Hohe Betten für Senioren | seniorengerechte | altersgerechte | Ratgeber

Hohe Betten für Senioren: Ratgeber & Tipps für seniorengerechte bzw. altersgerechte Betten

| Steffen Gottschling
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(Quelle: © Rido - Fotolia)

Hohe Betten haben einige Vorzüge für Senioren. Doch damit das Bett auch wirklich senioren- beziehungsweise altersgerecht ist, müssen auch Matratze, Bettzeug und Co. den Bedürfnissen älterer Menschen entsprechen. Ein Experte gibt Tipps.

„Wie man sich bettet, so liegt man“. In diesem Sprichwort steckt viel Wahres. Bettenhändler wissen aus Erfahrung zu berichten, dass ältere Menschen gerne nach hohen Bettgestellen suchen. Bei einer Höhe ab 48 Zentimeter sind Ein- und Ausstieg weniger anstrengend, ein Vorzug den Senioren schätzen. Einige Vertreter der Branche haben auf diese besonderen Wünsche reagiert und deklarieren solche hohen Bettgestelle als „Seniorenbetten“ oder Komfortbetten.

Doch nicht nur das Bettgestell macht ein ideales Bett für Senioren aus, auch bei Lattenrost, Matratze und Bettzeug gibt es Angebote, die den speziellen Ansprüchen älterer Menschen entgegenkommen. Basenio.de hat sich bei Michael Machts, einem Experten in Sachen Betten, nach solchen Angeboten erkundigt. Er ist Geschäftsführer bei „geborgenschlafen“. Das familiengeführte Unternehmen aus Thüringen stellt Massivholzbetten aus rein natürlichen Materialien her.

Inhalt dieses Betten-Ratgebers:


Hoher Ein- & Ausstieg bei Seniorenbetten

Ein hoher Ein- und Ausstieg macht es in der Tat einfacher, ins beziehungsweise aus dem Bett zu gelangen. Man muss weniger Kraft aufwenden, um aufzustehen oder sich hinzulegen. „Solche Komforthöhen beginnen bei Bettgestellen ab 48 Zentimeter“, erklärt Michael Machts. Kommt dann noch eine entsprechend hohe Matratze dazu, ist die Ein- beziehungsweise Ausstiegshöhe bei über einem halben Meter.

Wer Probleme hat, sich aus der liegenden Position hochzuziehen, der kann nachträglich spezielle Aufziehhilfen ans Bett bauen. Hier gibt es unterschiedliche Systeme. Etabliert sind Bettgriffe, die in der Regel unter der Matratze am Lattenrost befestigt werden und sogenannte Bettgalgen, bei denen der Haltegriff über dem Bett herunterhängt.

 

Tipp: Traglast bei Aufziehhilfen beachten

Aufziehhilfen haben Belastungsgrenzen. Erkundigen Sie sich daher, wie viele Kilogramm die Systeme halten können.

Bettkonzept nach Schlafgewohnheiten ausrichten

Für den erholsamen und gesunden Schlaf braucht es jedoch mehr als ein hohes Bett. Im Schlaf soll sich der Körper von den Belastungen regenerieren, denen er tagsüber standhalten muss. Das betrifft auch die Wirbelsäule, die unter der Last des Körpers leicht zusammengedrückt wird. "Dabei wird die nährstoffarme Flüssigkeit aus den Bandscheiben gepresst. Über eine sogenannte Diffusion nehmen die Bandscheiben frisches, mit Nährstoffen angereichertes Gewebswasser, in der nächtlichen Regenerationsphase wieder auf, um für den Folgetag gestärkt zu sein", erklärt Michael Machts.

Das wirkt sich auch auf die Körpergröße aus, weiß der Experte. „Nach dem Aufstehen ist man etwas größer als beim Zubettgehen.“ Der Grund: Die Bandscheiben saugen sich im Schlaf wieder voll und drücken die umliegenden Wirbelkörper auseinander. In der Konsequenz gewinnt man über Nacht wieder etwas an Größe hinzu.

Doch damit das gelingt, muss man richtig im Bett liegen. „Die Wirbelsäule muss möglichst gerade liegen“, erklärt Michael Machts. Ist sie geknickt, sind auch die Kanäle abgeknickt, durch die die Körperflüssigkeiten laufen. So ist der Fluss behindert und der Körper kann sich nur unzureichend erholen.

Matratze, Lattenrost und Bettzeug müssen also so beschaffen beziehungsweise eingestellt sein, dass sie die Wirbelsäule in gerader Position halten. Dabei müssen immer auch gesundheitliche Beschwerden und Schlafgewohnheiten berücksichtigt werden. Seitenschläfer brauchen andere Kissen und Matratzen als Bauchschläfer und Rückenschläfer.

Im folgenden Video erklärt die Schlafberaterin Tanja Dressel-Marquart, was ein gutes Kopfkissen ausmacht.

Youtube Video

Die richtige Matratze für ältere Menschen

Vorweg sei gesagt, dass es nicht die richtige Matratze für alle Senioren gibt. Es kommt immer auf den Einzelfall an. Größere und schwerere Menschen benötigen andere Unterlagen als kleine und leichte. Auch die bevorzugte Schlafhaltung ist wichtig. Stiftung Warentest hat in ihrem 2019 erschienenen Matratzen-Test einige grundsätzliche Empfehlungen abgegeben. So heißt es dort: „Die Matratze muss in der Lage sein, den Körper des Menschen in den unterschiedlichsten Liegepositionen gut abzustützen – sowohl in der Seiten- als auch in der Rückenlage.“ Dafür braucht es eine Matratze, die in mehreren Zonen aufgebaut ist. Der Bereich in der Schulter muss mehr nachgeben als der im Rumpf.

Schläft jemand auf dem Rücken, soll die Matratze die „leicht gestreckte Form der Doppel-S-Form der Wirbelsäule gewährleisten“. Schläft man auf der Seite, müssen die Matratzen-Zonen in Schulter- und Beckenbereich so nachgeben, dass die Wirbelsäule gerade liegt. Die Härte der Matratze ist laut den Testern kein Kriterium für ihre „Abstützeigenschaften“. Ihren Eindrücken nach können weiche und harte Matratzen gute Liegeeigenschaften vorweisen.

 

Einen ganz anderen Tipp hat Michael Machts dazu. Das Material der Matratze lässt schon einiges über Komfort und Qualität erahnen. Von Polyurethan-Matratzen (PU-Schaum) hält er wenig. „Es dauert nicht lange und das Material gibt dauerhaft nach. Dann bildet sich eine Kuhle, in der man liegt“, verrät er. Mit einer geraden Liegeposition ist es dann vorbei.

Auch hinsichtlich der Feuchtigkeitsaufnahme sind solche Matratzen seiner Meinung nach nicht zu empfehlen. Schweiß ist dabei nur ein Problem. Bei Inkontinenz lassen sich solche aufgefüllte Matratzen nur ungenügend reinigen. „Die können dann nur noch als ‚Sondermüll‘ entsorgt werden.“ Allerdings gibt es waschbare Bettunterlagen, die solche Ausscheidungen geruchsneutral aufnehmen.

Michael Machts rät zu Naturlatex als Matratzenmaterial. Es ist das gleiche beständige Material wie in Flugzeugreifen. Es kommt nach Belastungen immer wieder in den Ausgangszustand zurück. Dieser Effekt bleibt über viele Jahre erhalten. „Nach zehn Jahren sollte man sie aber wechseln“, erklärt er. Das ist ein langer Zeitraum im Vergleich zur „Lebensdauer“ einer mit PU-Schaum gefüllten Matratze. Die sollte alle zwei Jahre ausgetauscht werden.

In Sachen Hygiene ist Schafschurwolle sehr empfehlenswert. Das natürliche Material ist selbstreinigend, antibakteriell und geruchsneutralisierend über einen langen Zeitraum hinweg. Es muss nicht gewaschen werden. Es genügt, dass die Matratze tagsüber ausgelüftet wird.

Tipp: Matratzen aus Naturlatex oder Schafschurwolle

Naturlatex und Schafschurwolle sind ökologische Produkte und eignen sich sehr gut für Matratzen. Naturlatex ist besonders widerstandsfähig und Schafschurwolle ist selbstreinigend.

Bettgröße und Lattenrost für das ideale Seniorenbett

Die Länge und Breite der Liegefläche sollten von der Körpergröße abhängig gemacht werden. Naturgemäß ist das Bett dann etwas größer als der darin Liegende. Michael Machts gibt einige Annäherungswerte:

KörperlängeLänge Bett-Liegefläche
180 cm200 cm
über 180 cm bis 190 cm210 cm
über 190220 cm


Das Seniorenbett sollte auch ausreichend Platz in die Breite haben. Zwischen 120 und 140 Zentimetern rät Michael Machts. Hier geht es auch darum, dass man nicht herausrollt. Bei hohen Betten besteht die Gefahr von ernsthaften Verletzungen, wenn man aus ihnen hinausfällt.

Bei den Lattenrosten haben sich elektrisierte Varianten als praktikabel erwiesen. Auf Knopfdruck können einzelne Zonen so eingestellt werden, dass man sich leichter aufrichten kann. Moderne Systeme haben einen Bowdenzug, der über einen schmalen Motor in Betrieb gesetzt wird. Einige Hersteller bieten sogar spezielle Hubsysteme an, mit denen sich der komplette Lattenrost anheben lässt.

Doch der technische Komfort hat auch seine Schattenseiten. Die Auswirkungen von Elektrosmog werden in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Wer sicher gehen möchte, der kann einen elektrischen Lattenrost mit Netzfreischalter wählen. Durch den werden die elektrischen Teile komplett vom Stromkreis abgetrennt, wodurch Elektrosmog minimiert wird.

Einen Tipp hat Michael Machts noch für Senioren: Einige Hersteller bieten Lattenroste mit LED-Beleuchtungen an. „Die sind praktisch für diejenigen, die in der Nacht öfter aufstehen müssen.“ Per Fernbedienung kann die Beleuchtung am Lattenrost dezent eingeschaltet werden, ohne dass der Partner wach wird.

 

Tipp: Lattenrost einstellen

Wie Rückenschläfer, Seitenschläfer und Bauchschläfer den Lattenrost einstellen sollen, zeigen wir in unserem Ratgeber-Beitrag „Lattenrost richtig einstellen“.

In allergenfreiem Bettzeug schlafen

Spezielles Bettzeug für Senioren gibt es nicht. Was sollte auch an Kissen- und Deckenbezug anders sein als bei jungen Menschen? Letztlich ist die Wahl der Bettwäsche Geschmackssache. Bei Bettlägerigen sollte jedoch solch ein Bettbezug genommen werden, der sich leicht waschen lässt. Bettauflagen und Pflegeoveralls können zusätzlich zur Betthygiene beitragen.

Michael Machts hat jedoch einen generellen Tipp in Sachen Bettzeug. Verstopfte Nasen, unruhiger Schlaf oder ein gerädertes Gefühl am Morgen, all das können Anzeichen von Allergien sein. „Verbraucher sollten daher auf allergenfreie Bettwäsche zurückgreifen“, rät der Geschäftsführer der Geborgenschlafen GmbH. Wer unter Allergien leidet, der kann im Fachhandel nach Materialproben für Betten, Matratzen und Bezüge fragen. Die legt man sich für zwei bis drei Tage neben das Kissen und kann so herausbekommen, ob sie eine Reaktion auslösen.

 

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Auch das Bettzeug hat einen Einfluss auf unseren Schlaf. Der Experte empfiehlt allergenfreie Bettbezüge. (Quelle: pikselstock - Fotolia)

 


Insbesondere Milben können zu einem echten Problem für Allergiker werden. Der über Nacht abgesonderte Schweiß zieht in Bettwäsche und Matratze ein und bildet dort ein nahrhaftes Milieu für die kleinen Spinnentiere. Deren Kot und Eier können dann Allergien auslösen. Die lassen sich zwar behandeln, doch können mit entsprechenden Maßnahmen solche Reaktionen präventiv verhindert werden. Dafür sollte nicht nur die entsprechende Bettwäsche gewählt werden, sondern auch das Raumklima im Schlafzimmer muss stimmen. Regelmäßig lüften und ein kühles, trockenes Raumklima mögen die Milben überhaupt nicht.

Und einen kleinen Tipp hat Michael Machts hier auch parat: „Ein gemachtes Bett mit einer ausgebreiteten Bettdecke mag zwar schön aussehen, ist aber nicht gut. Lieber die Bettdecke nach dem Auslüften zusammenlegen und danach nur über das Fußteil des Betts legen. Die Matratze kann so besser entlüften und Feuchtigkeit an die Luft abgeben.“ So gibt es nur wenig „Angriffsfläche“ für Milben.

Tipp: Krankenkasse fragen

Krankenkassen können Kosten für allergenfreies Bettzeug übernehmen. Allerdings gibt es keinen Anspruch für Versicherte, es liegt im Ermessen der Kassen, ob sie die Kosten dafür übernehmen. Die Techniker Krankenkasse (TK) übernimmt zum Beispiel die Kosten für Allergikerbettwäsche bei einer entsprechenden ärztlichen Verordnung.

 

Von synthetischen Bettbezügen hält Michael Machts gar nichts. „Die können sich so aufladen, dass man förmlich die Funken fliegen sieht“, meint er. Machts empfiehlt antistatische Bettwäsche auf Kissen und Decke zu ziehen. „Es knistert nicht und man hat einen ruhigen Schlaf“.


 

Fazit:

Der Begriff „Seniorenbett“ ist eine von der Branche erdachte Bezeichnung. Oftmals verbergen sich dahinter die altbekannten „Komfortbetten“. Dennoch haben solche Bettkonzepte einige Vorzüge, die von älteren Menschen geschätzt werden. Hoher Ein- und Ausstieg sowie eine breite Liegefläche schaffen Komfort und Sicherheit zugleich. Aufziehhilfen und elektrische Lattenroste machen es für Senioren leichter, sich im Bett aufzurichten. Es empfiehlt sich, bei Matratzen und Bettbezügen möglichst auf natürliche Materialien setzen, um Allergien und Schlafstörungen vorzubeugen.


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Steffen Gottschling (Jg. 1978) lebt und arbeitet in Erfurt. Seit 2012 ist er in der Medienbranche tätig. Hier sammelte er Erfahrungen in der Redaktion von Radio F.R.E.I. und arbeitete als Journalist in der Online-Redaktion der Thüringer Allgemeine. Für ...


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