Barrierefrei Bauen & Wohnen | Definition | DIN 18040

Barrierefrei Bauen & Wohnen: Definition & DIN 18040 im Überblick

Barrierefrei Bauen & Wohnen | Definition | DIN 18040
© Jeanette Dietl - Fotolia

Für barrierefreies Bauen gibt es in Deutschland Vorschriften & Leitfäden. Hier finden Sie eine Definition und eine Übersicht zu den DIN-Normen, in denen bauliche Vorgaben zur Barrierereduzierung geregelt sind.

| Basenio Redakteur

In Deutschland sollen derzeit laut einer Studie der staatlichen Förderbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) etwas weniger als 2% aller Wohnungen annähernd barrierefrei sein. Bedenkt man den steigenden Anteil älterer Menschen in der Bundesrepublik, ist das Angebot an altersgerechten Wohnraum knapp.

Schon heute gehört bereits jeder Fünfte in Deutschland zur Generation 65plus. 2030 soll laut Prognosen des Statistischen Bundesamts der Anteil der über 65-Jährigen auf ein Drittel der Gesamtbevölkerung steigen.

In der interaktiven Grafik können Sie selbst die Bevölkerungsvorausberechnungen nachvollziehen:

 


Da mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit steigt, pflegebedürftig zu werden, erhöht sich in den kommenden Jahren auch der Bedarf an barrierefreiem und altersgerechtem Wohnraum.

Basenio.de, das Onlineportal für die Generation 50plus, sprach mit Professor Hestermann von der FH-Erfurt für Architektur über die Kriterien und Möglichkeiten des barrierefreien Bauens. Das Interview sehen Sie im folgenden kurzen Video:

Youtube Video

Barrierefreies Bauen & Wohnen

Setzt man sich mit dem Begriff des barrierefreien Bauens & Wohnen auseinander, so versteht man darunter, dass Einrichtungen dieser Klassifizierung für alle Menschen in jedem Alter und mit jeder Einschränkung oder Behinderung zugänglich und nutzbar sind.

Defintion

 

Eine Definition, was unter Barrierefreiheit zu verstehen ist, enthält der § 4 Behindertengleichstellungsgesetz:

Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für Menschen mit Behinderungen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind. Hierbei ist die Nutzung behinderungsbedingt notwendiger Hilfsmittel zulässig.

Das betrifft vorwiegend ältere Menschen, welche aufgrund gesundheitlicher Beschwerden eine angepasste Wohnsituation benötigen. Hat man diese nicht rechtzeitig auf seine sich ändernden oder zukünftigen Anforderungen angepasst, bleibt nur noch ein Umzug oder ein Umbau als Alternative. Denn nicht zuletzt steht die Selbstständigkeit beziehungsweise Unabhängigkeit gegenüber Dritten in jeder Lebenssituation im Fokus. Es ist klar, dass man diese so lang wie möglich erhalten will.

Dabei gilt es, Barrieren oder Hindernisse im Wohnbereich zu beseitigen. Nicht zuletzt werden Türschwellen zu Stolperfallen, Treppenstufen zu unüberwindbaren Hindernissen und nasse Fliesen zu einer Unfallgefahr.

Eine Wohnung altersgerecht umzurüsten, führt nicht zwangsläufig zu aufwendigen Umbaumaßnahmen. Es kommt auf die richtigen Veränderungen im eigenen Wohnraum an, um sein Leben weiterhin unabhängig zu gestalten. Nutzen Sie dazu kostenlose Planungshilfen, Expertenwissen und sogar finanzielle Unterstützung der Kreditanstatlt für Wiederaufbau (KfW) zum altersgerechten Wohnen.

Beratungsstellen für barrierefreies Bauen

Es gibt Anlaufstellen, um sich zum barrierefreien Bauen und Wohnen beraten zu lassen. Neben den Sozialversicherungsträgern (Krankenkassen oder Berufsunfähigkeitsversicherung) gibt es auch karitative Einrichtungen und Vereine, die sich dieser Problematik angenommen haben und Betroffenen beratend zur Seite stehen.

Ebenfalls findet man bei Architekturunternehmen, den Stadtbauplanungsämtern sowie einigen Verbraucherzentralen nützliche Informationen.

DIN für barrierefreies Bauen

In Deutschland sind Vorschriften für das barrierefreie Bauen in der DIN 18040 geregelt. Die ist in drei Teile gegliedert:

  1. DIN 18040-1 - Öffentlich zugängliche Gebäude
  2. DIN 18040-2 - Wohnungen
  3. E DIN 18040-3 - öffentlicher Verkehrsraum

In diesem Ratgeber gehen wir nur auf den Teil der DIN 18040-2 für den Wohnbereich näher ein. Hierbei muss man jedoch beachten, dass jedes Bundesland in Deutschland selbst entscheidet, welche der einzelnen Punkte dieser Norm in die technischen Baubestimmungen übernommen wird. Ihr Architekt oder Bauingenieur sollte über alle relevanten Punkte bestens informiert sein.

Bei diesem Teil der DIN 18040-2 geht es um die barrierefreie Planung, die Ausführung und die Ausstattung von Wohnungen, Gebäuden und deren Außenanlagen. Das umfasst auch entsprechende Anforderungen an die Infrastruktur von Bauwerken mit Wohnungen, welche grundsätzlich eine uneingeschränkte Nutzung mit dem Rollstuhl ermöglichen muss.

Hinzu kommt, dass dies auch für die Wohnungen selbst gilt. Man unterscheidet dabei zwischen barrierefrei nutzbaren Wohnungen und barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbaren Wohnungen.

DIN 18040

Hier finden Sie alle baulichen Vorgaben der DIN 18040 als PDF.

Tipps zum barrierefreien Wohnen

Die folgenden Tipps sollen dabei Ihnen helfen, bauliche Barrieren zu identifizieren und sie abzubauen. Eine Auswahl wichtiger Kriterien für ein barrierefreies Wohnen hat Ihnen unsere Redaktion in einem kurzen Überblick zusammengestellt.

 

Treppen

 

Treppen sind mögliche Sturzquellen oder Hindernisse für Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Hauseingänge können mit einer Rampe oder einem Treppenlift ausgestattet werden, wodurch sich die Höhenunterschiede der Treppenstufen leicht überwinden lassen.

Handläufe auf beiden Seiten bieten die Möglichkeit, sich beim Auf- und Absteigen darauf abzustützen. Die bautechnischen Vorgaben der DIN 18040 enthalten unter anderem auch Regelungen zur Laufgestaltung und Stufenausbildung einer Treppe. 

 

Bewegungsfreiheit


Sind Menschen auf einen Rollstuhl oder Rollator angewiesen, benötigen sie ausreichend Platz, um sich mit diesen Hilfsmitteln frei in der Wohnung bewegen zu können. Durchgänge und Türen sollten also so beschaffen sein, dass die Menschen mitsamt ihrer Mobilitätshilfe durchkommen. 

Auch hier enthält die DIN 18040 entsprechende Vorgaben, die als Mindeststandards zu verstehen sind. 

 

Schwellen & Hindernisse

 

Jede noch so kleine Erhebung kann für Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu einem Hindernis werden. Eine kleine Türschwelle kann bereits zu einer unüberwindbaren Barriere werden, wenn älteren Menschen die Kraft fehlt, ihre Beine anzuheben. Daher sollten solche Schwellen in einer barrierefreien Wohnung abgebaut werden.

Doch Barrierefreiheit betrifft auch andere Aspekte des Wohnens. Selbst von einer Teppichkante kann eine Unfallgefahr ausgehen. Hier sollte stattdessen ein rutschfester Bodenbelag verlegt werden.

 

Beleuchtung


Dort wo Licht ist, ist auch Schatten. Sorgen Sie dafür, dass Wege und Räume gut ausgeleuchtet sind, um somit mehr Sicht zu schaffen. Achten Sie auch darauf, dass Sie nicht von Lichtquellen geblendet werden.

Die Lichtschalter sollten in einer Höhe installiert werden, dass sie auch von Rollstuhlfahrern erreicht werden können.

 

Badezimmer


Entscheiden Sie sich frühzeitig für ein rollstuhlgerechtes Badezimmer. Dabei sollte die Zimmertür eine Breite von mindestens 90 cm haben. Darüber hinaus gilt es, den Duscheinstieg, wenn möglich, ebenerdig gestalten.

Ebenfalls empfiehlt sich ein Waschtisch mit einer Höhe von 80 cm, was etwas tiefer als der Standard ist. Hinzu kommt, dass die Toilette auf einer Höhe von 48 cm etwas höher hängen sollte. Achten Sie auch auf einfach zu bedienende Armaturen sowie auf verschiedene Haltegriffe zur einfacheren Bewegung im Badezimmer.

Bewegungssicherheit


Was in Sachen Bewegungssicherheit im Badezimmer gilt, ist natürlich auch für den restlichen Wohnraum zu empfehlen. Schaffen Sie Sicherheit, indem Sie Haltegriffe sowie Stützgriffe an kritischen Stellen in der Wohnung anbringen.

Denken Sie auch an geeignete Handläufe für Treppen und Flure. Treppen im Eingangsbereich können durch eine Rampe ersetzt werden.

 

Küche


Entscheiden Sie sich auch in Ihrer Küche für mehr Barrierefreiheit. Überdenken Sie diesbezüglich, wie gut erreichbar Ihr Kühlschrank, der Backofen und weitere Elektrogeräte sind. Vermeiden Sie hohe Hängeschränke mit schweren Inhalten. Nutzen Sie Unterschränke mit großen Schubladen. So steht Ihnen nichts im Weg.

 

Schlafzimmer


Nicht zuletzt ist ein gesunder und erholsamer Schlaf wichtig für ein aktives Leben. Sorgen Sie dafür, dass Ihnen der Betteinstieg leicht fällt und vermeiden Sie niedrige Matratzen.

Fördermittel & Zuschüsse

Es ist klar, dass Baumaßnahmen für barrierefreies beziehungsweise altersgerechtes Wohnen mit Kosten verbunden sind. Nicht jeder hat dafür ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung. Um dem entgegenzuwirken, gibt es verschiedene vergünstigte Darlehen oder Zuschüsse.

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Für den altersgerechten Umbau von Wohnraum gibt es günstige Kredite. (Quelle: Stockfotos-MG - Fotolia)

 

Bevor Baumaßnahmen durchgeführt werden, sollten Sie sich vorab beraten lassen. Fragen Sie dabei konkret nach Förderprogrammen bei der Stadtverwaltung nach. Diese werden regional unterschiedlich gehandhabt und sind somit von Ort zu Ort unterschiedlich.

Viele Zuschüsse müssen gar nicht oder nur teilweise zurückgezahlt werden und sind an gewisse Auflagen geknüpft. Dadurch kann man jedoch viel Geld sparen und seine Lebensqualität langfristig erhöhen.

KfW-159 - Altersgerecht Umbauen

 

Die KfW unterstützt mit zinsgünstigen Finanzierungen und Krediten die Realisierung des altersgerechten Umbauens von bis zu 50.000 EUR pro Wohneinheit. Das Förderprogramm KfW-159 ist altersunabhängig und für den Umbau von barrierereduzierenden Maßnahmen geeignet.

Weitere nützliche Informationen dazu erhalten Sie hier (Förderprogramm KfW-159 - Altersgerechtes Umbauen). Darüber hinaus kann man auch bei unabhängigen Finanzberatern Kredite selbst im höheren Alter bekommen. Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag „Kredite für Rentner & Senioren“.

 

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