Wie sicher sind Schnelltests | Zuverlässigkeit | Antigen

Wie sicher sind Schnelltests? - Zuverlässigkeit der Corona-Antigen-Tests (PoC)

Wie sicher sind Schnelltests | Zuverlässigkeit | Antigen
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Der Antigen-Schnelltest ist laut Bundesregierung ein wichtiges Werkzeug zur Eindämmung der Pandemie. Aber nicht alle Tests sind zuverlässig. Basenio.de hat für Sie recherchiert.

| Jennifer Günther

„Testen, testen, testen“ lautet das Motto auf der vom Bundesministerium für Gesundheit geführten Seite „Zusammen gegen Corona“. Schnelltests seien ein wichtiges Werkzeug zur Eindämmung der Corona-Pandemie, um bislang unentdeckte Corona-Infektionen schneller zu erkennen und Infektionsketten zu durchbrechen – doch wie zuverlässig sind diese Tests? Wie sicher sind die Ergebnisse bei Geimpften? Und wann sind sie überhaupt sinnvoll? Wir haben für Sie recherchiert.

 

Schnelltests, auch Antigen-Test oder PoC (Point of Care)-Antigen-Schnelltest genannt, liefern bereits nach 15-30 Minuten ein Ergebnis. Durch einen Abstrich im Nasen- oder Rachenraum kann direkt abgelesen werden, ob eine Infektion mit dem Coronavirus vorliegt.

Selbsttest

Einen Selbsttest kann jeder selber bei sich, beispielsweise zu Hause, durchführen. Sie sind explizit zur Anwendung durch Privatpersonen bestimmt, weswegen die Probenentnahme und -auswertung einfach sein sollen. Für den Test kann ein Nasenabstrich gemacht werden, um dann wie beim Antigen-Schnelltest ein rasches Ergebnis zu erhalten. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte überprüft zusammen mit dem Paul-Ehrlich-Institut Qualität und Aussagekraft der Tests.

 

Wie zuverlässig sind Antigen-Schnelltests?

Auf dem europäischen Markt gibt es derzeit eine große Auswahl an SARS-CoV-2-Antigen-Schnelltests – sowohl für die Anwendung als Selbsttest als auch zur Anwendung von geschultem Personal. Doch wie zuverlässig sind diese Tests? Bei einer Corona-Infektion weisen die Tests bestimmte Eiweiße des Virus aus dem Abstrich der Schleimhäute der Atemwege nach. Entscheidend dafür ist ihre Sensitivität, also die Fähigkeit, bei einer infizierten Person tatsächlich eine positives Testergebnis anzuzeigen.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) hat gemeinsam mit anderen Einrichtungen wie dem Robert-Koch-Institut und der Charité 122 COVID-19-Antigen-Schnelltests auf ihre Sensitivität hin untersucht: 96 Tests erfüllten die geforderten Kriterien, teilweise mit sehr guten Ergebnissen, 26 Tests hatten nicht die geforderte Sensitivität.

Hinweis

Aktuell werden die in Deutschland erhältlichen Antigen-Schnelltests zur Nutzung von geschultem Personal nach Europäischem Recht keiner herstellerunabhängigen Überprüfung vor der CE-Kennzeichnung unterzogen. Die Angaben bezüglich der Sensitivität beruhen also ausschließlich auf Herstellerangaben! Ab Mai 2022 soll sich das nach Angaben des PEI ändern, die Tests werden dann im Labor untersucht und die Daten unabhängig überprüft.

 

Für die Untersuchung der Antigen-Schnelltests wurde laut Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts, ein Wert von 75% als minimal akzeptierte Sensitivität festgelegt, bezogen auf einen Ct-Wert < 25. Der Ct-Wert (Cycle-threshold-Wert) ist ein Maß für die Virusmenge in der Probe: Der Wert gibt an, wie viel Vermehrungszyklen bei der PCR-Methode ablaufen müssen, bevor der Anstieg des viralen Erbguts exponentiell wird.

 

Hinweis

Das PEI untersucht nur die Sensitivität und vernachlässigt die Spezifität der Antigen-Schnelltests, wie man in einem Hintergrundbericht auf tagesschau.de nachlesen kann. Die Spezifität drückt die Wahrscheinlichkeit aus, mit der ein gesunder Mensch auch tatsächlich ein negatives Testergebnis erreicht. Je geringer die Spezifität, desto wahrscheinlicher sind falsch positive Ergebnisse.

Fazit der Forschenden: die meisten der evaluierten Tests erfüllten die geforderten Bedingungen und sind für die schnelle Identifizierung von akuten Infektionen mit hoher Viruslast geeignet. Aber leider gibt es gravierende Unterschiede und nicht alle getesteten Antigen-Schnell- und Selbsttests zeigen eine akute Covid-19-Infektion immer zuverlässig an.

Auf der Seite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gibt es eine Liste mit Antigen-Schnelltests, welche laut Herstellerangaben die Mindestkriterien erfüllen und nach Coronavirus-Testverordnung (TestV) erstattungsfähig sind. Fällt ein Test bei der kontinuierlich fortgesetzten Evaluierung des PEI durch, wird er aus der Liste des BfArM gestrichen. Zusätzlich kann diese Liste nach den vom PEI bereits geprüften Schnelltests gefiltert werden.

Wie genau sind Corona-Antigen-Tests (PoC) für Zuhause? 

„Die Aussagekraft eines Schnelltests hängt vom Anteil der infizierten Personen unter den getesteten Personen (Vortestwahrscheinlichkeit) sowie von der Sensitivität und Spezifität der Tests ab.“, heißt es auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit.  Die Genauigkeit des Antigen-Schnelltest hängt sehr stark von der Qualität des Rachen- oder Nasenabstrichs ab. Bei einem Selbsttest sollten Sie sich deshalb genauestens an die Angaben zur Durchführung halten. Die Tests erkennen nicht, ob ausreichend Probenmaterial entnommen wurde. Der Kontrollstreifen zeigt nur an, ob die richtige Flüssigkeit auf den Test aufgetragen wurde. Ein negatives Ergebnis ist also nicht unbedingt ein sicherer Marker dafür, nicht infiziert zu sein.

 

Download: RKI-Flyer Schnelltest

Dieser Flyer des RKI bietet zahlreiche Informationen rund um das Thema Schnelltest. Antigentests als ergänzende Maßnahme zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie (rki.de)

Wie verlässlich sind Schnelltests bei Geimpften?

 „Eine blinde Testung bei gesunden Geimpften ist nicht nur logistisch schwierig, sondern möglicherweise auch in ihrer Aussagekraft eingeschränkt“, sagt der Berliner Virologe Christian Drosten im Spiegel. Nach einer ersten Einschätzung seien Infektionen bei Geimpften in den ersten Tagen der Infektion nicht so gut durch den Antigen-Schnelltest nachzuweisen. Geimpfte sollten erst wenn Symptome auftreten, zum Schnelltest greifen.

"Bei Geimpften und Genesenen ist die Viruslast bei der Infektion insgesamt geringer", schildert die Infektiologin Claudia Denkinger im SWR. "Sie braucht länger, bis sie ansteigt, sie fällt auch schneller wieder ab. Und insofern sprechen die Tests nicht so gut an." Ein frühzeitiges Anschlagen der Schnelltests bei einer Infektion ist also bei Geimpften und Genesenen seltener. Das bedeute, dass die Schnelltests seltener Infektionen bei Geimpften und Genesenen frühzeitig erkennen. Aber: "Die Infektionen, die eine hohe Viruslast haben, die vor allem zu der Weitertragung der Infektionen beitragen, die werden detektiert."

Dennoch sprechen sich sowohl Denkinger als auch Drosten für ein regelmäßiges Testen von Geimpften aus: "Wenn wir uns regelmäßig testen, dann ist dieses Intervall für die Infektionskontrolle sehr wenig relevant, denn dann erkennen wir es beim nächsten Mal testen.", so die Infektiologin.

Eingeschränkte Sensitivität der Antigen-Schnelltests

Gegenüber PCR-Test haben die Schnelltests eine geringere Erkennungsrate: das heißt, es ist eine größere Menge an Viren erforderlich, um ein positives Ergebnis anzuzeigen. Sie sind weniger empfindlich. Laut Informationen des Bundesministeriums für Gesundheit werden infizierte Personen, die bereits Symptome aufweisen, zuverlässig identifiziert. Allerdings kann man schon etwa zwei Tage vor Symptombeginn Andere anstecken. Für einen Schnelltest ist die Viruslast zu diesem Zeitpunkt allerdings oft noch zu gering. Ein im Labor ausgewerteter PCR-Test kann eine Infektion früher erkennen. Eine infizierte Person kann durchaus ein negatives Schnelltest-Ergebnis erhalten, obwohl sie bereits ansteckend ist. Jeder Test ist eine Momentaufnahme.

Covid-19-Antigen-Schnelltest: So lesen Sie das Ergebnis ab.
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Der Selbsttest für zu Hause: So lesen SIe das Ergebnis richtig ab.

Positives Testergebnis muss durch PCR-Test bestätigt werden

Wenn der Schnelltest plötzlich zwei Streifen anzeigt und somit positiv ist, sollten Sie das Ergebnis durch einen PCR-Test bestätigen lassen. In diesem Fall können Sie sich bei Ihrem zuständigen Gesundheitsamt melden: dort wird Ihnen entweder ein Termin für einen PCR-Test in einem nahen Testzentrum angeboten, oder Sie vereinbaren selbst einen Termin bei einer Teststelle bzw. beim Arzt oder der Ärztin Ihres Vertrauens. Bis zum Ergebnis des PCR-Tests, in der Regel dauert die Auswertung etwa 3 Tage, sollte man sich in häusliche Quarantäne begeben, um niemanden anzustecken.

Antigen-Tests finden Infizierte nur in kleinem Zeitfenster

Antigen-Tests erkennen eine Corona-Infektion in einem kleineren Zeitfenster als ein PCR-Test. Erst etwa am vierten Tag nach der Infektion, 2 Tage vor dem typischen Symptombeginn, erhält man ein positives Testergebnis. Ein PCR-Test liefert schon etwa 2 Tage früher einen Nachweis über die Infektion und kann sie auch länger nachweisen.

Wer in den ersten Tagen der Infektion einen Schnelltest macht, wird ein falsch negatives Ergebnis erhalten, obwohl eine Ansteckungsgefahr bereits 2 Tage nach der Infektion besteht.

Wo oder wann machen Schnelltests Sinn?

Ein Schnelltest kann mehr Sicherheit in den Alltag bringen: ein Besuch bei der Familie, ein Treffen mit Freunden – ein negatives Testergebnis gestattet etwas unbeschwerte Geselligkeit, vor allem, wenn man sich regelmäßig testet. Auch in Kitas, Schulen oder Unternehmen sind Schnelltests mittlerweile Routine und dienen als zusätzliche Sicherheitsmaßnahme.

Um eine Flugreise nach Deutschland anzutreten, ist ein negatives Testergebnis zurzeit sogar verpflichtend, sofern nicht ein Impf- oder Genesenen-Nachweis vorgelegt werden kann. Im Artikel Aktuelle Informationen für Reisende des Bundesministeriums für Gesundheit finden Sie alle aktuellen Bestimmungen und Informationen rund ums Reisen.

Besonders sinnvoll und nützlich sind Schnelltests bei Erkältungszeichen: so kann ein Schnelltest Aufschluss darüber bringen, ob es sich um eine Corona-Infektion oder um eine Grippe oder Ähnliches handelt.

 

Kostenlose Corona-Schnelltests

Mit der aktuellen Anpassung der Testverordnung werden allen Bürgerinnen und Bürgern wieder kostenlose Schnelltests zur Verfügung gestellt. Unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus hat jeder mindestens einmal pro Woche Anspruch auf einen kostenlosen Schnelltest (PoC-Test). Eine Übersicht der Testzentren nach Bundesländern sortiert finden Sie auf der Deutschlandkarte des Bundesministeriums für Gesundheit.

 

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Jennifer Günther ist seit Dezember 2019 für die Ratgeber-Redaktion von basenio.de tätig. Vor basenio.de schrieb sie für den Blog der Klassik Stiftung Weimar.

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