Weihnachtsmärkte in Deutschland | Inflation | Kommerzialisierung

Immer länger, immer größer - Inflation der Weihnachtsmärkte?

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(Quelle: Patricia Klamt)

Für den einen sind Weihnachtsmärkte ein wichtiger Teil der schönsten Zeit des Jahres, für andere reiner Kommerz. Tatsächlich beginnen die Märkte oft immer früher und dauern länger. Doch was hat es mit der Inflation der Weihnachtsmärkte auf sich?

Schnee bedeckt die kleinen Hütte vor dem Erfurter Domplatz. Der Duft von Maronen, Glühwein und gebrannten Nüssen zieht durch die eisige Luft. Überall in der Innenstadt verteilt laden kleine Buden zum Bummeln, Schauen und Genießen sowie Geschenke-Shoppen ein. Lichter und Musik verleihen dem Weihnachtsmarkt besonders nach Einbruch der Dunkelheit ein fast magisches Flair. Einen ähnlichen Eindruck wie kurz nach der Eröffnung des Erfurter Weihnachtsmarkts kann man dieser Tage überall in Deutschland erleben. Spätestens an den Wochenenden ist es mit der Ruhe jedoch vorbei: Dann stürmen abertausende Besucher die Stadt, werden mit Reisebussen aus ganz Deutschland und dem Ausland herangekarrt. Menschenmassen drängen sich dann durch die Fußgängerzone und die engen Gassen auf dem Markt - Einheimische meiden die Innenstadt an diesen Tagen. Ein entspanntes Flanieren wird dann unmöglich, auch mit Besinnlichkeit hat dieses Treiben wenig zu tun. Auch das kennen die Einwohner von Städten mit einem großen Weihnachtsmarkt. Die Nachfrage scheint den Betreibern zunächst Recht zu geben: Einzelhändler machen in dieser Zeit den meisten Umsatz des Jahres, so der Einzelhandelsverband. Da liegt es nahe, die geldsegensreiche Zeit nach Kräften zu verlängern.

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Menschenmassen auf den Nürnberger Weihnachtsmarkt (Quelle: Patricia Klamt)

Traditionell sind Weihnachtsmärkte eigentlich auf die Adventszeit beschränkt. Sie beginnen nach dem Totensonntag und enden vor dem Weihnachtsfest. Doch Ausnahmen gibt es reichlich: Der "Wintermarkt" im Einkaufszentrum Centro in Oberhausen begann bereits am 14. November, in Duisburg und Dortmund am 20. Auch die Dauer bis ins neue Jahr ist inzwischen keine Seltenheit mehr: In Husum, Dortmund und Hamburg gehen einige Märkte bis zum Jahresende, in der Klassikerstadt Weimar endet der Markt erst am 5. Januar. Der Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche und in Holzminden läuft bis zum 4. Januar. Am Kölner Heumarkt und im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstadt ist sogar erst am 6. Januar Schluss. Nur einige Beispiele von vielen. Auch die traditionellen alten Weihnachtsbräuche sind im Wandel. Weitere Informationen zu diesem Thema bekommen Sie hier.

Dieser Trend wird jedoch von Besuchern und Veranstaltern immer öfter kritisch gesehen, die Mehrzahl der Städte setzt immer noch auf die traditionellen Öffnungszeiten. Denn tatsächlich geht die einfache Rechnung, dass längere Öffnungszeiten auch automatisch mehr Geld in die Kassen spülen, nicht zwangsläufig auf: "Wir sind der Meinung, dass die Zeit für Weihnachtsmärkte nicht überdehnt werden sollte", sagt Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds. "Es ist mehr als fraglich, ob längere Öffnungszeiten tatsächlich mehr Umsatz bringen." Vielmehr sei zu befürchten, dass das Überangebot zu einer Sättigung der Menschen führe. Das gilt besonders, wenn bereits Monate vor dem Fest in den Supermärkten der Verkauf von Weihnachtsartikeln beginnt. Denn die Regale in Supermärkten nach dem Fest zeigen, wie groß das Überangebot ist: Jeder kennt die vollen Tische mit fast abgelaufenen Sonderangeboten, die nach Weihnachten für einen Schleuderpreis abgegeben werden müssen. Letztlich ist es aber wieder der Kunde, der hier das Zepter in der Hand hält: Solange Weihnachtsartikel im September gekauft und Weihnachtsmärkte bis ins neue Jahr besucht werden, wird sich die Inflation des Weihnachtsgeschäfts kaum eindämmen lassen.

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Weihnachtsmarkthütten (Quelle: Patricia Klamt)

Dass Weihnachtsmärkte jedoch eine gewisse Faszination auf Menschen ausüben, zeigt der grundsätzliche Erfolg des Modells: Außerhalb von Deutschland sind Weihnachtsmärkte traditionell vor allem in Österreich, der Schweiz, Luxemburg sowie in Norditalien bekannt. Die ersten schriftlichen Erwähnungen in Deutschland stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Heute gibt es alleine in den großen Städten rund 1.500 Märkte, hinzu kommen unzählige Veranstaltungen in den kleineren Kommunen. Einige der ältesten und bekanntesten Weihnachtsmärkte finden in Dresden, Nürnberg, München, Leipzig und Köln statt. Mittlerweile ist die deutsche Weihnachtstradition sogar ein Exportschlager: Einen "Frankfurter Weihnachtsmarkt" gibt es inzwischen auch im englischen Manchester und anderen Städten in Großbritannien. Unter anderem werden auch in Paris, New York, Chicago oder Osaka Weihnachtsmärkte nach deutschem Vorbild veranstaltet. Der "Frankfurt Christmas Market and Craft Market" in Birmingham hat vom 13. November bis zum 22. Dezember geöffnet, in Osaka geht es vom 14. November bis zum 25. Dezember. Kritik an zu langen Öffnungszeiten gibt es dort jedoch nicht. Ganz im Gegenteil. 

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Dresdner Striezelmarkt (Quelle: Patricia Klamt)

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Andreas Göbel berichtet aus der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt überaktuelle Themen aus Thüringen und ganz Deutschland - von Politik,Wissenschaft und Kultur bis hin zu Panorama-Themen. Als Freier Journalist lange Jahre für die Nachrichtenagentur dapd tätig,schreibt ...


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