E-Rezept | einlösen | wie funktioniert das | Apotheke | App

E-Rezept online einlösen (Apotheke, App) - Wie funktioniert das?

E-Rezept | einlösen | wie funktioniert das | Apotheke | App
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Das neue E-Rezept soll zukünftig die Medikamentenabgabe sicherer machen, die Umwelt schonen, Wege ersparen – und somit das Leben von PatientInnen, ÄrztInnen und ApothekerInnen erleichtern. Wir erklären Ihnen wie es funktioniert.

| Lisa Matz

Bereits seit 2021 läuft in Brandenburg und Berlin eine Testphase mit dem neuen E-Rezept. Bis zum Ende des Jahres 2022 werden Arztpraxen bundesweit dazu aufgefordert, die Systeme so umzustellen, dass apotheken- und verschreibungspflichtige Medikamente nur noch per E-Rezept erhältlich sind. Doch nicht nur Arztpraxen, sondern auch Apotheken, Krankenkassen und Softwareanbieter müssen sich auf die Einlösung per E-Rezept noch einstellen und mehr Erfahrungen sammeln.

„Damit die Behandlung mit Arzneimitteln sicherer wird, Abläufe in der Arztpraxis und der Apotheke vereinfacht werden und auch die Zettelwirtschaft im Gesundheitswesen aufhört, führen wir das E-Rezept ein.“, heißt es auf der Seite des Bundesministeriums für Gesundheit.

Doch bis jetzt haben laut ABDA-Umfrage gerade mal 37 Prozent der Deutschen vom E-Rezept, was bald die herkömmlichen rosa Zettel ablösen soll, gehört.

Was Sie als Patient zum E-Rezept wissen sollten, wie es funktioniert und welche Vorteile es Ihnen bringt, erfahren Sie in unserem Ratgeberbeitrag.

Was ist das Elektronische Rezept (E-Rezept)?

Das E-Rezept ist die digitale Version der herkömmlichen Rezepte aus Papier – ein digitaler Rezeptcode (ähnlich eines QR-Codes), den Sie einfach in der Apotheke vorzeigen und das verschriebene Arzneimittel bekommen. Dabei können Sie entscheiden, ob Sie ihr E-Rezept per Smartphone in der sicheren E-Rezept-App verwalten oder in der Arztpraxis einen Papierausdruck mit den erforderlichen Zugangsdaten des E-Rezepts zur Einlösung in jeder Apotheke erhalten.

Das ausschließlich digital vorliegende Rezept hat den Rechtsstatus einer Urkunde. Für die Sicherheit und notwendige digitale Infrastruktur sorgt die Gematik GmbH, welche auch die elektronische Gesundheitskarte entwickelte.

Wie funktioniert das neue E-Rezept?

Seit dem 1. Januar 2022 soll das E-Rezept das herkömmliche „rosa Rezept“ bei Videosprechstunden und auch bei regulären Arztbesuchen ersetzen. Sie sind krank, haben Beschwerden und bekommen von ihrem Arzt Medikamente zur Besserung verschrieben. Und so funktioniert das neue E-Rezept:

  1. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin stellt eine Verordnung für Sie aus, doch nicht wie gewohnt ausgedruckt auf rosa Papier und händisch unterschrieben, sondern auf einem zentralen Server in der Telematikinfrastruktur(Datenautobahn des Gesundheitswesens) abgelegt und digital signiert gespeichert. 
  2. Anschließend bekommen Sie einen QR-Code auf Ihr Smartphone oder ausgedruckt auf Papier, wenn Sie kein Smartphone besitzen sollten. Sie benötigen dazu die E-Rezept-App der Gematik. Sie heißt „Das E-Rezept“
  3. In der Apotheke Ihrer Wahl wird der Code vom Smartphone oder Papier gescannt und das E-Rezept aufgerufen. Danach erhalten Sie wie gewohnt das Medikament und Hinweise zur Anwendung von ihrem Apotheker oder ihrer Apothekerin.

Um die E-Rezepte App zu verwenden, benötigen Sie ein Smartphone sowie Ihre persönliche elektronische Gesundheitskarte und einen PIN von Ihrer Krankenkasse. Sowohl Karte als auch Handy müssen über eine NFC-Funktion verfügen. Diese Funktion sorgt für die Übertragung von Daten zwischen zwei Geräten in kurzer Entfernung. Sollte Ihre Gesundheitskarte diese Funktion noch nicht besitzen, können Sie einfach eine neue beantragen. Fragen Sie am besten bei Ihrer Krankenkasse nach.

Online-Arzt und digitale Apotheke

Videosprechstunden erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Man muss nicht extra den Weg zum Arzt auf sich nehmen, was von Vorteil ist, besonders, wenn man krank ist und sich schlapp fühlt. Dafür ist die Möglichkeit zur Ausstellung elektronischer Rezepte unverzichtbar. Bis vor Kurzem musste das Rezept danach trotzdem in der Praxis abgeholt werden. Mit dem E- Rezept müssen Sie für die Abholung Ihres Rezepts anschließend nicht in die Arztpraxis kommen und können dieses über die E-Rezepte-App auch direkt an eine Online-Apotheke zur Einlösung schicken und sich die Medikamente bequem nach Hause liefern lassen.

 

Neben dem E-Rezept für verschreibungspflichtige Arzneimittel sollen zukünftig auch Verordnungen für Heil- oder Hilfsmittel oder häusliche Krankenpflege digitalisiert werden, erklärt das Bundesministerium für Gesundheit

Im folgenden Video der Gematik GmbH wird erklärt wie genau das E-Rezept funktioniert.

 

Youtube Video

Die E- Rezept App

Mit der App „Das E-Rezept“ erhalten Patientinnen und Patienten einen datenschutzkonformen und sicheren Zugang zu ihren persönlichen Rezeptdaten – um Rezepte elektronisch empfangen und einlösen zu können.

Die offizielle App „Das E-Rezept“, herausgegeben von der Gematik GmbH, ist bei Google Play (Android), in der App-Gallery (Android auf Huawei- Geräten) und im App-Store von Apple (iOS) kostenlos erhältlich.

Welche Funktionen Sie mit der App nutzen können, hängt davon ab, ob Sie sich mit Ihrer persönlichen Gesundheitskarte in der App angemeldet haben oder nicht. Ohne Anmeldung können Sie den Rezeptcode abscannen und vor Ort in der Apotheke Ihrer Wahl einlösen. Dort kann der Code vorgezeigt werden und Sie erhalten die dazugehörigen Medikamente. Sie können diese Rezepte dann auch auf Ihrem Smartphone speichern.

Die Anmeldung mit der persönlichen Gesundheitskarte bringt weitaus mehr Funktionen mit sich. Angemeldete Nutzerinnen und Nutzer erhalten das E-Rezept nach der Videosprechstunde oder dem Besuch in der Arztpraxis automatisch in die App. Außerdem sind weitere nützliche Funktionen geplant, wie etwa Informationen zu Einnahme und Dosierung der Medikamente, Verfügbarkeitsanfragen von Medikamenten in Apotheken in Ihrer Nähe und die Möglichkeit ein E-Rezept an Freunde und Familie weiterzuleiten, um es abholen zu lassen.

Wenn Sie Ihre Medikamente bei einer Versandapotheke bestellen möchten, dann schicken Sie normalerweise den Papierausdruck an die Versandapotheke, die alles Weitere veranlasst. Viel bequemer und schneller geht dies als App-Nutzer. Sie können Ihr E-Rezept digital direkt an Ihre gewünschte Apotheke schicken und die Medikamente anschließend im Online-Shop der Apotheke bestellen.

In diesem Video sehen Sie wie die E-Rezepte-App funktioniert:

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Wie melde ich mich in der App an?

Zum Anmelden benötigen Sie Ihre persönliche elektronische Gesundheitskarte und die dazugehörige Geheimnummer (PIN). Die Gesundheitskarte muss über die sogenannte NFC-Funktion (Near Field Communication) besitzen. Ob Ihre Karte darüber verfügt, können Sie selbst überprüfen: Unterhalb der Deutschlandfarben auf Ihrer Karte muss eine sechsstellige Nummer stehen. Finden Sie diese dort vor, ist die Karte NFC- fähig. Außerdem benötigen Sie zusätzlich die PIN der Karte. Sollten Sie diese noch nicht haben, fragen Sie bei Ihrer Krankenkasse nach. Wenn Ihre Karte noch keine NFC – Funktion besitzt, kann Ihnen die zuständige Krankenkasse eine neue Karte zuschicken. Den Code, die PIN sowie Ihre Gesundheitskarte benötigen Sie für die erstmalige Authentifizierung.

 

Zeigt die App an, wie lange mein Rezept gültig ist?

In der App können Sie einsehen, wie lange Sie das Rezept innerhalb Ihrer Krankenversicherung einlösen können. Wenn dieser Zeitraum abgelaufen ist, können Sie sehen, wie lange Sie das Rezept als Selbstzahler einlösen können. Eine Löschung des E-Rezeptes erfolgt automatisch nach 100 Tagen, sofern es eingelöst wurde, und zehn Tage nach Ablauf der Rezeptgültigkeit. Sie können außerdem Ihre Rezepte selbst über die App löschen, unabhängig davon, ob Sie es eingelöst haben oder nicht.

 

Wie läuft der Vorgang ab, wenn ich ein Folgerezept brauche?

Wenn Sie im selben Quartal bereits bei Ihrem Arzt waren und Ihre Gesundheitskarte vorgezeigt haben, kann auch das Folgerezept direkt in Ihre E-Rezept-App übermittelt werden, ohne dass Sie persönlich in die Praxis gehen müssen. Ansonsten müssen Sie zuerst in die Praxis. Dieses Verfahren gilt ebenso für Videosprechstunden.

Rezept für Andere einlösen

Sollten Sie ihr Rezept nicht selbst einlösen können, kann das mit Hilfe der App auch jemand anders für Sie erledigen. Mit der Familienfunktion in der E-Rezept-App melden sich Versicherte zunächst selbst und dann die andere Person mit der elektronischen Gesundheitskarte und PIN. So können sie Ihre eigenen und die Rezepte der Familienangehörigen verwalten und einlösen.

 

Benötige ich ein Smartphone für das E-Rezept?

Nein, ein Smartphone ist nicht zwingend notwendig. Zu jedem E-Rezept wird auch ein Rezeptcode erstellt. Der Rezeptcode („Token“) ähnelt einem QR-Code und enthält die Zugangsdaten zu Ihrem E-Rezept. Auf diesem Rezept können Token für maximal drei Medikamente gespeichert werden. Wenn Sie kein Smartphone- Nutzer sind, dann erhalten Sie in Ihrer Arztpraxis einen Papierausdruck. Wenn Sie Ihr Smartphone nutzen möchten, bekommen Sie das Rezept digital in die offizielle App „Das E-Rezept“ übermittelt.

Vorteile und Nachteile im Überblick

Mit dem neuen E- Rezept gehen viele Vorteile einher: vor allem spart es Zeit und Wege. Trotz dieser enormen Erleichterung für Arztpraxen und Patienten, gehören zu Vorteilen meist auch einige Nachteile:

 

Vorteile

Nachteile

Spart Zeit, Wege und Ressourcen: Mithilfe des E-Rezeptes wird die Zettelwirtschaft in Praxen und Apotheken beendet. Das spart nicht nur Zeit und Wege, sondern schont auch die Umwelt. Die Einlösung des Rezepts kann bei Wunsch auch online erfolgen, ohne dass man zur Apotheke gehen muss. Über die App kann man außerdem sehen, ob das gewünschte Medikament gerade vorrätig ist. Der Weg zur Apotheke ist überflüssig, sofern von diesen auch ein Lieferdienst angeboten wird.

 

Datenschutz: Die Angst vor einem Datenmissbrauch plagt viele Bürger. Ein unsicheres Netzwerk, welches die Daten nicht ideal schützt, bereitet vielen Nutzern Sorgen.

 

Folgerezept: Wenn Sie im aktuellen Quartal bereits in Ihrer Arztpraxis waren, kann das Folgerezept direkt von dieser Praxis in die E-Rezept-App übermittelt werden. Außerdem können E-Rezepte auch im Rahmen von Videosprechstunden ausgestellt werden.

 

Digitalisierung: Der Einsatz einer zentralen Datenbank des Gesundheitssystems mit funktionierendem Kommunikations- und Informationsnetz setzt außerdem voraus, dass flächendeckend eine stabile und verlässliche Internetverbindung besteht – was heute immer noch nicht überall der Fall ist.

 

Online-Apotheken: direkte Weiterleitung an Online-Apotheken in der App zur Einlösung des E-Rezeptes

E-Rezept kann direkt vom Online-Arzt in die App übermittelt werden

Ausfall elektronischer Systeme: Außerdem können in der Praxis Fälle auftreten, bei denen die herkömmlichen rosafarbenen Rezepte eingesetzt werden müssen, beispielsweise bei Ausfall des Computersystems, bei Verlust oder Beschädigung der Karte oder auch bei einem Hausbesuch durch den Arzt. Das zeigt, wie wichtig es ist, sowohl das elektronische als auch das herkömmliche System zu nutzen. 

 

Auch Rezepte von Dritten, wie beispielsweise pflegebedürftige Verwandte oder auch Heimbewohner, können stellvertretend eingelöst werden, wenn man sie in die App lädt.

Kosten: Praxen, Krankenhäuser und Apotheker stehen vor hohen Investitionskosten für die richtige technische Ausstattung. Übersteigen diese Investitionen jene Kosten, die durch das E-Rezept eingespart werden, kann dies durchaus nachteilig sein.

 

Keine Fälschungsgefahr: Das E-Rezept ist weitaus schwieriger zu fälschen als ein Papierrezept und kann im Gegensatz zum Papierrezept nicht verloren oder aus Versehen beschädigt werden.

 

Transparenz: Nutzer können beim E-Rezept oftmals nicht direkt sehen was der Arzt oder die Ärztin für ein Medikament verschrieben hat.

Weitere digitale Anwendungen: Medikationserinnerung und Medikationsplan mit eingebautem Wechselwirkungscheck

Zeitersparnis: Laut Ärzten und Apothekern seien die zeitlichen und finanziellen Vorteile nur auf der Seite der Krankenkassen bemerkbar.

Wann wird das E- Rezept eingeführt?

Seit dem Sommer 2021 wurde im Kreis Berlin-Brandenburg in einigen teilnehmenden Praxen und Apotheken die Einführung des neuen E-Rezepts getestet. Zwei Monate wurde diese Testphase verlängert. Statt wie geplant Anfang Oktober fand das bundesweite „Roll-Out“ des E-Rezepts erst Anfang Dezember 2021 statt. Dabei erwiesen sich technische Probleme und wenige teilnehmende Praxen als sehr schwierig. Bei der Umstellung vom Papierrezept auf das digitale Rezept sind gewisse technische Voraussetzungen und eine Umorganisation der Arbeitsabläufe notwendig, was nicht in jeder Praxis sofort reibungslos umgesetzt werden kann. Seit Dezember 2021 können Patienten nun deutschlandweit das neue E-Rezept testweise ausgestellt bekommen.

 

Die Testphase soll dazu dienen, die Anzahl der Teilnehmenden an den Tests zu erhöhen, Updates zu entwickeln, die nötige Software zu installieren, das Personal zu schulen und die Stabilität des Zusammenspiels der einzelnen erforderlichen Bausteine zu prüfen. Innerhalb dieses Zeitraumes wird weiterhin wie gewohnt das Muster 16-Formular („rosa Zettel“) genutzt. Sobald alle nötigen Kriterien getestet und erfüllt sind, erfolgt die Umstellung auf das E-Rezept nach einem gestaffelten Verfahren („gestufter Roll- Out“). Bei dem ganzen Prozess wird die Gematik mit einbezogen, heißt es auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums.

 

Für wen gilt die Regelung?

Sollte das E-Rezept verpflichtend eingeführt werden, dann gilt die Regelung für alle gesetzlich Krankenversicherten und Vertragsärzte. Auch Privatversicherte können dann ihre Verordnung per E-Rezept erhalten, jedoch steht hier der genaue Starttermin noch nicht fest.

Datenschutz

Laut Verbraucherzentrale wird das E-Rezept von der Arztpraxis mit einer qualifizierten elektronischen Signatur versehen. Anhand dieser Signatur kann die Apotheke technisch zuverlässig feststellen, wer das E-Rezept ausgestellt hat und ob der Inhalt des E-Rezepts gegebenenfalls unbefugt verändert wurde.

Nur die verordnende Arztpraxis selbst und die Apotheke Ihrer Wahl können das E-Rezept einsehen.

Die Daten des E-Rezepts werden verschlüsselt auf Servern der so genannten Telematikinfrastruktur gespeichert, dem Netz für Gesundheitsdaten in Deutschland. Sie werden automatisch 100 Tage nach der Einlösung gelöscht, können von den Versicherten aber auch vor Ablauf dieses Zeitraums eigenständig gelöscht werden.

Es findet grundsätzlich keine Analyse Ihres Nutzungsverhaltens oder Ihrer Daten statt. Wenn Sie zur Weiterentwicklung der App beitragen wollen, können Sie in der App der Erhebung und Verarbeitung anonymer Nutzerdaten zustimmen. Ohne diese Zustimmung findet jedoch keine Analyse statt.

Gesundheitsdaten werden in keinem Fall genutzt oder für werbliche Zwecke sowie zur Identifikation von Personen verwendet. Die Daten werden auch nicht an Dritte wie z.B. Apotheken, Ärzte oder andere Einrichtungen weitergegeben.


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Profilbild von Lisa Matz

Lisa Matz ist als freie Journalistin für basenio.de tätig. Als Studentin im Fachbereich Business Administration hat sie theoretische und praktische Kenntnisse in wirtschaftlichen Fragen. In ihren privaten Passionen Reisen und Mode schreibt sie leidenschaftlich ...

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