Lesermeinungen | Briefe & Postkarten selber schreiben

Lesermeinungen: Briefe & Postkarten selber schreiben

Persönliche Briefe und Postkarten scheinen nicht mehr in Mode zu sein. Warum eigentlich? Brunhilde Degenhardt schildert in diesem Beitrag Ihre Meinung dazu.

Wer kennt sie nicht, die leichte Enttäuschung am heimischen Briefkasten zu sein, und in Vorfreude auf frohe Botschaften zu warten. Aber... was fällt einem entgegen? Bestenfalls Reklame, die man nicht braucht oder im schlechteren Fall eine Rechnung, die bezahlt werden will und auch muss. Da kann der PC mit seiner Möglichkeit des schnellen Meinungsaustausches manchmal ein Trost sein. Aber eine Postkarte oder einen Brief in der Hand zu halten, sich über das selbstgeschriebene Wort zu freuen, ist etwas ganz anderes und ist relativ selten geworden.

Mehr Pflicht als Freude?

Wenn ja, dann halt die Urlaubsgrüße - meist pflichtgemäß mit der Mahnung im Nacken "Vergesst nicht zu schreiben!". Eher wird man liebevoll als Fossil betrachtet, wenn man kundtut, dass man gerne per Hand Karten und Briefe schreibt. Ich denke darüber nach, worin die Ursache zu suchen sein könnte. Ist es der Zeitmangel in unserer ratslosen Welt, in der auch der Rentner ruft "Keine Zeit, keine Zeit". Ist es der Weg zum selten gewordenen und weit entfernten postalischen Briefkasten? Briefmarken müssen ins Haus, Porto sollte auch genau bedacht werden. Ein vertrödelter Geburtstagstermin, den man mit der Geschwindigkeit des Internets doch noch pünktlich nachgeholen kann.

Der Vorteil, weil beim Mail Änderungen vorgenommen, Inhalt und Form beliebig oft verändert werden können, ohne den Gesamteindruck zu verderben, während bei handgeschriebener Post Verschreiber leider immer irgendwie doch noch sichtbar sind und das Gesamtbild verschandeln. Der Gipfel der Gemeinheit ist dann, der Brief oder die Karte müssen neu geschrieben werden.

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An einen lieben Menschen denken und schreiben. (Quelle: Patricia Klamt)

So gesehen, es kann gar nicht genug geklagt werden, nicht schreiben zu "müssen".  Die Karten, ich meine da nicht die sogenannten Ansichtskarten, die es heute zu kaufen gibt, fordern mich geradezu heraus, gerne schreiben zu wollen.  Sie sind - wie meist alles - eine Geschmacksfrage. Es gibt diese und jene über deren Geschmack und Inhalt gestritten werden kann, ganz klar.

Aber sie sind oft herrlich gestaltet, witzig dazu, und schon deswegen ein Grund zumindest einmal am Tag zu lachen oder über die Aussage nachzudenken. Sie animieren zum Kauf und zum Schreiben, was der Sinn der Sache ist. Was es evtl. zu bemäkeln gibt, ist, dass manche Briefkarte den Preis eines kleinen Geschenkes hat. Das ist aber auch der einzige Grund zu  akzeptieren, dass nicht mehr gerne per Hand aus der Ferne gezeigt wird, "Ich habe gerade an Dich gedacht".

Lesermeinungen: Bruni Degenhardt

 

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Brunhilde Degenhardt (Jg. 1944) ist eine engagierte Rentnerin aus Mühlhausen in Thüringen. Sie verfolgt zahlreiche Interessen, welche Ihren Alltag mit Freuden erfüllen. Dazu zählt vor allem die Liebe zur Kultur und somit auch zur Literatur. Bruni, wie sie auch ...


Kommentare

Toller Bericht! Unsere analoge nunmehr 92-jährige Oma bekommt die klassische Postkarte von uns -hangeschrieben- :-)

Liebe Frau Degenhard,
ich glaube nicht, dass unter schreibfreudigen Menschen die handgeschriebene Korrespondenz verloren geht. Ist es doch eine besondere Ehre, einen handgeschriebenen Brief zu erhalten. Auch wenn sich die Form der Gedankenaustausche geändert hat, wird es den handgeschriebenen Brief, das auf Papier gedruckte Buch und die Zeitung in geringerer Menge weiterhin geben.
Klaus Becker

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