Altersbedingte Makuladegeneration | Symptome | Therapie

Altersbedingte Makuladegeneration: Symptome, Ursachen & Therapie für feuchte bzw. trockene AMD

Altersbedingte Makuladegeneration | Symptome | Therapie
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Die Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist die Hauptursache für den Sehverlust im Alter. In unserem Beitrag erfahren Sie alles über die AMD, ihre Formen, Anzeichen und Behandlungsmöglichkeiten.

| Jennifer Günther

Farben und Kontraste verblassen, Details und Gesichter erscheinen verzerrt. Wenn die Sehkraft immer weiter nachlässt, bedeutet das für ältere Menschen eine große Einschränkung. Hauptursache für den Sehverlust im Alter ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Etwa 7,5 Millionen Menschen in Deutschland leiden laut der Gutenberg-Gesundheitsstudie der Universitätsmedizin Mainz darunter. AMD ist eine chronische Erkrankung der Netzhaut, die ab dem 50. Lebensjahr auftritt. Dabei ist die Makula, der Bereich des schärfsten Sehens, betroffen. Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e. V. (BVA) rät spätestens ab 50 Jahren zu regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt – denn eine frühzeitige Diagnose und Therapie können das Fortschreiten der Krankheit in bestimmten Fällen verlangsamen und sogar Besserung bringen. Erfahren Sie in unserem Ratgeberbeitrag alles über die altersbedingte Makuladegeneration, ihre Formen, Symptome, Ursachen und Therapie sowie Tipps für Betroffene.

Was ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD)?

Bei der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) handelt es sich um Ablagerungen in der Pigmentschicht der Netzhaut. Diese Pigmentschicht ist die äußere Schicht der Netzhaut und liegt direkt an der Aderhaut. Die kleinen Ablagerungen, sogenannte Drusen, sind die Folge von natürlichen Alterungsprozessen. Bei einer AMD ist die Blut- und Nährstoffversorgung der Netzhaut und somit der Abtransport von Stoffwechselprodukten gestört. Die verstoffwechselten Abfälle lagern sich meist an der Makula ab – als Folge verschlechtert sich die Versorgung mit Blut und Nährstoffen, sodass sich Teile der Netzhaut zurückbilden, dünner werden oder sogar ganz absterben können. In den westlichen Industrieländern ist diese Krankheit, die auch oder altersabhängige Makuladegeneration genannt wird, die häufigste Ursache für eine schwerwiegende Sehschwäche im höheren Alter. Man unterscheidet zwischen zwei Formen der Erkrankung: der trockenen AMD und der feuchten AMD.

Makuladegeneration

Trockene und feuchte AMD

Die meisten AMD-Patienten, etwa 85 Prozent, leiden an der trockenen Form der Erkrankung. Ausgelöst wird sie von Ablagerungen der Stoffwechselprodukte, den Drusen. Die Sehfähigkeit nimmt ab. Trockene AMD ist medizinisch nicht therapierbar. Sie muss aber augenärztlich überwacht werden, da sich aus ihr eine feuchte AMD entwickeln kann. Die trockene schreitet langsamer voran, sie entwickelt sich über Monate oder Jahre hinweg und verläuft weniger aggressiv als die feuchte AMD.

Nur etwa 15 Prozent der AMD-Fälle gehen auf eine feuchte altersbedingte Makuladegeneration zurück. Die Netzhaut reagiert auf die Mangelversorgung mit der Produktion eines Botenstoffes, der die Neubildung von Blutgefäßen anregt.

„Durch das Einwachsen dieser neuen Blutgefäße unter die Netzhaut kann sich die Netzhaut ablösen und diese Gefäßneubildungen können durchlässig werden, sodass Flüssigkeiten, Blut und Lipide austreten und sich einlagern. Dadurch kann es zu einer krankhaften Vermehrung von Narbengewebe kommen und das führt dann zu einem irreversiblen und schweren Visusverlust bis hin zur Erblindung.“, erklärt unsere Augenexpertin.

Eine feuchte AMD führt im Gegensatz zur trockenen Variante sehr schnell zu starken Sehstörungen, kann aber mit modernen Verfahren behandelt werden.

Das folgende YouTube-Video begleitet betroffene Patientinnen einer trockenen und feuchten AMD und stellt die Krankheit, die Therapieformen und Symptome vor.

Youtube Video

Anzeichen / Symptome ernst nehmen

Erstes Anzeichen einer AMD ist eine langsame Sehverschlechterung vom Zentrum des Sichtfeldes aus. Ist das zentrale Sehen gestört, erscheinen vor allem die Gegenstände, auf die man gezielt seinen Blick richtet, verschwommen oder verzerrt. Da meist ein Auge stärker betroffen ist als das andere, gleicht das bessere Auge die Sehstörung am Anfang aus. Umso wichtiger ist ein regelmäßiger Kontrollbesuch beim Augenarzt zur Früherkennung einer AMD. Folgende Anzeichen sollten Sie ernst nehmen:

  • Sehkraftverlust/schwankende Sehleistung: beim Lesen erscheinen die Buchstaben verschwommen oder es bildet sich ein grauer verschwommener Fleck im Zentrum, dieser ist am nächsten Tag aber wieder verschwunden oder verschwommene Gesichter in der Ferne
  • Verzerrtsehen: dies ist vorranging bei der feuchten AMD anzutreffen, Fliesen im Bad wirken wellig
  • Mikropsie: subjektive Sehstörung, bei der die angeblickten Objekte kleiner erscheinen als sie in Wahrheit sind
  • Makropsie: subjektive Sehstörung, bei der die angeblickten Objekte größer erscheinen als sie in Wahrheit sind
  • Störung des Kontrast- und Farbsehens: Kontraste werden schlechter wahrgenommen und Farben blasser und verschwommen empfunden

Risikofaktoren & Ursachen der AMD

Auch wenn es sich bei der AMD um eine altersbedingte Stoffwechselstörung der Netzhaut handelt, bei der Abfallprodukte, die der Körper normalerweise abbauen sollte, in den sogenannten Drusen ablagert, wodurch die Versorgung der Netzhaut behindert wird – gibt es einige Risikofaktoren, die Sie vermeiden können:

  • Bluthochdruck kann ihr persönliches Risiko für eine AMD erhöhen.
  • Auch Raucher haben ein erhöhtes Risiko zu erkranken.
  • Starke Sonneneinstrahlung schadet Ihren Augen – schützen Sie ihre Augen durch eine Sonnenbrille.
  • Vermeiden Sie eine unausgewogene, fette Ernährung.
  • Bewegen Sie sich ausreichend.

AMD ist, wie der Name schon sagt, eine altersbedingte Krankheit und zudem erblich veranlagt. Deshalb ist es ratsam, ab einem gewissen Alter regelmäßig zum Augenarzt zu gehen, damit die Erkrankung frühzeitig erkannt und gegebenenfalls therapiert werden kann.

Diagnose beim Augenarzt

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© YakobchukOlena – Fotolia: Ab dem 50. Lebensjahr sollten Sie regelmäßig zum AUgenarzt gehen.

 

Bemerken Sie Veränderungen beim Sehen, sollten Sie direkt einen Termin beim Augenarzt vereinbaren.

Basisdiagnostik

Zunächst wird Ihr Arzt immer ein Anamnesegespräch führen, um festzustellen, welche Symptome oder Seheinschränkungen auftreten und anschließend einen Sehtest durchführen. So kann Ihre Sehschärfe beurteilt werden und eventuelle Sehstörungen erkannt werden.

Durch spezielle Tropfen kann Ihr Arzt die Pupillen weiten und mittels einer sogenannten Spaltlampe den Augenhintergrund spiegeln, um Veränderungen zu erkennen.

Amsler-Gitter-Test

Amsler-Gitter-Test

Durch den Amsler-Gitter-Test, welcher separat an beiden Augen durchgeführt wird, kann man verzerrte Sehwahrnehmungen feststellen.

Dabei wird nacheinander ein Auge abgedeckt und das oben abgebildete Gitternetz aus 30 bis 40 Zentimeter Entfernung betrachtet. Erscheint das Gitter im Zentrum verzerrt, kann dies auf eine AMD hinweisen.

Spezielle Untersuchungen

  • Fluoreszenzangiographie: Für diese Untersuchung wird ein spezieller Farbstoff in die Armvene injiziert, um Art und Lage von krankhaft veränderten Gefäßen im Augenhintergrund sowie kleine Blutungen zu erkennen.
  • Optische Kohärenztomografie (OCT): Zur Darstellung der einzelnen Schichten der Netzhautmitte tastet bei dieser Untersuchung ein nichtthermischer Laser das Auge ab, so können Größe und Ort von Veränderungen genau erkannt werden.

Therapie gegen Altersblindheit (AMD)

Je früher die AMD erkannt wird, desto effektiver und schonender ist die Therapie. Für die trockene Makuladegeneration existiert derzeit keine wirksame Therapie. Für die feuchte AMD folgende Therapiemöglichkeiten:

  • Medikamente: Bei einer feuchten AMD spritzt der Augenarzt in regelmäßigen Abständen einen VEGF-Hemmer in den Glaskörper des Auges um die Bildung der porösen Gefäße zu verhindern und das Fortschreiten der Erkrankung aufzuhalten.
  • Lasertherapie: Hier werden durch einen thermischen Laser die brüchigen und undichten Gefäße verödet.

Tipps für Betroffene

Damit sich ihre AMD nicht verschlechtert, können Sie selbst einiges tun! Besonders wichtig ist eine ständige Verlaufskontrolle bei ihrem Augenarzt, um ein Spätstadium früh zu erkennen. Außerdem ist eine ausgewogene gesunde Ernährung (vor allem Obst und grünblättriges Gemüse), regelmäßige körperliche Betätigung und ein sofortiger Rauchstopp immer empfehlenswert.

Das AMD-Netz hilft Betroffenen

Auf der Seite des AMD-Netz, ein Zusammenschluss von Experten rund um die Augenkrankheit, finden Sie zahlreiche Informationen über Hilfsmittel, nützliche Tipps und Tricks für den Alltag sowie finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten und regionale Ansprechpartner!

Um weiterhin den Alltag zu bewältigen und das Leben zu genießen, gibt es zahlreiche Hilfsmittel und Unterstützungsangebote:

  • Seh- und Lesehilfen:Wenn die „normale“ Brille nicht mehr ausreicht, kann Ihr Arzt sogenannte vergrößernde Sehhilfen verordnen – Brillen mit speziellen Nahzusatz, Handlupen oder ein elektronisches Bildschirmlesegerät – das Angebot ist groß. Zudem können am PC, Tablet und Smartphone spezielle Vergrößerungsprogramme und die Vorlesefunktion helfen. So müssen Sie nicht auf das Lesen von Büchern, Zeitschriften und Nachrichten verzichten. Tipp: Die App Greta bietet Audiobeschreibungen für zahlreiche Kinofilme.
  • Schulungen:Um weiterhin allein den Haushalt mit einer Seheinschränkung zu meistern, helfen bestimmte Strategien, Markierungen und Hilfsmittel. In Schulungen zu lebenspraktischen Fähigkeiten lernen Sie, wie Sie sich zu Hause und unterwegs besser orientieren können und welche Hilfsmittel Sie dabei nutzen können.
  • Selbsthilfe:Patientenorganisationen wie das AMD-Netz oder Pro Retina e. V. bieten seriöse Informationen und umfangreiche Beratung rund um das Leben mit einer Sehbehinderung. Bei regelmäßig stattfindenden Treffen und gemeinsamen Events können Sie sich zudem mit anderen Betroffenen austauschen. 
  • Nachteilsausgleiche:Patienten mit einer altersabhängigen Makuladegeneration steht bei einem bestimmten Ausmaß der Sehbeeinträchtigung Blinden-oder Sehbehindertengeld zu, informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse. Zudem können hochgradig Sehbehinderte mit einer Sehfähigkeit von 5% oder weniger einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Mit diesem Ausweis können bestimmte Leistungen und Vergünstigungen wahrgenommen werden und spezielle Hilfsmittel finanziert.

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Profilbild von Jennifer Günther

Jennifer Günther ist seit Dezember 2019 für die Ratgeber-Redaktion von basenio.de tätig. Vor basenio.de schrieb sie für den Blog der Klassik Stiftung Weimar.

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