegenseitig ein, und wenn Gäste im Haus sind, kommen die natürlich dazu“, schwärmt Scherf. Man sei zu einer Art Wahlfamilie zusammengewachsen.

Hilfe von Angehörigen und Freunden

Gemeinsame Essenszubereitung und Mahlzeiten, Ausflüge, Urlaube, ein helfendes Gespräche, wenn etwas belastet, Unterstützung im Haushalt oder im Garten: Die Vorteile einer Wohngemeinschaft liegen auf der Hand. Sie ist die beste Garantie gegen das Alleinsein. Aber auch die Hilfe Dritter ist immens wichtig. „Um solche familienähnlichen Projekte möglich zu machen, braucht es eine Mischung von hauptamtlicher professioneller Unterstützung, freiwilliger Hilfe der Angehörigen und Freunde und eine wenn auch noch so geringe Selbsthilfe“, sagt Henning Scherf.
Das funktioniert auch deswegen so gut, weil sein Haus auf die Bedürfnisse von Senioren zugeschnitten ist: Der Gemeinschaftshaushalt wurde seit Anfang der Planungen auf das Wohnen im Alter ausgerichtet. Dazu zählen beispielsweise die rollstuhlgerechte Bauweise sowie spezielle Fahrstuhlvorrichtungen. Weil größere Wohnungen im Vergleich zu kleinen, was den Preis pro Quadtratmeter betrifft, im Durchschnitt oft billiger sind, kann eine WG auch eine Erleichterung fürs Portemonnaie sein. Im diesem dreiminütigem Film der Caritas können Sie Vorzüge einer betreuten Senioren-WG sehen.
 

Wie es in einer Studenten-WG der Fall ist, gibt es natürlich auch bei Senioren-Wohngemeinschaften einige Dinge, auf die Sie sich einstellen müssen. Wer es viele Jahre gewohnt war, nur mit dem Ehe- oder Lebenspartner zu zweit in einer Wohnung zu leben, für den kann das Zusammenleben mit vielen Menschen am Anfang möglicherweise eine große Umstellung sein. Hier ist gegenseitige Rücksichtnahme unverzichtbar und sind Kompromisse manchmal unumgänglich. Menschen, die mehr Privatsphäre benötigen, können sich selbstverständlich jederzeit in das eigene Zimmer oder die eigene Wohnung – wie im Fall Henning Scherfs – zurückziehen. Ein häufiger Streitfall in WGs sind Ordnung und Sauberkeit. Auch hier müssen die Mitbewohner in den Gemeinschaftsräumen eine gemeinsame Linie finden. Wenn Mitbewohner auf Pflege angewiesen sind, können die Pflegekräfte möglicherweise bei diesen Dingen helfen. Notfalls kann eine Putzfrau die nötigsten Arbeiten übernehmen.

Fazit

Für viele ältere Menschen werden Senioren-Wohngemeinschaften immer attraktiver. Der größte Vorteil ist die gemeinsam verbrachte Zeit in der Gemeinschaft. Man lebt nicht allein, kann sich aber jederzeit ins Private zurückziehen. Wie in allen Wohngemeinschaften sind Kompromisse und ein gewisses Verständnis für Eigenarten seiner Mitmenschen erforderlich. Letztlich scheint eine Senioren-WG eine lebenswerte und moderne Wohnform im Alter zu sein, die in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird.


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Thomas Fritz (Jg. 1982) ist ein freier Journalist aus Leipzig, der seit 2010 in der Branche tätig ist und bundesweite Auftraggeber hat. Nicht die tagesaktuelle Berichterstattung, sondern gut recherchierte Hintergrundberichte, Porträts und Reportagen sind sein ...


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