Barrierefrei | Wohnen | Bauen | Definition | Leben |

Was sollte man beim barrierefreien Bauen & Wohnen beachten?

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(Quelle: © Jeanette Dietl - Fotolia)

Barrierefrei Wohnen & Bauen wird angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft ein zentrales gesellschaftliches Anliegen. Im Experten-Interview erklärt Prof. Ulf Hestermann, was Barrierefreiheit bedeutet. Tipps fürs barrierefreie Leben.

Fragt man hierzulande Menschen, wie diese sich Ihren Lebensabend vorstellen, so ist die Antwort recht deutlich. Über 90% der Deutschen wollen im Alter nicht in einem Pflegeheim oder Seniorenheim leben. Sie wollen ihren Ruhestand in den eigenen vier Wänden genießen. Damit dies gelingt, sollte man frühzeitig Vorkehrungen zum barrierefreien Wohnen treffen. Darüber hinaus wird es in Zukunft immer schwerer werden, in Deutschland bezahlbare und altersgerechte Unterkünfte zu finden. Dies liegt nicht zuletzt an der steigenden Altersstruktur der Bundesbürger. Prognosen sehen für 2030, dass rund 40% der Deutschen über 65 Jahre alt sein werden. Das Stichwort für den Wohnraum der Zukunft lautet daher: Barrierefreiheit.

Einem Bericht nach war 2009 gerade einmal 1% aller Wohnungen in Deutschland barrierefrei.  Was man unter barrierefreiem Bauen beziehungsweise Wohnen versteht und worauf man hierbei achten sollte, wird nachfolgend geklärt. Dazu haben wir Herrn Prof. Hestermann von der FH-Erfurt für Architektur beziehungsweise vom Architekturbüro hks Architekten befragt. Herausgekommen ist ein interessantes Experteninterview mit einigen neuen Erkenntnissen, worauf es zu achten gilt.

 

Was versteht man unter barrierefreiem Bauen & Wohnen?

Definitionsversuch: Setzt man sich mit dem Begriff des barrierefreien Bauens & Wohnen auseinander, so versteht man darunter, dass Einrichtungen dieser Klassifizierung für alle Menschen, in jedem Alter und mit jeder Einschränkung oder Behinderung, zugänglich und nutzbar sind.

Das betrifft vorwiegend ältere Menschen, welche aufgrund gesundheitlicher Beschwerden eine angepasste Wohnsituation benötigen. Hat man diese nicht rechtzeitig auf seine sich ändernden oder zukünftigen Anforderungen angepasst, bleibt nur noch ein Umzug oder ein Umbau als Alternative. Denn nicht zuletzt steht die Selbstständigkeit beziehungsweise Unabhängigkeit gegenüber Dritten in jeder Lebenssituation im Fokus. Es ist klar, dass man diese so lang wie möglich erhalten will.

Dabei gilt es, Barrieren oder Hindernisse im Wohnbereich zu beseitigen. Nicht zuletzt werden Türschwellen zu Stolperfallen, Treppenstufen zu unüberwindbaren Hindernissen und nasse Fliesen zur Rutschpartie. Beugen Sie vor und setzen Sie sich rechtzeitig mit diesem Thema auseinander. Eine Wohnung altersgerecht umzurüsten, führt nicht zwangsläufig zu aufwendigen Umbaumaßnahmen. Es kommt auf die richtigen Veränderungen im eigenen Wohnraum an, um sein Leben weiterhin unabhängig zu gestalten. Nutzen Sie dazu kostenlose Planungshilfen, Expertenwissen und sogar finanzielle Unterstützung der Kreditanstatlt für Wiederaufbau (KfW) zum altersgerechten Wohnen.

Wo kann ich mich zum barrierefreien Wohnen beraten lassen?

Es gibt mittlerweile zahlreiche Anlaufstellen, um sich kompetent zum barrierefreien Bauen und Wohnen beraten zu lassen. Neben den Sozialversicherungsträgern (Krankenkassen oder Berufsunfähigkeitsversicherung), gibt es mittlerweile auch viele caritative Einrichtungen und Vereine, die sich dieser Problematik angenommen haben und Betroffenen beratend zur Seite stehen. Ebenfalls findet man bei Architekturunternehmen, den Stadtbauplanungsämtern sowie einigen Verbraucherzentralen nützliche Informationen.

Welche DIN-Normen gibt es für das barrierefreie Bauen?

In Deutschland sind Vorschriften für das barrierefreie Bauen in der DIN 18040 geregelt. Die ist in drei Teile gegliedert:

  1. DIN 18040-1 - Öffentlich zugängliche Gebäude
  2. DIN 18040-2 - Wohnungen
  3. E DIN 18040-3 - öffentlicher Verkehrsraum

In diesem Ratgeber gehen wir nur auf den Teil der DIN 18040 für den Wohnbereich näher ein. Hierbei muss man jedoch beachten, dass jedes Bundesland in Deutschland selbst entscheidet, welche der einzelnen Punkte dieser Norm in die technischen Baubestimmungen übernommen wird. Ihr Architekt oder Bauingenieur sollte über alle relevanten Punkte bestens informiert sein.

Bei diesem Teil der DIN 18040-2 geht es um die barrierefreie Planung, der Ausführung und der Ausstattung von Wohnungen, Gebäuden und deren Außenanlagen. Das umfasst auch entsprechende Anforderungen an die Infrastruktur von Gebäuden mit Wohnungen, welche grundsätzlich auch eine uneingeschränkte Nutzung mit dem Rollstuhl ermöglichen muss. Hinzu kommt, dass dies auch für die Wohnungen selbst gilt. Man unterscheidet dabei zwischen barrierefrei nutzbaren Wohnungen und barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbaren Wohnungen. Konkrete Informationen zu dieser Norm erhalten Sie hier (Informationen zur DIN Norm 18040-2).

basenio-Tipps zum barrierefreien Wohnen

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Barrierefreie Duschen sind ebenerdig und haben Haltegriffe. (Quelle: © JRstock - Fotolia)

 

Vermeiden Sie Treppen

Treppen sind häufig die größten Hindernisse in einem Haus. Vermeiden Sie daher diese Sturzfalle Nummer 1. Verlegen Sie hierzu in einem Einfamilienhaus Ihren größtenteils genutzten Wohnraum ins Erdgeschoss. Müssen Sie jedoch Treppen nutzen, dann sollten Sie diese rutschhemmend präparieren. Es gibt dazu verschiedene Materialien, die dazu geeignet sind. Lassen Sie sich dazu im Fachhandel beraten. Alternativ dazu können Treppen mit einem Treppenlift ausgestattet werden.

Schaffen Sie Platz

In einem Haus sammeln sich über viele Jahre auch viele unnütze Dinge an. Werden Sie diese los und misten Sie gründlich aus. Die so leer werdenden Schränke, Regale und Kommoden können dann ausgeräumt werden. Das schafft Platz und somit mehr Bewegungsfreiheit.

Stolperfallen einschränken

Neben der eben erwähnten Treppe gibt es viele weitere Quellen von Solperfallen, welche es zu beseitigen gilt. Dazu zählen Teppiche, Türschwellen, lose Kabel, Pflanzentöpfe oder Vasen auf dem Boden. Entfernen Sie diese aus Gängen und Hauptwegen.

Beleuchtung

Dort wo Licht ist, ist auch Schatten. Sorgen Sie dafür, dass Wege und Räume gut ausgeleuchtet sind, um somit mehr Sicht zu schaffen. Achten Sie auch darauf, dass Sie nicht von Lichtquellen geblendet werden.

Rutschfreie Böden

Was für Treppen gilt, sollte auch für andere Bodenbelege gelten. Daher empfehlen wir, die Böden ohne Teppiche so zu bearbeiten, dass diese nicht glatt und rutschig sind. Gerade in der Planungsphase von Neubauten oder Umbauten sollte man spezielle Fließen oder Linoleum verwenden. Das erspart Ihnen später viel Geld und Stress.

Badezimmer

Entscheiden Sie sich frühzeitig für ein rollstuhlgerechtes Badezimmer. Dabei sollte die Zimmertür eine Breite von mindestens 90 cm haben. Darüber hinaus gilt es, den Duscheinstieg, wenn möglich, ebenerdig gestalten. Ebenfalls empfiehlt sich ein Waschtisch mit einer Höhe von 80 cm, was etwas tiefer als der Standard ist. Hinzu kommt, dass die Toilette auf einer Höhe von 48 cm etwas höher hängen sollte. Achten Sie auch auf einfach zu bedienende Armaturen sowie auf verschiedene Haltegriffe zur einfacheren Bewegung im Badezimmer.

Bewegungssicherheit

Was in Sachen Bewegungssicherheit im Badezimmer gilt, ist natürlich auch für den restlichen Wohnraum zu empfehlen. Schaffen Sie Sicherheit, indem Sie Haltegriffe sowie Stützgriffe an neuralgischen Stellen in der Wohnung anbringen. Denken Sie auch an einen geeigneten Handlauf für Treppen und Flure. Treppen im Eingangsbereich können durch eine Rampe ersetzt werden.

Küche neu gestalten

Entscheiden Sie sich auch in Ihrer Küche für mehr Barrierefreiheit. Überdenken Sie diesbezüglich, wie gut erreichbar Ihr Kühlschrank, der Backofen und weitere Elektrogeräte sind. Vermeiden Sie hohe Hängeschränke mit schweren Inhalten. Nutzen Sie Unterschränke mit großen Schubladen. So steht Ihnen nichts im Weg.

Schlafzimmer

Nicht zuletzt ist ein gesunder und erholsamer Schlaf wichtig für ein aktives Leben. Sorgen Sie dafür, dass Ihnen der Betteinstieg leicht fällt und vermeiden Sie niedrige Matratzen.

Welche Fördermittel gibt es für altersgerechtes Wohnen?

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Für den altersgerechten Umbau von Wohnraum gibt es günstige Kredite. (Quelle: Stockfotos-MG - Fotolia)

 

Es ist verständlich, dass Baumaßnahmen für barrierefreies sowie altersgerechtes Wohnen mit Kosten verbunden sind. Nicht jeder hat dafür ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung. Um dem entgegen zu wirken, gibt es verschiedene vergünstigte Darlehen oder Zuschüsse.

Erkundigen Sie sich bei Land und Kommunen

Bevor Baumaßnahmen durchgeführt werden, sollten Sie sich vorab beraten lassen. Fragen Sie dabei konkret nach Förderprogrammen bei der Stadtverwaltung nach. Diese werden regional unterschiedlich gehandhabt und sind somit von Ort zu Ort unterschiedlich. Viele Zuschüsse müssen gar nicht oder nur teilweise zurückgezahlt werden und sind an gewisse Auflagen geknüpft. Dadurch kann man jedoch viel Geld sparen und seine Lebensqualität langfristig erhöhen.

KfW-159 - Altersgerecht Umbauen

Die KfW unterstützt mit zinsgünstigen Finanzierungen und Krediten die Realisierung des altersgerechten Umbauen von bis zu 50.000 EUR pro Wohneinheit. Das Förderprogramm KfW-159 ist altersunabhängig und ist für den Umbau von barrierereduzierenden Maßnahmen geeignet. Weitere nützliche Informationen dazu erhalten Sie hier (Förderprogramm KfW-159 - Altersgerechtes Umbauen). Darüber hinaus kann man auch bei unabhängigen Finanzberatern Kredite selbst im höheren Alter bekommen. Weitere Informationen finden Sie auf unserem Beitrag „Kredite für Rentner & Senioren“.

Zusammenfassung

Die Entscheidung zum barrierefreien Wohnen oder Bauen ist keine, die man zu spät treffen sollte. Bedenkt man diese Entwicklung beim Neubau oder beim Neukauf einer Immobilie, so kann man sich nicht nur viel Stress, sondern auch viel Geld sparen.


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